
Für das Kreuz auf dem Friedhof setzt sich Werner Reimer seit Jahrzehnten ein.
Werner und Martha Reimer kümmern sich um das Wegekreuz
Pflege ist Selbstverständlichkeit
Herten. St. Ludgerus in Herten-Scherlebeck ist 100 Jahre alt. Auch die KFD und der Kirchenchor blicken auf ein Jahrhundert Geschichte zurück. Es gab viele Gründe zu feiern in diesem Jubiläumsjahr.
Eine Woche hat die 1909 als Filialpfarrei aus der Taufe gehobene und sechs Jahre später in die Eigenständigkeit entsandte Gemeinde den runden Geburtstag würdig begangen. Das Jubiläum gibt Anlass, Rückschau auf ein Jahrhundert zu halten, Tradition zu pflegen und in die Zukunft zu blicken. Seit 2008 bildet St. Ludgerus eine Seelsorgeeinheit mit der Nachbargemeinde Maria Heimsuchung in Herten-Langenbochum.
Zwischen Festhochamt und Chorkonzert scheint dies nur eine kleine Randnotiz: Zum 100-jährigen Bestehen der Gemeinde wurde das alte Wegekreuz am Kommunalfriedhof restauriert. Doch für Werner Reimer und seine Frau Martha ist das Kreuz am Straßenrand viel mehr als ein Denkmal aus vergangener Zeit. Seit fast 30 Jahren kümmern sich der Hertener und seine Familie um die Instandhaltung, pflegen die kleine Grünanlage vor dem schlichten Bildstock aus Stein.
"Das gehört mittlerweile zu unserer gewohnten Friedhofsrunde", sagt der Hertener. Immer wenn die Familiengräber zum Wochenende von Unkraut befreit und mit frischen Blumen geschmückt sind, machen die Reimers zum Abschluss ihrer Tour am Kreuz Station und bringen das mit Bodendeckern gestaltete Beet wieder in Schuss. Als Sohn des Friedhofsgärtners wuchs Werner Reimer gleich um die Ecke auf, in dem 1950 erbauten Haus für den Friedhofsgärtner, seinen Vater. Das Wegekreuz einfach sich selbst zu überlassen, kam schon deshalb für ihn nicht in Frage.
Als die Stadt Herten die Gemeinde St. Ludgerus Anfang der 1980er Jahre ersuchte, sich des alten fast verfallenen Bildstocks anzunehmen, der einst von der Bauernfamilie Jansen gestiftet worden war, erklärte sich Reimer sofort bereit, sich dieser Aufgabe anzunehmen. Zusammen mit den Messdienern schnitt er das wuchernde Grün zurück und brachte die Anlage rund um das nach dem Verkauf des Bauernhofs zusehend verfallende Wegekreuz wieder auf Vordermann. Regelmäßig leistete die Messdienergruppe ihren freiwilligen Dienst. Irgendwann waren die Jugendlichen erwachsen, das feste Gruppengefüge löste sich auf. Reimer machte weiter, mit Unterstützung von Ehefrau Martha.
Nächste Generation
Mittlerweile kümmert sich schon die nächste Generation der Familie um das alte Wegekreuz. Sohn Matthias, ausgebildeter Gärtnermeister, hat das Beet vor dem Kreuz neu gestaltet – mit Bodendeckern und zum Herbst mit violett leuchtender Heide.
Reimer hat unterdessen dafür gesorgt, dass die Restaurierung des Bildstocks fachgerecht von statten ging. Zu ihrem 100. Geburtstag hatte die Gemeinde die Sanierung spendiert. Die Standsicherheit zu verbessern und die Risse im Putz auszubessern, das hat Werner Reimer den Fachleuten der Firma Vogt überlassen. Beim neuen Anstrich hat er selbst Hand angelegt. "Ein bisschen Farbe drauf, das mache ich schon", sagt er bescheiden. Jetzt leuchtet das Kreuz an seinem schattigen Platz unter alten Bäumen.
Bereits einige Jahre zuvor hatte sich Reimer dafür eingesetzt, dass die Schrift auf Steinsockel des Kreuzes wieder lesbar gemacht wurde. Anstelle der schon oft nachgezeichneten und immer wieder verblassenden aufgemalten Worte trat eine Tafel, in die diese Worte eingelassen sind: "Trag gern dein Kreuz so trägt es dich / Zur ewgen Heimat sicherlich / Doch wirfst du es ab, so glaube mir, / Ein schweres neues nahet dir."
Entstanden ist die Schrift wie das Wegekreuz einst, als Kriegsheimkehrer wieder glücklich zu ihrer Familie zurückfanden. Für Reimer ein Stück Geschichte, das es zu bewahren gilt, wie an vielen Orten. Auf Wegekreuze achtet er jetzt immer, wenn er unterwegs ist – auch im Urlaub. Und jedes Mal, wenn er einen gut erhaltenen und gepflegten Bildstock entdeckt, denkt er an das steinerne Kreuz an der Backumer Straße.
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Text: Martina Möller | Foto: Martina Möller in
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09.11.2009
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