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17.05.2012
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Ökumenischer Aktionstag für Hauptschüler

Jugendliche und Lehrer gestalteten mit Gesang, Trommeln und so genannten Boomwhakern den Gottesdienst.

Ökumenischer Aktionstag für Hauptschüler im Museum Abtei Liesborn

Christliche Spurensuche

Wadersloh-Liesborn. 140 Schüler des sechsten Jahrgangs der Hauptschulen aus Beckum, Hamm, Oelde und Wadersloh waren im Museum Abtei Liesborn zu Gast. Bei dem ökumenischen Aktionstag, zu dem die Abteilung Religionspädagogik im Bistum Münster eingeladen hatte, gab es für die Jungen und Mädchen viel zu entdecken.

Eingeteilt in kleine Gruppen konnten die Jugendlichen an dem Morgen vor allem eins tun: sich ohne Leistungsdruck ausprobieren. Lernen durch Handeln – das kam bei den Schülern an.

Kichern, quatschen, klönen: Teenager wie Maria Caputo und Adriana Savic hatten sich viel zu erzählen. Ihre erste Aufgabe in Liesborn erschien den beiden Mädchen daher nicht gerade maßgeschneidert: hieß es doch, zu schweigen und zu gehorchen. Die Mädchen und zehn andere Schüler sollten sich in Mönche und Ordensschwestern verwandeln. Dafür hingen im Flur der Abtei schwarze Kutten für die Kinder bereit. Sie stülpten die Gewänder über, knoteten den Gürtel, der auch Zingulum genannt wird – und fertig waren die jungen Benediktiner auf Zeit. Über eine imposante alte Holztreppe ging es in den ersten Stock in einen Sitzungsraum, in dem eine Betreuerin den Kindern das Leben im Kloster erklärte. Gehorsam, Ehelosigkeit, Armut: "Ganz schön schwer" fanden Maria und Adriana diese Lebensform.

Dass Mönche im Mittelalter dicke Bücher abschrieben, versetzte die Mädchen ebenfalls in Erstaunen: "Wir schreiben selbst gern", sagten Maria und Adriana. Aber so viel? Und das jeden Tag? Ihre eigenen Schreibkünste stellten die beiden anschließend bei einem Schnellkursus in Kalligrafie unter Beweis. Anschließend zogen die Kinder die Kutten wieder aus, denn es warteten neue Aufgaben: Wolle spinnen zum Beispiel oder das Bearbeiten von Flachs.

Insgesamt gab es zwölf Gruppen und genauso viele Arbeitsfelder. Jeder Jugendliche sollte an dem Morgen zwei Aufgaben bearbeiten. Während die einen mit Papier und Wachsmalkreide in der Abtei unterwegs waren, um Abdrücke von alten Grabplatten herzustellen, malten andere mit Pastellfarben oder fertigten Radierungen an. Hoch hinaus ging es bei der Turmbesteigung. Spaß hatten die Jungen und Mädchen auch mit Trommeln und so genannnten Boomwhakern. Das sind Rhythmusgeräte, die aussehen wie lange Papprollen. "Cool", kommentierten Philip Goertner (11) und sein gleichaltriger Mitschüler Stefan Ahrens diese Art zu musizieren. Zu singen liege ihnen wegen des Stimmbuchs nämlich weniger, sagten die beiden.

Dass alte Kruzifixe oder die niederländische Porträtkunst des 17. Jahrhunderts nicht langweilig sind, erfuhren die Schüler von Museumsleiter Benny Priddy. "Die Jungen und Mädchen sind interessiert und machen gut mit", lobte der Kunstkenner seine Zuhörer. Diese Erfahrung machte auch Lehrerin Annette Müller. Sie ließ ihre Gruppen verschiedene Mariendarstellungen in der Abteikirche miteinander vergleichen. "Manche Jugendliche haben heute zum ersten Mal bewusst wahrgenommen, dass die Mutter Gottes mit einer Krone oder einem Strahlenkranz dargestellt wird", sagte die Pädagogin.

Fingerfertigkeit war im Fachwerkhaus neben der Abteikirche gefragt. Dort konnten die Kinder Fische aus bunten Steinen basteln. Sie erfuhren, dass der Fisch (griechisch "Ichtys") das Symbol der frühen Christen war, bevor das Kreuz an seine Stelle trat.

Glaubensgemeinschaft stärken

Organisiert wurde der ökumenische Aktionstag von der Abteilung Religionspädagogik im Bistum Münster. "Wir wollen damit die Glaubensgemeinschaft katholischer und evangelischer Schüler stärken und zugleich den Religionsunterricht an den Schulen fördern", erklärte Referatsleiter Bernhard Ossege. Damit lief er bei Lehrern der beteiligten Schulen offene Türen ein. "Außerschulische Lernorte sind eine Bereicherung, weil sie Abwechslung in den Schulalltag bringen", beurteilte Barbara Bollmann von der Ketteler-Hauptschule in Beckum das Konzept. Außerdem bringe es deutlich bessere Erfolge, wenn Schüler Dinge selbst ausprobieren könnten, sagte die Lehrerin.

Um die Spannung vor dem Aktionstag in Liesborn für die Schüler zu erhöhen, hatten die Organisatoren die Kinder aufgefordert, vorab Briefe an ihre Mitschüler aus den anderen Schulen zu schreiben. Hobbys, Lieblingsfächer, eigene Erfahrungen mit Kirche – alles konnte Thema sein. Gleich bei ihrer Ankunft in Liesborn suchten die Schüler als erstes ihre neuen Brieffreunde. Der gewünschte Nebeneffekt war eine von Anfang an lockere Atmosphäre und eine bessere Zusammenarbeit in den gemischten Gruppen. "Die Klassen sollten nicht unter sich bleiben, sondern sich mit den anderen mischen und sich austauschen", sagte Ossege.

Mit einem Wortgottesdienst, den Weihbischof Franz-Josef Overbeck gemeinsam mit Pfarrer Thomas Ehrenberg von der evangelischen Gemeinde in Wadersloh feierte, endete der Aktionstag. Beide Geistlichen wünschten den Kindern, dass sie den Glauben für sich als wesentlich entdeckten. Von dem, was die Jungen und Mädchen an dem Morgen erarbeitet hatten und im Gottesdienst vorstellten, waren die Geistlichen beeindruckt.

Im Anschluss an den Gottesdienst waren die Jungen und Mädchen ins Pfarrheim der Gemeinde St. Cosmas und Damian eingeladen. Dort hatten Ehrenamtliche um Jürgen Drees und Anita Temmen Pizza für alle gebacken.

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Text: Marita Galka | Foto: Marita Galka in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
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