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17.05.2012
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Krippe.

Die Flucht nach Ägypten auf einem Esel: Auffällig sind vor allem die übergroß dargestellten knochigen Hände und Füße sowie die ausdrucksstarke Mimik der Figuren. Die Darstellung der Flüchtenden stammt von dem Künstler Sabino Tupa Llavilla aus Peru.

Krippensammlung einer evangelischen Pfarrerin

Aus Liebe Gottes zu den Menschen

Telgte. Eine beachtliche Sammlung an unterschiedlichen historischen und gegenwärtigen Weihnachtskrippen aus Westfalen und aller Welt stellt das Krippenmuseum in Telgte aus. Hinzu kommen jedes Jahr zur Advents- und Weihnachtszeit selbst gestaltete Krippendarstellungen von Künstlern und Hobbybastlern aus der Region und darüber hinaus. In diesem Jahr wird die Ausstellung ergänzt durch die Werke einer Stifterin.

Ein Lebensbaum aus Tansania, eine Gottvater-Grotte aus Peru, eine Mini-Krippe in einer herzförmigen Dose oder 30 Szenen rund um die Geburt Christi, dargestellt mit mehr als 150 biblischen Erzählfiguren und Bezügen zum Alten Testament: In diesem Jahr wird die 69. Telgter Krippenausstellung ergänzt durch Werke aus der Krippenstiftung Margarethe Schmid. Auf der Suche nach einer Einrichtung, die durch das Aufstellen der Krippen an der Verkündigung mitwirkt, hatte die evangelische Pfarrerin im Ruhestand aus dem baden-württembergischen Gernsbach dem Telgter Krippenmuseum ihre selbst gestalteten und gesammelten Krippen aus aller Welt geschenkt. Die 63 Einzelwerke und zwei raumgreifende Inszenierungen sind noch bis Ende Januar ausgestellt.

Die Stiftung sei "ein außerordentlicher Gewinn" für das Krippenmuseum und eine Bereicherung der Sammlung, sagt Museumsleiter Thomas Ostendorf. Die gesammelten Werke von Margarethe Schmid seien "stärker am Wort orientiert: Es geht weniger um die Veranschaulichung des Ereignisses, sondern um tiefe theologische Gedanken". Viele Darstellungen seien von der christlichen Weihnachtsbotschaft durchdrungen: "Der christliche Gehalt von Weihnachten, dem Ereignis der Menschwerdung des Gottessohnes aus der Liebe Gottes zu den Menschen heraus, wird immer wieder anschaulich ins Bild gesetzt und dem Betrachter überzeugend vermittelt."

So hat Schmid mit biblischen Erzählfiguren unter anderem die Verkündigung an Josef dargestellt: Der Engel, der Josef im Traum erscheint, hält eine Lilie in den Händen – ein Symbol für den vor Gott reinen und sündlosen Menschen. "Wie Maria sich bei der Verkündigung als 'Magd des Herrn' erklärt, macht sich Josef durch sein Handeln zum 'Knecht des Herrn'", erklärt Ostendorf diese Szene. Für Schmid seien die beiden Verkündigungsszenen gleichwertig. Der Bericht von der Rast der Heiligen Familie auf ihrer Flucht nach Ägypten, den Schmid ebenfalls gestaltete, stammt aus dem apokryphen Pseudo-Matthäus-Evangelium und ist kaum bekannt.

Bei der Gottvater-Grotte, einer einteiligen Tonkrippe, steht nicht die Heilige Familie, sondern die Geburt Jesu als Handlung Gottes im Mittelpunkt. Der peruanische Künstler Sabino Tupa stellt das Kind – einen Häuptlingssohn mit einem Heiligenschein aus Federn – als Sohn Gottes und Erlöser ins Zentrum. Über der Grotte steht Gottvater, umgeben von Engeln. Bei der Darstellung in einem zweitürigen Holzkasten steht ebenfalls der neugeborene Gottessohn im Mittelpunkt: im Zentrum des Wirbels einer neuen Schöpfung von Gottvater mit Tieren und Pflanzen. Dahinter stehe die Vorstellung, dass Gott einem Wesen seinen Atem einhauche.

Ein mehr als zwei Meter großer Lebensbaum aus Tansania verbindet eine ungewöhnliche Symbolik: Er stellt eine Sippe oder Dorfgemeinschaft so dar, "dass im Rund eines ausgehöhlten Baumes sich eine Menschenkette nach oben windet und einer dem anderen die Hand weiterreicht". Kein Individuum ist allein auf der Welt, jeder Mensch steht im Zusammenhang der Generationen.

Schon als Kind war Margarethe Schmid von figürlichen Weihnachtskrippen fasziniert. Nachdem sie in den Ruhestand getreten war, organisierte sie im Landeskirchlichen Museum in Ludwigsburg mehrere Jahre lang unter anderem thematische Krippenausstellungen. Dazu kaufte sie zahlreiche Krippen, darunter peruanische und afrikanische Darstellungen, aus eigenen Mitteln. Andere Krippen gestaltete sie selbst und deutete dabei die biblische Weihnachtsgeschichte theologisch aus. Als das Museum aus finanziellen Gründen geschlossen wurde, trennte sie sich von ihrer Sammlung und überließ sie zunächst dem Evangelischen Kirchendekanat Weinsberg als "Krippenstiftung Margarethe Schmid". Die Krippen sollten in der Weihnachtszeit in den Kirchen des Dekanats aufgestellt werden und so an der Verkündigung mitwirken. Das erwies sich bald wegen des hohen Zeit- und Arbeitsaufwands als nicht durchführbar.

Margarethe Schmid hätte es lieber gehabt, wenn ihre Krippen in ihrer Heimat ein neues Zuhause gefunden hätten, sagt Thomas Ostendorf. Doch nach einem Besuch im Museum, wo sie zwei Inszenierungen aufbaute, habe sich ihre Meinung geändert: Jetzt sei sie glücklich über diese Entscheidung, zumal sie in Telgte im Vergleich zu anderen Lösungen "den Verkündigungsaspekt der Weihnachtskrippe am stärksten berücksichtigt" sah.

Krippenmuseum

Das Krippenmuseum in der Herrenstraße 1-2 in Telgte ist während der Krippenausstellung (bis 31. Januar) täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen 2,50 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben freien Eintritt.

Bischof-Heinrich-Tenhumberg-Preis: Ausgezeichnete Krippen

Aus den fast 160 ausgestellten Werken der 69. Telgter Krippenausstellung hat eine Jury die Träger des Bischof-Heinrich-Tenhumberg-Preises ermittelt. Die Auszeichnungen für vorbildliches Krippenschaffen gehen in diesem Jahr an fünf Einzelpersonen und zwei Gruppen. Einen Preis bekommt die Schülerin Anna Lienemann aus Telgte-Westbevern, die ein neunteiliges Wandbild mit dem Titel "Die Kinder der Hoffnung" geschaffen hat. Franz-J. Volmary aus Ostbevern wird für seine Darstellung der "Anbetung des Kindes durch einen Hirten" aus Bentheimer Sandstein ausgezeichnet. Luzia Kröning aus Steinfurt erhält einen Preis für ein Wandbild mit stilisierter Darstellung der heiligen Familie. Weitere Preisträger sind Erika Spiegel aus Würzburg, Bernhard Gewers aus Hagen am Teutoburger Wald, die Religionsgruppen der Klassen 2 bis 4 der Katholischen Grundschule Buschdorf in Bonn sowie Bewohner des Wichernhauses, eines Wohnheims für Menschen mit Behinderungen in Gelsenkirchen. Die Krippenpreise werden am 30. Januar in Telgte überreicht.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterFotostrecke: Krippensammlung einer evangelischen Pfarrerin
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Text: Almud Schricke | Foto: Michael Bönte
08.01.2010

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