
Betriebsratsvorsitzender Andreas Wendland von der Flender AG mit Sitz in Bocholt setzt sich seit Jahren für den Ausbau von Ausbildungsplätzen im Unternehmen ein.
Betriebsratsvorsitzender Andreas Wendland
Streiter für mehr Ausbildungsplätze
Bocholt. Auch die Flender AG hat mit der Wirtschaftskrise zu kämpfen. Das Unternehmen mit Sitz in Bocholt und seinen Standorten in Bocholt, Mussum, Wesel und Voerde-Friedrichsfeld ist auf die Verlängerung der Kurzarbeit angewiesen. Trotz der angespannten Situation konnten am 1. September 78 junge Menschen eine Ausbildung beginnen – so viele wie noch nie in der jüngeren Unternehmensgeschichte.
Sichtlich betroffen ist Andreas Wendland nach der Betriebsversammlung der Flender AG. 3.200 Beschäftigte zählt das traditionsreiche Bocholter Unternehmen, das seit einigen Jahren zum Siemens-Konzern gehört. Für ein Teil der Belegschaft verlängert sich die Kurzarbeit, befristete Arbeitsverträge werden vorläufig nicht verlängert. "Wenn es wieder aufwärts geht, hoffen wir, die freigestellten Beschäftigten wieder einzustellen", sagt Wendland.
Er ist seit sieben Jahren Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Flender-Gruppe und hat viele Höhen und Tiefen des Unternehmens miterlebt. Dazu zählte beispielsweise im Jahr 2000 der Verkauf der Flender AG an die Citygroup, eine "Heuschrecke", wie Wendland rückblickend sagt. Es blieb ein Intermezzo. Aber es gibt auch gute Nachrichten aus dem Unternehmen: Seit einigen Jahren erhöht sich die Zahl der Ausbildungsplätze. 78 Jugendliche haben in diesem Jahr ihre Ausbildung begonnen, 2003 waren es nur 25, ein Tiefstand, 2006 dann 55. "Wir legen Wert auf eine gute, zukunftsgerichtete Ausbildung. Der Betriebsrat und die Unternehmensleitung sind sich einig, dass die Zukunft des Unternehmens im Know-how liegt, in der Qualifizierung unserer Mitarbeiter", sagt der 49-Jährige, der selbst bei Flender eine Ausbildung zum Maschinenschlosser absolvierte. Dafür, dass Flender in den letzten Jahren gegen den Trend die Zahl der Ausbildungsplätze erhöhte, erhielt der Betriebsrat vor kurzem von der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) das "Gütesiegel Gute Arbeit".
Diese Auszeichnung der KAB tat dem Betriebsrat gut: "Es bedeutet für uns Wertschätzung und Motivation, auf diesem Weg weiterzumachen. Ich freue mich über die Unterstützung der KAB, die mithilft, dass gute Arbeit organisiert wird." Die KAB-Mitglieder sind für Wendland wichtige Mitstreiter, wenn es darum geht, Arbeitnehmer-Interessen wahrzunehmen. Katholische Soziallehre und Betriebsratsarbeit ergänzten sich gut.
Nur in einem guten Klima zwischen Geschäftsführung und Beschäftigten könne das Unternehmen vorangebracht werden, meint Wendland und erinnert an eine 2003 getroffene Vereinbarung. Damals verhandelte der Betriebsrat mit der Geschäftsführung nicht etwa um Bonuszahlungen an die Arbeitnehmer, sondern um eine Aufstockung der Ausbildungsplätze und um eine neue, moderne Werkzeugmaschine für das Ausbildungszentrum. "Mit diesen Forderungen haben wir die Geschäftsführung verblüfft. Sie hat erkannt, dass nur qualifizierte Fachleute das Unternehmen im globalen Wettbewerb weiterbringen."
Sorge bereitet ihm das "Drei-Klassen-System" von Beschäftigten in vielen Unternehmen. Dass es neben der Stammbelegschaft Mitarbeiter mit befristeten Arbeitsverträgen und Leiharbeiter gebe, führe zu einer Entsolidarisierung der Arbeitnehmerschaft. "Nur mit unbefristeten Arbeitsverträgen können Menschen eine Zukunft aufbauen. Erst soziale Sicherheit schafft Perspektiven und gibt jungen Menschen den oft entscheidenden Anstoß, eine Familie zu gründen. Diesen Rückhalt müssen wir jungen Leuten geben."
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Text: Johannes Bernard | Foto: Johannes Bernard in
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16.11.2009
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