
Auf der Lichtung an der kleinen Kapelle treffen sich die Menschen bei der Kreuztracht, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern.
Kapelle des Coesfelder Kreuzwegs
Ein Lebensort für Menschen von heute
Coesfeld. Beter, Spaziergänger, Jogger sowie Inliner – der Coesfelder Kreuzweg wird von den Menschen in unterschiedlicher Weise genutzt.
"Der Coesfelder Kreuzweg ist das, was die Menschen mit ihm machen", sagt Pastoralreferent Andreas Hinz. Der 35-Jährige ist Moderator und Koordinator der Veranstaltungen im Jubiläumsjahr "350 Jahre Großer Kreuzweg – dem Leben auf der Spur". Mit den unterschiedlichen Veranstaltungen der zahlreichen Gruppen will das Organisationsteam, dem Gläubige und Seelsorger aller Gemeinden der Kreisstadt angehören, viele Menschen ansprechen. "Und das mit der Offenheit, mit der die Menschen den Kreuzweg nutzen: als Beter, als Sportler, als Spaziergänger. Sie alle hinterlassen Spuren – mal sichtbare, mal unsichtbare. Aber dieser Weg hinterlässt auch Spuren im Leben der Menschen", ist sich Hinz sicher.
Der knapp zwölf Kilometer lange Coesfelder Kreuzweg, der in der St.-Lamberti-Kirche beginnt und auch in ihr endet, wurde von Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen im 17. Jahrhundert angelegt. Der Weg vom Weißen Kreuz an der Borkener Straße über die kleine Kapelle bis zur großen Kapelle ist der beliebteste Teil. Die Strecke ist zu beiden Seiten mit Bäumen gesäumt, die bereits Christoph Bernhard pflanzen ließ. "Der Kreuzweg ist ein Ort der Bewegung. Er bringt Menschen in Bewegung, und Gottes Bewegung zu den Menschen wird deutlich. Das machen wir in unserem Motto 'Dem Leben auf der Spur' deutlich", erläutert Hinz.
Der Kreuzweg ist ein historischer Ort, an dem viel erlebt wurde. Sei es Christoph Bernhard, der ihn wegen seiner Verehrung des Coesfelder Kreuzes hat anlegen lassen, oder Anna Katharina Emmerick, die den Weg gegangen ist. Aber auch tragische Schicksale haben sich dort abgespielt, wie die der Flakhelfer, die in den letzten Tagen des Kriegs dort gestorben sind.
"Auf dem Coesfelder Kreuzweg gibt es viel Leben und abends Stille. Aber ich fühle mich dort nicht einsam, auch wenn ich allein bin", betont der Pastoralreferent und Schulseelsorger. Der Kreuzweg fordere heraus. "Nicht nur, dass ich dreieinhalb Stunden Zeit brauche, wenn ich ihn flotten Schritts gehe, sondern auch die Stationen sind eine Provokation", weiß Hinz.
350 Jahre hat der Kreuzweg überlebt, aber fertig ist er nie. Denn zahlreiche engagierte Menschen arbeiten immer weiter an ihm. Die Pfadfinder haben beispielsweise neue Bänke aufgestellt, die Landjugend schneidet regelmäßig die Bäume, und viele helfende Hände aus der näheren Nachbarschaft kümmern sich um die Pflege der Stationen. "Oft im Stillen und ohne großes Aufsehen daraus zu machen." Ihr Verdienst sei es auch, dass diese Idylle immer noch ein Lebensort sei. Auch kunsthistorisch sei der Kreuzweg einzigartig – zumindest in der Region, wenn nicht auch noch weit darüber hinaus, sagt Hinz.
Diese zahlreichen Aspekte hat das Organisationsteam mit unterschiedlichen Veranstaltungen aufgegriffen. So wird es beispielsweise am 6. September eine sportlich-geistliche Aktion der DJK Coesfeld an der kleinen Kapelle geben, die mit einem Familiengottesdienst beginnt und dem sich ein Sponsoren-Staffellauf anschließt. Es gibt biblische sowie eucharistische Abende, Impulsgottesdienste mit Glaubenszeugnissen ebenso wie ein Taizé-Gebet und eine Kreuzvesper als kirchenmusikalische Andacht.
Das Programm endet am 20. September mit der traditionellen Kreuztracht. Die heilige Messe auf der idyllischen Lichtung an der kleinen Kapelle feiert in diesem Jahr Weihbischof Franz-Josef Overbeck mit den Gläubigen.
Stichwort: Großer Kreuzweg
Gestiftet wurde der Coesfelder Kreuzweg im 17. Jahrhundert von Fürstbischof Bernhard von Galen, der Coesfeld 1651 zu seiner Residenzstadt gemacht hatte. Er war ein großer Verehrer des Coesfelder Kreuzes, das in der St.-Lamberti-Kirche steht und gleichzeitig Beginn und Ende des zwölf Kilometer langen Wegs ist. Die Strecke bildet fast ein Quadrat, alle Seiten sind annähernd 2,5 Kilometer lang. Der Kreuzweg hat 18 Stationen. Es gibt die kleine und die große Kapelle, die 1659 errichtet wurden und dem leitenden Ingenieur des Fürstbischofs, Bernhard Spoede, zugeschrieben werden. Die in Sandstein gemeißelten Stationen säumen den Weg. Sie wurden entweder vom Fürstbischof selbst errichtet oder vom Fraterherr Erich Claessen, Superior der Augustinernonnen im Kloster Marienbrink und geistiger Vater der Kreuzwegsgestaltung.
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Text: Michaela Kiepe | Foto: Michaela Kiepe in
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