
Mehrere Monate malte Hermann Roling an seiner Weihnachtsikone, in der verschiedene weihnachtliche Szenen dargestellt sind.
Hermann Roling aus Gescher malte eine Weihnachtsikone
Die Geburt Jesu Christi im Bild der Ostkirche
Gescher. Auf einer Weihnachtsikone entdecken die Betrachter viel Bekanntes: das göttliche Kind, die Gottesmutter, Ochs und Esel, Hirten, Engel, die Sterndeuter, den heiligen Josef und den Stern von Betlehem. Ikonen wollen eine Botschaft vermitteln, und diese Botschaft soll verstanden werden können. Und das, was verstanden werden soll, muss auch das Richtige sein. Deshalb sind Ikonen auch nicht beliebig malbar. Sie sind nicht Ausdruck der persönlichen Empfindung eines Künstlers, sondern eine Mitteilung über die religiösen Erfahrungen aller Gläubigen und für alle Gläubigen.
So versteht auch Pfarrer em. Hermann Roling aus Gescher seine Weihnachtsikone, die er in den vergangenen Monaten malte. Ganz der Tradition der Ikonen-Malerei verbunden, hat er sich bewusst in ein seit dem sechsten Jahrhundert bestehendes Regelsystem begeben, dem er sich unterordnet, denn er verkündet sich nicht selber, sondern die allen Gläubigen gemeinsame Erfahrung mit Gott.
Die Bildsprache der Ikonen empfindet der 54-Jährige faszinierend, die Symbolik tief gehend. Das Malen hat sich für ihn zu einem persönlichen geistlichen Entwicklungsprozess entfaltet. 20 Ikonen hat Roling bereits geschaffen, davon zwei mit einem Weihnachtsmotiv. Dafür hat er die Farbpigmente mit Eigelb als Bindemittel vermischt. Das Ei als Symbol erinnert an die Auferstehung. Gleichmäßig verteilt ist das Blattgold für den Himmel und die Heiligenscheine.
Die Darstellung der Geburt Christi ist nach traditioneller östlicher Vorlage gemalt. Der Neugeborene, in Binden gewickelt, liegt in einem Sarkophag in einer Höhle, deren Finsternis von einem himmlischen Lichtstrahl erhellt wird. Diese so genannte Altarkrippe verweist auf den Zusammenhang von Menschwerdung und Kreuz. Die feste Einschnürung und die Krippe erinnern auch an einen Sarkophag oder an ein Grab. Denn dieses Gotteskind wird einst den Menschentod auf sich nehmen und in das Grab gelegt. Maria, halb liegend, bewacht das Kind.
Auffallend sind ihr rotes Kissen und ihr dunkelrotes Obergewand. Diese Farben stellen sie als die Königin des Himmels dar. Engel und Hirten begleiten das Geschehen. Die Krippe ist umgeben von Engeln. Oben rechts im Bild kündet ein Engel den Hirten: "Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr." (Lk 2, 10-11) Die drei Engel auf der linken Bildseite lobsingen: "Ehre sei Gott in den Höhen, und Friede auf Erden, den Menschen ein Wohlgefallen."
Josef befindet sich abseits am unteren Bildrand und ist in tiefes Nachdenken über das Mysterium der Geburt versunken. Zu sehen ist auch die Szene, wie das neugeborene Kind von einer Hebamme und einer Magd in einer Art Taufbecken gewaschen wird. Aus dem Osten eilen die weisen Sterndeuter zur Krippe.
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Text: Johannes Bernard | Foto: Johannes Bernard in
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