
Künstler Franziskus Welmer vor einer afrikanischen Krippenlandschaft mit Figuren aus Zimbabwe.
Weihnachtliche Darstellungen im Kloster Bardel bei Gronau
Schon als Junge von Krippen fasziniert
Gronau. Jedes Kind kennt hierzulande die Weihnachtskrippe. Die figürliche Darstellung der Heiligen Familie im Stall zu Betlehem, umringt von den Hirten, Engeln, den Weisen aus dem Morgenland, Ochs und Esel wird zur Weihnachtszeit in den Kirchen und vielen Häusern aufgebaut. Doch auch in Afrika, Lateinamerika, im Nahen Osten und rund ums Mittelmeer haben Krippen Tradition. Der Künstler Franziskus Welmer hat bei seinen Reisen die landestypischen Krippenfiguren für sich entdeckt und dazu passend originalgetreue Landschaften inszeniert. Seine Sammlung mit 60 Krippen in ihren Landschaften ist bis zum 31. Januar im Kloster Bardel bei Gronau zu sehen.
Franziskus Welmer ist weit gereist und hat viel gesehen. Der gebürtige Bad Bentheimer ist Individualist, und genauso erkundet er fremde Länder und Landschaften: eigenständig und fernab vom Strom der Touristen. "Ich war 21 Jahre lang mit einem Land Cruiser unterwegs", erzählt der 59-Jährige, der bei all seinen Reisen von seiner Frau Elke Salewski begleitet wird. Dabei dient den beiden Weltenbummlern ihr Fahrzeug auch als Unterkunft. Auf diese Art und Weise lernte das Paar die Sahara, Marokko, Tunesien, Südafrika, Algerien, Libyen, Jordanien, Syrien, Malta, die Türkei und Länder in Lateinamerika kennen.
Von überall her haben sie Krippenfiguren mitgebracht. Warum der freischaffende Künstler ausgerechnet eine Leidenschaft für Krippen hat, erklärt er so: "Schon als kleiner Bub war ich von Krippen fasziniert. Meine Mutter baute immer eine Grotte mit Baumwurzeln und Moos. Darüber hinaus haben mich jedes Mal die Krippen in den Kirchen fasziniert."
Auch als Jugendlicher beschäftigte sich Welmer mit Krippen und beschloss, später selbst einmal welche zu gestalten. Ein Vorhaben, das der Künstler vor drei Jahren umsetzte. "Nach meiner ersten Reise durch Nahost sind mir die Landschaften Jordaniens im Gedächtnis haften geblieben", führt der Künstler fort. Diese frühen Reiseeindrücke bildeten die Basis für seine ersten Krippenlandschaften.
Traditionen und Rituale rund um die Weihnachtskrippe sind in der ganzen Welt zu finden. So ist es in Mexiko und Teilen Zentralamerikas üblich, am 16. Dezember, dem ersten Tag der Posada, eine Krippe zu bauen. "Las Posadas", das spanische Wort für Gasthöfe, ist eine weihnachtliche Feier vom 16. bis zum 24. Dezember 2009. Sie symbolisiert die verzweifelte Suche Josefs nach einer Herberge für Marias Niederkunft.
In seiner Ausstellung zeigt Franziskus Welmer auch Exponate aus Mexiko, und zwar aus der Provinz Chiapas. Es handelt sich um ausgesägte, farbenfroh bemalte Holzfiguren, die in einer einfachen Szenerie aus mitgebrachtem Mangrovenholz stehen.
Einzigartige Landschaften
Welmer hat nicht nur Krippenfiguren in den von ihm bereisten Ländern gesammelt, sondern außerdem verschiedene Naturmaterialien, die er beim Bau seiner Krippenlandschaften verwendet. Dabei modelliert er die Landschaften so, wie er sie auf seinen Reisen kennen gelernt hat. Seine Krippenfiguren aus Zimbabwe befinden sich in einer aus Reisig geflochtenen Hütte. Die Gebäude wirken alt und gebraucht, so als hätten Menschen darin gewohnt. Das ist Welmers Absicht. Damit haucht er seinen Landschaften Leben ein. "Ich mache keinen Modellbau. Mir geht es nicht um irgendwelche Maßstäbe", sagt der Künstler und pocht dabei auf seine künstlerische Gestaltungsfreiheit. Nichtsdestotrotz: Alles, was Welmer anfertigt, basiert auf gründlichen Recherchen.
Dass Welmer seine Krippensammlung im Kloster Bardel ausstellen kann, verdankt er vor allem dem Freundeskreis "Übersee – Grenzüberschreitend denken und handeln" aus Bad Bentheim und Dülmen. Der Freundeskreis ist ebenfalls am Sammeln von Krippenfiguren beteiligt. Überhaupt ist es spannend zu sehen, wie die Gruppe der Heiligen Familie samt Umfeld in anderen Ländern interpretiert wird. So zeigt Welmer insgesamt drei Krippenensembles aus Afrika. Die Exponate aus Zimbabwe hat der Künstler John Khami geschnitzt. Er hat dafür unbehandeltes Holz verwendet, sodass die Figuren bereits den Eindruck eines farbigen Menschen vermitteln. Schon allein im Ausdruck ihrer Gesichter unterscheiden sich die Gestalten von europäischen Krippenfiguren. Sie wirken stolz und strahlen eine konzentrierte Ruhe aus.
Welmer konnte diese Figuren nicht einfach bei dem Holzschnitzer Khami in Zimbabwe abholen. "Dort ist ein Krisengebiet, und es wäre gar nicht möglich gewesen, christliche Kunst auszuführen", erklärt er. Über Kontakte gelangten die Figuren zur Missionsstation "Maria Trost" im südafrikanischen Lydenburg. Dort konnte Welmer das Holzschnitzwerk in Empfang nehmen.
Verkauf für einen guten Zweck
Jede einzelne Krippenlandschaft birgt ihre Geschichte. Es lohnt sich, diese besondere Sammlung anzuschauen. Die Betrachter erfahren viel Neues über die christliche Kultur und Tradition. Darüber hinaus öffnet die Krippenausstellung den Blick für die länderübergreifende, frohe Botschaft zu Weihnachten. Bis zum 31. Januar 2010 ist die Ausstellung an allen Sonntagen von 14 bis 17 Uhr geöffnet.
Die Exponate im Kloster Bardel sind nicht nur zu betrachten, sondern können auch erworben werden. Ein Teil des Erlöses geht an den Freundeskreis "Übersee – Grenzüberschreitend denken und handeln". Der Verein unterstützt Entwicklungsprojekte, zum Beispiel eine katholische Schule in Swasiland und die Missionsstation "Maria Trost" in Südafrika.
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Text: Susanna Austrup | Foto: Susanna Austrup in
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Die Benediktinerin Hildegard von Bingen ist von Papst Benedikt XVI. zur Heiligen der Universalkirche erhoben worden.
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