
Totengedenken bei einer Reservistenwallfahrt auf der Kriegergedächtnisstätte vor der Wallfahrtsbasilika in Bethen.
Kriegergedächtnisstätte ist jetzt auch virtuell zugänglich
Totengedenken im Internet
Bethen. Der oldenburgische Marienwallfahrtsort Bethen bei Cloppenburg pflegt eine eigene Tradition: Im Ersten Weltkrieg nahm die Wallfahrt einen starken Aufschwung, als viele Pilger vor dem Gnadenbild der Muttergottes für Angehörige im Militärdienst beteten. In der Krypta wird der Gefallenen beider Kriege gedacht. Inzwischen ist das für Opfer des Zweiten Weltkriegs auch virtuell im Internet möglich.
Das ist nicht alltäglich: ein Totengedenken im Internet. Für die in der Wallfahrtsbasilika Bethen verzeichneten Opfer des Zweiten Weltkriegs ist das möglich. Das "Bethener Gedenkbuch" ist im weltweiten Netz zugänglich. Die Namen von 10.244 Gefallenen und anderen Opfern aus dem Oldenburger Land sind digital abrufbar. Wie der Archivar im Bischöflich Münsterschen Offizialat, Peter Sieve, betont, soll das traditionelle Totengedenken so in zeitgemäßer Form weitergeführt werden.
Trost vor dem Gnadenbild
Im Jahr pilgern nach offiziellen Angaben hunderttausend Gläubige zum Bethener Gnadenbild. Was viele Pilger jedoch nicht wissen – die Wallfahrtskirche ist zugleich Gedenkstätte der Gefallenen des Ersten Weltkriegs. "Dass eine Wallfahrtskirche zugleich bewusst dem Gedächtnis der Kriegstoten gewidmet ist, dürfte einzigartig sein", erklärt Prälat Dirk Költgen, Wallfahrtsrektor in Bethen.
Im Anschluss an die Wallfahrten sehe man immer wieder Gläubige, die in der Krypta der Basilika nach Namen von Verwandten und Bekannten suchen. Die Namen der gefallenen und vermissten Soldaten des Ersten Weltkriegs sind hier auf Marmortafeln verewigt. 3.672 Namen – hinter jedem verbirgt sich ein persönliches Schicksal.
Inzwischen sind jedoch nicht nur Namen aus dem Ersten Weltkrieg zu finden. 1965 rief das Bischöfliche Offizialat dazu auf, Namen von Opfern des Zweiten Weltkriegs zu melden. Sie wurden in einem "Bethener Gedenkbuch" zusammengefasst, das sich seit 1972 ebenfalls in der Krypta der Wallfahrtsbasilika findet – mit 10.244 Einträgen. Dort sind auch zivile Opfer von Tieffliegerangriffen oder des Nazi-Terrors in den letzten Kriegstagen verzeichnet.
Offizialsarchivar Peter Sieve (links) und Wallfahrtsrektor Prälat Dirk Költgen mit dem Totengedenkbuch, das jetzt auch im Internet vorliegt. |
Im Jahr 1965 richtete man vor der Wallfahrtskirche einen großen Vorplatz mit einer Umfassungsmauer und einer Altarinsel ein. Ursprünglich war geplant, dort an einer Mauer auf Tafeln die Namen der Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkriegs aus dem Oldenburger Land zu verzeichnen. Aus Kostengründen blieb es bei dem Gedenkbuch. Dass diese Namen nun im Internet zugänglich sind, ist den Mitarbeitern des Archivs im Bischöflich Münsterschen Offizialat zu verdanken, vor allem Anita Höne.Allgemein habe er bisher nur positive Rückmeldungen auf das digitale Buch bekommen, berichtet Prälat Költgen. Er sehe es als großen Vorteil, dass er bei Nachfragen aus der Ferne auf dieses digitale Buch im Internet verweisen könne. Dann könnten die Suchenden vom heimatlichen Rechner aus Nachforschungen betreiben. Dem einen oder anderen Auswärtigen werde das eine längere Autofahrt nach Bethen ersparen. Denn nicht jeder sei heutzutage mobil.Einen ähnlichen Eindruck hat Peter Sieve, Mitarbeiter im Archiv des Offizialats. "Die Generation der Kriegskinder ist heute im Pensionsalter, sie fragt nach ihren Wurzeln." Die Nachdenklichkeit bei diesen Menschen nehme zu, mithin auch ihre persönliche Betroffenheit.
Das "Bethener Totenbuch" ziehe zudem keine Grenze zwischen Opfern und Tätern. Die Schuldfrage bleibe hier außen vor. "Gott allein weiß, wer aus welcher Überzeugung gehandelt hat", betont Sieve.
Sicher werde man in diesem Totengedenkbuch gewisse Mängel finden, sagt Sieve. Doppelnennungen etwa, aber wohl auch die Namen vieler Soldaten und Zivilisten, die fehlen. Das Archiv im Bischöflichen Münsterschen Offizialat in Vechta lädt nach Sieves Worten alle Internetnutzer ein, ergänzende Angaben dem Archiv in Vechta mitzuteilen. Denn diesen Vorteil biete das digitale Gedenkbuch: Korrekturen und Ergänzungen könnten per Mausklick im Handumdrehen hinzugefügt werden.
Bethen ist nicht nur der nördlichste Wallfahrtsort des Bistums Münster, sondern zugleich Deutschlands. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1448. Die Verehrung des Bethener Gnadenbilds – ein Vesperbild aus der Zeit gegen Ende des 14. Jahrhunderts – kam infolge der Reformation zum Erliegen. Einen Neuanfang nahm sie nach dem Bau der heutigen Gnadenkapelle im 17. Jahrhundert. Der damalige münstersche Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen weihte die Kapelle und stiftete die noch heute bestehende Prozession von Cloppenburg nach Bethen an Mariä Geburt.
Seit dieser Zeit wurde das Bethener Gnadenbild wieder von Wallfahrern aus der ganzen oldenburgischen Bistumsregion besucht.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Text: Rita Ludlage | Fotos: Andreas Böhm, Georg Thomas in Kirche+Leben
26.11.2009
Dossier: Wallfahrt
"Beten mit den Füßen" - das ist Wallfahrt. Seit Jahrhunderten machen sich Christen auf den Weg, um unterwegs Gott ein Stück näher zu kommen.
Bibel-Teilen
Das "Bibel-Teilen" ist eine Form der gemeinsamen Schriftlesung. Es ermöglicht einen persönlichen Zugang zur Heiligen Schrift.
Service für Sie
Spruch des Tages
Reden, Fragen, Antworten finden
Seelsorger/-innen
Heiligenlexikon in "kirchensite.de"
im
Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:
Kontakt
kirchensite-Redaktion:
redaktion
kirchensite.de
Lebenshilfe+Seelsorge:
Martin Weber
weber
kirchensite.de
Technik:
technik
dialogverlag.de














Newsticker für Ihr Web