
Kilian Kreuzinger bei seiner Arbeit an der Figur des heiligen Josef. Er hat für das zweimonatige Krippen-Projekt eine kleines Atelier in der Akademie zur Verfügung gestellt bekommen.
Erstmals eigene Krippe in der Katholischen Akademie Stapelfeld
Ein junger Josef und Maria in zwei Ausführungen
Stapelfeld. Wofür kann ein Bildungshaus eine Krippe gebrauchen? Mit den Figuren lassen sich viele wichtige Dinge erklären. Das sagt Stapelfelds Akademiedirektor Heinrich Dickerhoff. Damit man diese besonderen Möglichkeiten künftig besser nutzen kann – auch dafür gibt es seit diesem Jahr erstmals eine Krippe in der Katholischen Akademie.
"Bilder sind in unserer Arbeit enorm wichtig. Wir arbeiten oft damit." Heinrich Dickerhoff zögert nicht lange. "Nehmen Sie zum Beispiel die Geschichte vom Heiligen Martin und seinem Mantel."
Der pädagogische Direktor der Katholischen Akademie Stapelfeld steht auf, nimmt seine Jacke und hängt sie sich über die Schulter. "Sagen wir einmal, diese Jacke wäre ein Mantel. Dann könnte diese Haltung etwa bedeuten: Meine Jacke gehört mir. Ich behalte sie für mich. Da versteht jeder, was gemeint ist."
Dann nimmt er sie und wirft sie einem anderenseinem Nachbarn zu. "Da weiß jeder: Da gibt einer etwas ab – steht aber selbst anschließend ohne da. Und dann gibt es eben noch das Teilen."
Wichtig für die Arbeit
Mit Bildern, so sagt er, "mit solchen Bildern kann man unheimlich viel verständlich machen." Auch mit Figuren: geneigten Köpfen, segnenden Händen, offenen Armen. Wichtig, um Kopf und Herzen von Menschen anzusprechen.
So ist fast nicht zu verstehen, warum sich die Katholische Akademie eines der christlichen Ur-Bilder bisher so wenig zu Nutze gemacht hat: Weihnachten, das Geschehen an der Krippe. Wo Freude, Demut, menschliches Suchen, Begeisterung in so geballter Form vorkommen.
Der Grund ist dabei ganz einfach. "Unser Haus ist über die Feiertage geschlossen" erklärt Heinrich Dickerhoff. Deshalb sei früher wohl niemand auf diese Idee gekommen. Manchmal habe er in der Vorweihnachtszeit eigene Figuren von zu Hause mitgebracht. "Aber das war eine Notlösung."
Dass es jetzt eine Lösung gibt, daran sind mehrere beteiligt. Zum Beispiel Mitabeiter und Gäste, die nach einer eigenen Krippe fürs Haus gefragt hatten. Aber auch der Förderverein, der rund 5.000 Euro für eine neue Krippe bereitstellte. Und auch Kilian Kreuzinger.
Der 24-Jährige war vor Jahren Zivildienstleistender in der Akademie und absolvierte anschließend eine Ausbildung zum Holzbildhauer in Flensburg. "Eine Krippe für Stapelfeld" – so lautete jetzt sein erster größerer kirchlicher Auftrag, den er in den Wochen vor dem Fest erledigt hat.
Die Akademie-Verantwortlichen hatten sich zuvor vergeblich bei verschiedenen Holzkünstlern umgeschaut. "Wir wollten eine besondere Krippe", erklärt der Stapelfelder Kunst-Fachmann Martin Feltes. "Keine allzu traditionelle, aber eben auch keine provokative, bei der man gar nicht mehr erkennen kann, um was es sich handelt."
Was sich anbot, waren zum einen gefällige, liebliche Figurengruppen. Und Künstler, die sich nicht in der Lage sahen, von diesem Konzept abzuweichen. Oder das Gegenteil: "Künstler, die ihre Interpretation einer Krippe darstellen wollten – was dann aber nicht mehr als Krippe erkennbar war", sagt Martin Feltes.
Erst die Gespräche mit Kilian Kreuzinger überzeugten die Planungsgruppe. "Obwohl auch er uns zunächst irritiert hat." Heinrich Dickerhoff denkt zum Beispiel an das Modell der Maria als starker, aufrecht stehender Frau mit dem Jesuskind auf dem Arm. Ganz anders als die übliche Figur, die sich zum Kind in der Krippe herunterbeugt. "Ich habe mich aber davon überzeugen lassen", erklärt der Akademiedirektor.
Der heilige Josef werde als junger starker Mann dargestellt, als Gegenpol zu Herodes. Dazu kommen noch je ein Hirte, ein König und ein Engel. Und eine schwangere Maria – für die Adventszeit.
Kilian Kreuzinger zeigt auf eine der beiden neuen Marienfiguren. "Sie soll liebevoll und stark wirken", sagt er. "Mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Mit sich schließenden Armen und mit einem Jesuskind, das zur Mutter schaut." Immer wieder hat er diese Ideen mit Heinrich Dickerhoff besprochen.
Die Josefs-Figur hatte er bei den ersten Arbeiten mit der Figurenschraube in den Galgen eingespannt. Der Künstler schabt mit Schnitzeisen feine Späne vom Holz. Immer wieder muss er am Modell maßnehmen. "Es ist ziemlich schwierige, die Proportionen genau hinzubekommen", erklärt er.
Vielleicht auch noch Herodes
Zum Schluss wird jede Figur mit Wachs überzogen. "Das bringt die Struktur des Nussbaum-Holzes noch deutlicher heraus", erklärt Kilian Kreuzinger.
Die ersten der neuen Krippen-Figuren sind zu Weihnachten fertig geworden. Möglicherweise werden noch weitere folgen. Einen Herodes kann Heinrich Dickerhoff sich vorstellen, Martin Feltes denkt auch an Figuren aus dem alten Testament.
Ihren Platz finden sollen die neue Stapelfelder Krippe hauptsächlich im Foyer der Akademie. Und zusätzlich als Anschauungsmaterial und Denkanstoß immer wieder auch in den Kursen.
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Text: Michael Rottmann | Foto: Michael Rottmann in
Kirche+Leben
11.01.2010
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