
Ludger Becker auf dem Marktplatz in Emsdetten, mit dem Pfarrhaus im Hintergrund. Er hat im Münsterland als Kaplan viel gelernt. Und er weiß, dass als Pfarrer in Barßel neue Herausforderungen auf ihn warten.
Ludger Becker wird Pfarrer von Barßel Sankt Ansgar
Auf einem Umweg zum Priesteramt
Barßel. Er war gerne Kaplan im Münsterland. Aber ebenso gerne kehrt Ludger Becker in seine oldenburgische Heimat zurück. Auch wenn er weiß: In Barßel warten besondere Herausforderungen auf ihn. An diesem Sonntag wird er dort als Pfarrer eingeführt.
Dafür braucht man nicht bis nach Emsdetten zu fahren. Wenn Gemeinden zusammengelegt werden, geht es schnell auch um die Frage, welche Gottesdienste wann und in welcher Kirche noch gefeiert werden können. Oft ein Grund für heftigen Streit bis in die letzte Viertelstunde hinein.
Bei Ludger Becker ging es nie um die letzte Viertelstunde. Bei der Zusammenlegung der Gemeinden in Emsdetten wurde die Zahl der Gottesdienste zwar von elf auf neun verringert. Aber der Kaplan setzte sich massiv für anderes ein: Die Messen am Abend sollten erhalten bleiben, und das an jedem Wochentag. Gezielt für Berufstätige. "Das war mir unwahrscheinlich wichtig", betont er.
Auf den ersten Blick könnte das befremden. Wer den Lebensweg von Ludger Becker kennenlernt, wird sich über diese Wertschätzung nicht mehr wundern. Denn er hat nach der Schule einen ganz normalen Beruf gelernt, war Industriekaufmann in einem Eisenwarenbetrieb. Aber in seinem Inneren ließ ihn die Verbindung zur Kirche nicht los. Wie aber sollte er sie jenseits der Sonntagsmesse pflegen?
In einer Abendmesse nach der Arbeit. In seiner Heimatstadt Lohne mit ihren vier Kirchen und Kapellen war das nie ein Problem. In jeder feierte Ludger Becker abwechselnd den Gottesdienst mit. Auch im Urlaub, zum Beispiel in Sankt-Peter-Ording an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste, blieb dieser Gottesdienstbesuch für ihn eine Selbstverständlichkeit. "Einmal bin ich dafür sogar sechzig Kilometer gefahren", berichtet er.
In diesen Gottesdiensten habe er auch immer stärker den Drang gespürt, sein Leben ganz neu auszurichten. "In den Messen selbst", betont er. "Es gab da nicht irgendwelche konkreten menschlichen Vorbilder." Nach einigem Nachdenken wechselte er aus der Berufstätigkeit auf ein Kolleg für sogenannte Spätberufene und machte sich auf den Weg zum Priesteramt.
Erst mit fast dreißig
Spät berufen – das kann man wörtlich nehmen, schließlich war Ludger Becker da schon fast dreißig Jahre alt. Es waren Jahre einer behüteten Kindheit in der Bauerschaft Südlohne, aufgewachsen mit fünf Geschwistern, erzogen von "Tante Frieda", die sich im Haushalt der Familie Becker schon in der dritten Generation mit um die Kinder kümmert.
Es waren aber auch Jahre, wo er sich begeistert und selbstverständlich als Messdiener und Lektor einsetzte.
Auch diese Form kirchlichen Lebens, kirchlicher Jugendarbeit, wurde ihm in Emsdetten zur Herzensangelegenheit. Stolz berichtet er: Mehr als hundert Gruppenleiter und mehr als vierhundert Messdiener könne die Gemeinde verzeichnen. Eine große Gemeinschaft, um die sich der Kaplan gerne kümmerte, von den Leitertreffen in seinem Wohnzimmer bis zur selbstverständlichen Teilnahme am siebentägigen Lager.
Für ihn wurde da sehr klar: "Unter den Jugendlichen in unserer Kirche gibt es so etwas wie eine Sehnsucht nach Einsatz – aber die ist nicht unbedingt verknüpft mit dem Besuch des Gottesdienstes." Diese Entwicklung sehe er gar nicht depressiv oder enttäuscht, sondern ganz nüchtern.
Für Becker ist klar: "Glauben hat immer auch etwas mit Freiheit zu tun. Mit Pflicht und Zwang kann man Jugendliche vielleicht in die Kirche kriegen, aber dann steht keine innere Überzeugung dahinter."
Mit diesen Gedanken kommt er jetzt nach Barßel, in eine Gemeinde, die nach dem plötzlichen Weggang von Pfarrer Wolfgang Pille nach einem Neuanfang sucht. Ludger Becker kennt die Probleme. Aber er will sie auf eine Art anpacken, die sehr zu ihm passt.
Mit Heimatfreude. "Als ich für meinen ersten Besuch in Barßel die A 31 hochfuhr, fiel mir auf, dass es von den Äckern des Münsterlandes so langsam in die Wiesen überging". So ein Heimatgefühl muss den jungen oldenburgischen Priester gepackt haben. "Hier könnte ich es wohl aushalten, war mein erster Gedanke."
Mit Gelassenheit. "Ich habe bei diesem Gespräch in Barßel die Menschen als sehr handfest und aufgeschlossen erlebt. Und ich habe ihnen deutlich gesagt, dass ich ohne ein fertiges Konzept komme, das ich der Gemeinde einfach überstülpen würde." Kopfschütteln. "Das würde ja auch gar nicht gehen."
Der Pfarrer und die Gemeinde – beide müssten sich ja erst einmal langsam kennenlernen. Zudem stehe das Zusammenwachsen der Gemeindeteile Barßel, Elisabethfehn und Harkebrügge ja auch noch auf dem Programm.
Viel zu tun für den jungen Pastor. Aber er wirkt nicht erschüttert. Sondern am Ende des Gesprächs voll Vorfreude und Begeisterung. Auch in Barßel wolle er vor allem eines vermitteln: "Glaube muss immer aus der Freiheit kommen." Und wenn es die Freiheit ist, aus dem Angebot der Abendmesse an Werktagen auszuwählen und sich ansprechen zu lassen.
Text: Franz Josef Scheeben | Foto: Franz Josef Scheeben in
Kirche+Leben
28.09.2009
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Der Grundstein für eine Partnerschaft zwischen den Diözesen Tula in Mexiko und Münster wurde auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil in Rom gelegt.
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