
Waltraud von Laer aus Vechta ist Vorsitzende des Sozialdienstes katholischer Frauen (SKF) in Vechta und Mitglied im SKF-Bundesvorstand.
Interview mit Waltraud von Laer (SKF) zu Babyklappen:
"Das Recht auf Leben wiegt mehr"
Vechta. Der Deutsche Ethikrat hat sich Ende November mit deutlicher Mehrheit für ein Ende von Babyklappen und anonymen Geburten ausgesprochen. Beide seien ethisch und rechtlich sehr problematisch, hieß es. Kritisiert wurde die Stellungnahme aus den Reihen der Kirchen. Im Interview mit der Pressestelle des Landescaritasverbandes Oldenburg äußerte sich am Donnerstag (03.12.2009) Waltraud von Laer aus Vechta zu dem Beschluss. Von Laer ist Vorsitzende des Sozialdienstes katholischer Frauen (SKF) in Vechta und Mitglied im SKF-Bundesvorstand.
- ? - Frau von Laer, Babyklappen sind in die Diskussion gekommen. Wie kommt es dazu?
Waltraud von Laer: Babyklappen sind in aller Munde, weil die Mehrheit des Ethikrates sich gegen sie ausgesprochen hat. Er empfiehlt die anonyme Abgabe von Kindern und schlägt dafür eine gesetzliche Regelung vor. Dass er sich gegen Babyklappen ausgesprochen hat, erstaunt mich ein wenig, aber es gab immer schon Gegner und Befürworter. Fakt ist ja allerdings auch, dass es im Ethikrat eine kleine Gruppe gibt, die sich für den Erhalt von Babyklappen ausgesprochen hat.
- ? - Was ist die Position des Sozialdienstes katholischer Frauen auf Bundesebene?
von Laer: Der SKF sieht die Problematik und hält verschiedene Lösungsmöglichkeiten für notwendig. Zum Thema Babyklappen sind wir noch nicht zu einer einheitlichen Position "für" oder "gegen" gekommen. Wir fordern seit langem eine wissenschaftliche Auswertung der bestehenden Babyklappen sowie der sonstigen Angebote wie anonyme Geburt oder der "Aktion Moses", wie wir sie unter anderem in Vechta haben. Das wird jetzt auch geschehen. Das Bundesfamilienministerium hat diesen Auftrag an das Deutsche Jugendinstitut erteilt.
- ? - Eine schwierige Lage. Was raten Sie persönlich?
von Laer: Ich rate dazu, alles, was wir im Moment an Hilfsmöglichkeiten haben, beizubehalten und abzuwarten, welche Ergebnisse die Auswertung mit sich bringen wird. Für mich wiegt das "Recht auf Leben" im Zweifelsfall mehr als das "Recht auf Wissen der Herkunft". Auch wenn wir mit den bundesweit 80 Babyklappen nicht alle Frauen erreichen, die sich in einer Notsituation befinden, sind diese Orte für mich ein Angebot der anonymen Beratung. Die Babyklappe muss eingebunden sein in ein Beratungsangebot. Sie ist für mich ein wichtiger Teil einer ganzen Palette von Hilfsangeboten.
Hintergrund:
Der SKF unterstützt mit cirka 10.000 Mitgliedern und 9.000 Ehrenamtlichen sowie rund 6.500 beruflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in bundesweit 149 Ortsvereinen Frauen, Kinder, Jugendliche und Familien, die in ihrer aktuellen Lebenssituation auf Beratung oder Hilfe angewiesen sind. Sein Angebot umfasst 120 Schwangerschaftsberatungsstellen, 38 Frauenhäuser, 36 Kindertageseinrichtungen, Betreuungsangebote für unter Dreijährige und Kindertagespflege. Der SKF ist Mitglied im Deutschen Caritasverband.
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Text: göc, pd | Foto: pd
03.12.2009
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