
Lukas Wessling (hinten, 2.v.r.) war gemeinsam mit Pfarrer em. Roetger Schwartz (M.) und Christoph Vennemann (l.) im Nordosten Brasiliens unterwegs.
Zwei Jugendliche bereisten den Nordosten Brasiliens
Ein anderes Leben kennen gelernt
Coesfeld / Selm. Der Nordosten Brasiliens – genauer der Bundesstaat Maranhão und noch genauer Cantanhede und Pirapemas – war für Lukas Wessling aus Coesfeld das Ziel. Gemeinsam mit dem emeritierten Pfarrer Roetger Schwartz und dem 18-jährigen Christoph Vennemann aus Selm machte er sich auf den Weg, das Leben dort kennen zu lernen.
"Meine Eltern kennen Roetger Schwartz aus der Jugendarbeit. Er war in St. Jakobi in Coesfeld tätig und lebt heute in Münster-Roxel", erzählt Lukas Wessling. Auch hatten sie den Geistlichen, der von 2002 bis 2006 in Brasilien gelebt und als Pfarrer gearbeitet hatte, zuvor einmal besucht. "Es war sehr interessant, zu erleben, wie die Menschen in Brasilien leben und was in den vergangenen Jahren dort aufgebaut wurde", erzählt der Schüler, der die 13. Klasse am bischöflichen Pius-Gymnasium besucht. Vor allem die herzliche Art der Menschen habe ihn beeindruckt. "Obwohl ich kein Portugiesisch spreche, haben wir uns sofort verstanden", sagt der 18-Jährige. Interessant sei es ebenso gewesen, zu sehen, für welche Projekte Spenden aus seiner Heimatgemeinde eingesetzt würden.
So hat Schwartz beispielsweise zwölf kleine Schulen in Pirapemas eingerichtet. Sie werden durch Spenden finanziert. "Die Sternsinger aus Roxel sammeln zum Beispiel dafür. Aber die Erlöse aus dem Partnerschaftssonntag unseres Pfarrbezirks Maria Frieden der Gemeinde St. Lamberti fließen ebenso in das Projekt."
Schwartz hat sich während seiner Zeit in Brasilien besonders für die Bildung der Menschen eingesetzt. Zwar gebe es staatliche Schulen, doch dort lernten die Kinder nicht genug, um später für sich sorgen zu können. Für zusätzlichen Unterricht hatte Schwartz die Kapellen geöffnet und Lehrer eingestellt, die er von seinem Gehalt und Spenden aus Deutschland bezahlt hat. Heute gibt es Schulen, in denen die Kinder nicht nur unterrichtet werden, sondern auch eine Mahlzeit erhalten.
Ein weiteres Projekt hat sich die kleine Gruppe, die anfangs gemeinsam mit Pfarrer Martin Weber und Gemeindemitgliedern aus Ibbenbüren bis in den Nordosten gereist war, angesehen: das Projekt "Land und Leben", das vom Bistum Münster unterstützt wird und in dem sich Entwicklungshelferin Maria Detert engagiert. "Sie lebt seit 24 Jahren dort und versucht, alles in Gang zu halten", erklärt Wessling. Dort werden Kurse angeboten, in denen die Menschen lernen, ein Stück Land zu bewirtschaften, damit sie von ihren eigenen Erträgen leben können. "Oder es gibt eine Milchverarbeitungsfabrik und weitere Projekte, die die Bauern kopieren können", erklärt Wessling.
Besonders interessant fand er es, zu sehen, was mit den Spenden vor Ort passiert ist. "Der soziale Status ist höher als vor ein paar Jahren, aber es läuft in Brasilien alles langsam an. Die Einstellung zum Leben ist eine andere", lauten seine Erfahrungen.
Übernachtet haben die drei im Pfarrhaus in Cantanede oder bei der Entwicklungshelferin. Gemeinsam mit Roetger Schwartz sind sie auch ins Hinterland gefahren, haben dort Gottesdienste mitgefeiert und das Leben so erlebt, wie es für den Pfarrer früher Tagesgeschäft war. Zum Abschluss gab es noch für ein paar Tage ein touristisches Programm. "Die Gegensätze in Brasilien sind sehr krass, und man erkennt sie sofort. Es gibt sehr reiche oder ganz arme Menschen. Das gibt es in Deutschland sicherlich auch, aber nicht so extrem."
Sein Leben habe sich durch diese Reise sicherlich nicht verändert, aber "ich habe einen anderen Kulturkreis kennen gelernt und interessante Begegnungen gehabt. Doch ich bin auch froh, wieder in Deutschland sein zu können", gibt Lukas Wessling zu. Im gleichen Moment wie er sich auf zu Hause gefreut hätte, habe er sich aber auch gefragt, wie es wohl für einen Brasilianer sein mag, der nach Deutschland kommt. Bedauert hat Wessling, dass er sich nicht mit den Menschen direkt unterhalten konnte, sondern immer einen Dolmetscher benötigte. "Ich kann mir nun auch vorstellen, meinen Zivildienst oder ein freiwilliges Jahr im Ausland zu absolvieren –allerdings doch lieber in einem englisch-sprachigen Land."
Text: Michaela Kiepe | Foto: privat in
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12.10.2009
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Als erste Jugendkirche im Bistum Münster wurde am 7. Dezember 2002 die Jugendkirche "effata!" in Münster eröffnet.
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