
Regionalbischof Heinrich Janssen.
Weihnachtsgruß des Weihbischofs Heinrich Janssen
Gnade der Weihnachtszeit
Xanten. Weihnachten können wir nicht machen, und Weihnachten können wir nicht abschaffen. Es ist Idee und Werk Gottes. Weihnachten kommt alle Jahre wieder. Jedes Jahr heißt es neu: "Heute ist euch in der Stadt Davids der Heiland geboren" (Lk 2,11). Heute. Das macht die Freude an Weihnachten aus. Weihnachten schenkt uns eine neue Anwesenheit Gottes. Das ist die Gnade der Weihnachtszeit. Gnade ist letztlich nichts anderes als das freie Liebeshandeln Gottes. Gott und Mensch finden zueinander, weil Gott zum Menschen gekommen ist. Gott will nicht ohne uns Gott sein.
Aber wie findet man Weihnachten? Heute. Es gibt nicht nur einen Weg. Ein Weg allein reicht auch nicht aus. Die Zugänge zeigt das Evangelium. Hören und Staunen kann Weihnachten in mein Leben bringen. Maria und Josef, die Hirten und die drei Weisen sind hörende und damit auch empfangende Menschen. Der hörende Mensch ist wachsam wie die Hirten, die Nachtwache halten. Und sie können staunen. Wer staunen kann, wird beschenkt. Staunen ist eine Art zu schauen und Neues zu entdecken.
Das Staunen steht vor dem Fragen. Und das Staunen gehört zu Weihnachten. "Alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten" (Lk 2,18). Und: "Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden" (Lk 2,32). Das war bei der Darstellung im Tempel. Über das Hören und Staunen kommt Weihnachten in das Herz der Menschen. Ein anderer Weg ist, auf die Engel zu schauen. Im Schauen auf die Engel kommt Weihnachten in den Blick. Engel erscheinen fast immer dort, wo sich Neues, Ungewohntes und Überraschendes auftut. Sie überbrücken Ferne und bringen Nähe. Sie sind Boten zwischen Himmel und Erde. Wer nur auf das Machbare setzt, braucht keine Engel. Von einem Engel hören die Hirten: "... ich verkünde euch eine große Freude: Heute ist in der Stadt Davids der Heiland geboren" (Lk 2,11). Der Engel ist so etwas wie der Pressesprecher Gottes.
Und dann geschah es plötzlich, dass bei dem Engel eine große Heerschar ist. Sie singen das erste Weihnachtslied, kurz ist es, zweimal sechs Worte: "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden." Das ist die Weihnachtsbotschaft. Das Lied singt von der Ehre Gottes und der Zuwendung zum Menschen. Nur im Zusammenklang beider "Strophen" kann es Weihnachten werden. Das "Ehre sei Gott in der Höhe" kommt heute oft zu kurz. Dann wird Weihnachten zur Aktion der Menschen. Die Welle des Helfens und Freudemachens darf nicht getrennt werden von der Anbetung. Von den drei Weisen hören wir: "Sie sahen das Kind ... da fielen sie nieder und huldigten ihm" (Mt 2,11).
Die Engel können uns auf den Weg nach Weihnachten bringen wie bei den Hirten. Draußen vor der Stadt, unter freiem Himmel im Stall, ereignet sich Weihnachten. Gott hat seine eigene Art, Öffentlichkeit herzustellen. Er kommt so nah, dass man ihn übersehen kann. Kein Auflauf von Menschen. Hirten, die nachts bei der Herde wachen, finden das Kind in der Krippe. Wer seinen eigenen Vorstellungen nachläuft, findet ihn nicht. Die Gnade der Weihnacht ist das Ja Gottes zum Menschen und des Menschen Ja zu Gott. Die Wegbeschreibung, die Weihnachten finden lässt, ist das Evangelium und sind die vielen Menschen, die es zu leben versuchen.
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Text: Heinrich Janssen | Foto: Archiv in
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21.12.2009
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