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04.02.2012
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Franz-Josef Hachmöller.

Mehr als 36 Jahre hat Franz-Josef Hachmöller im Schatten des Kirchturms von Wilhelmshaven Sankt Marien gewirkt. Ob er nun auch im Ruhestand in der Stadt bleiben wird, steht nicht fest.

Hachmöller nach 36 Jahren als Pfarrer nun offiziell außer Dienst

Mit aller Ruhe in das Reizklima

Wilhelmshaven. Mehrere Jahrzehnte war Franz-Josef Hachmöller Seelsorger in der Stadt am Meer, hat das Leben der Pfarrgemeinden in Wilhelmshaven auf seine Art geprägt. Was hat ihn an dieser Stadt in der Diaspora begeistert? Warum ist er nie in eine Gemeinde seiner südoldenburgischen Heimat gewechselt? Fragen beim Schritt in den Ruhestand.

Warum bloß ist er so lange in dieser Stadt geblieben? 36 Jahre – ein Zeitraum, den man eine Generation nennen könnte? Franz-Josef Hachmöller hat in dieser Zeit den Wandel der Stadt erlebt, ihren wirtschaftlichen Zusammenbruch, die verzweifelten Versuche, ihr wieder auf die Beine zu verhelfen. Er hat in seiner Pfarrgemeinde Kapläne kommen und gehen sehen. Er hat eine Zeit erlebt, als es in fast jeder Pfarrkirche der Stadt noch einen eigenen Pfarrer gab. Und er geht jetzt zu einer Zeit, wo Wilhelmshaven eine einzige Pfarrgemeinde ist und die zehntausend Katholiken dort nur noch einen einzigen Pfarrer haben.

Herausforderungen, Wandel, vielleicht auch Krisen. Hat er nie daran gedacht, um Versetzung zu bitten in eine andere Region des Bistums, wo die Arbeit als Seelsorger leichter sein könnte?

Ein Gedanke, der Franz-Josef Hachmöller offensichtlich fern lag. Wer ihm gegenübersitzt, der gewinnt den Eindruck von Ruhe, von Gelassenheit, von unaufgeregtem Handeln. Offensichtlich scheint der scheidende Pfarrer und Dechant zu wissen, dass die Struktur der Kirchen sich über die Jahrhunderte oft genug geändert hat. Und dass er sich von dem Wandel in den zurückliegenden drei Jahrzehnten also nicht bis ins Tiefste erschüttern lassen muss.

Immer mit Gelassenheit

Ruhe und Gelassenheit – die brachte er wohl auch aus seiner südoldenburgischen Heimat mit. Hachmöller stammt von einem Hof in der Bauerschaft Carum bei Dinklage. Die Landwirtschaft zog ihn aber nicht an. "Da waren ja auch erst einmal zwei ältere Brüder vor", sagt er heute mit einem Augenzwinkern. Anderes lag ihm näher: Ein Onkel war Priester geworden, ein Cousin auch. Warum sollte es nicht auch ein Weg für ihn sein? Obwohl Hachmöller durchaus nicht von Zweifeln verschont blieb. Zwei Semester verbrachte er zwischendurch als Student für das Lehramt in Deutsch und Geschichte. Bis er wusste: Ich will doch Priester werden.

Und das in einer Zeit, die auch von Aufbruch geprägt war. Der junge Kaplan erlebte den Wandel mit, der vom Zweiten Vatikanischen Konzil ausging, spürte den frischen Wind, der durch die Kirche wehte, der vieles Überkommene in Frage stellte. Auch in seinem Weihejahrgang habe er viel Hoffnung auf Erneuerung und Bewegung erfahren, berichtet er.

Als Gemeinschaft in die Stadt

Für Franz-Josef Hachmöller bedeutete das zum Beispiel, sich gezielt einer geistlichen Gemeinschaft anzuschließen, die nach den Maßstäben des Heiligen Charles de Foucauld lebte. Gemeinschaft – das bedeutete für den jungen Pastor, mit zwei Mitbrüdern in Wilhelmshaven eine Wohngemeinschaft zu gründen und dort mehrere Gemeinden zu betreuen.

Charles de Foucauld – ein radikaler Christ, der als Einsiedler unter Muslimen in der nordafrikanischen Wüste lebte. Und doch immer wieder Menschen herausforderte, nach seinem Beispiel in der Fremde eine neue Heimat zu suchen und dort das Evangelium zu verkünden. Vielleicht auch damals, 1973, in Wilhelmshaven?

Viel zu dramatisch, winkt der scheidende Pfarrer ab. Jenseits der besonderen Frömmigkeit sei es ihm damals vor allem darum gegangen, nicht vereinzelt in einer Gemeinde zu leben, sondern gleich gestimmte Mitbrüder bei sich zu haben. Ob in Wilhelmshaven oder anderswo.

Nicht vereinzelt – ein Schlüsselwort, wenn man den Menschen und Priester Franz-Josef Hachmöller verstehen will. Die Gemeinschaft mit seinen Kaplänen war ihm immer wichtig, ebenso das intensive Zusammenleben mit jungen Männern, die eine "Priesterausbildung in der Praxis" durchliefen: morgens mit einem Fernstudium der Theologie, nachmittags und abends mit Einsätzen in der Pfarrseelsorge. Drei junge Männer gehörten jeweils zu dieser Wohngemeinschaft. Mit ihnen pflegte Hachmöller das geistliche Leben, etwa durch Anbetungsstunden in einer kleinen Kapelle auf dem Dachboden. Aber auch die alltägliche Gemeinschaft gehörte für ihn immer dazu.

Drei solcher Kurse hat Hachmöller begleitet, dazu gehörten auch der heutige Pfarrer von Jever, Walter Albers, und der Pfarrer von Visbek, Hermann-Josef Lücker.

Gemeinschaft – noch immer ist es typisch für einen Besuch im Pfarrhaus, dass man ganz unkompliziert zuerst in die Küche gebeten wird und am Tisch mit der Wachstuchdecke einen Kaffee eingeschenkt bekommt.

Gemeinschaft – sie muss nicht groß sein von den Zahlen her. Das betont der Pfarrer immer wieder. Vierzig Prozent der Menschen gehören keiner der großen Kirchen an; eine Herausforderung. Hachmöller nennt spricht mit leisem Lächeln "ein Reizklima, nicht nur von der Seeluft her". Ein Klima, das einen Seelsorger herausfordere, aber auch die Menschen rund um die sieben Kirchen in der Stadt.

Sein Eindruck ist eindeutig: Der Kreis von Gläubigen sei dort zwar oft nur klein, aber sie seien immer sehr lebendige Gemeinschaften. "Da gibt es einen lebendigen Kern, der sich einsetzt und zeigen will: Wir sind voll da." Und er macht eine ganz andere Rechnung auf: "Es gibt sehr viele und sehr bewusste Katholken."

Ob er einmal über einen Wechsel nach Südoldenburg nachgedacht habe? Hachmöller antwortet sehr bestimmt mit zwei Worten: "Nein, nie!"

Natürlich gehe er realistisch an die Lage der örtlichen Gemeinden heran, betont Hachmöller. Er sieht kleinere Gemeinden vor sich, weil viele Menschen wegziehen – Folge der hohen Arbeitslosigkeit in der Stadt.

Der Besuch der Sonntagsgottesdienste gehe auch zurück; bei seiner Ankunft vor 36 Jahren lag er bei rund zwölf Prozent, heute liegt er bei etwa neun Prozent. Natürlich ein leichter Schwund, aber doch nicht so hoch, dass Hachmöller verzweifeln würde.

"Was sagen schon Zahlen aus", gibt er zu bedenken? Achtzehn Messdiener zählen zu der Filialkirche Sankt Marien, rechnet er vor. Nicht viel, aber eine Gruppe, die zusammenhält und zum Dienst kommt. Auch wenn sie mit den großen Messdienergemeinschaften in Südoldenburg sich nicht messen lässt.

Denn er kann einiges dagegenzählen. Und das mit leuchtenden Augen. Etwa die eher kleine Kolpingfamilie, die vor zwei Jahren das Kunststück fertigbrachte, einen Oldenburger Kolpingtag in der Stadt durchzuführen.

In Wilhelmshaven wurde der Tag aber bravourös gemeistert, auch, weil nach Hachmöllers Worten eine Unmenge von katholischen Gruppen aus der ganzen Stadt sich mit verantwortlich fühlten. "Dieser Einsatz war für mich eine zutiefst positive Erfahrung."

Text: Franz Josef Scheeben | Foto: Franz Josef Scheeben in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
09.12.2009

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