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17.05.2012
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Gemeinsam in versöhnter Verschiedenheit.

Jugendliche hatten während der 72-Stunden-Aktion im Frühjahr einen Keller in einen Second-Hand-Laden verwandelt.

Katholischen und evangelische Gemeinde arbeiten eng zusammen

Gemeinsam in versöhnter Verschiedenheit

Oer-Erkenschwick. Ihr gutes Verhältnis haben sie in einer Vereinbarung verschriftlicht und im Internet veröffentlicht. Die katholischen Pfarrgemeinden und die evangelische Kirchengemeinde Oer-Erkenschwick verstehen sich gut und engagieren sich gemeinsam beispielsweise in sozialen Projekten.

"Dreimal im Jahr treffen wir uns mit den Seelsorgern und Pastoralreferenten und fragen, was können und was müssen wir in Oer-Erkenschwick tun", erklärt Clemens Kreiss, seit Dezember 1999 Pfarrer der Seelsorgeeinheit St. Josef und St. Marien. Eines ist den Beteiligten wichtig: "Wir treten als Christen in der Öffentlichkeit gemeinsam auf. Das hat sich bewährt", pflichtet ihm sein evangelischer Kollege Rüdiger Funke bei.

 Begonnen hat die ökumenische Annäherung mit dem Lebensmittelprojekt "Der Laden". Seinen Ursprung hat es in den Gemeinden St. Marien und St. Josef. "Wir haben gesehen, dass es viele Menschen in unserer Stadt gibt, die am Existenzminimum leben", sagt Kreiss. "Der Laden" wurde ins Leben gerufen. "Dann ergab es sich, dass vor vier Jahren das Diakonische Werk in  Oer-Erkenschwick aufgelöst wurde und die Räumlichkeiten in der Innenstadt frei wurden. Wir sind aufeinander zugegangen und haben behutsam das Projekt gemeinsam angefasst", führt Funke die Geschichte weiter aus. Daraus entstanden sei ein Lebensmittel-Projekt in der Innenstadt, das sich in evangelischen Räumen befindet, aber ökumenisch wahrgenommen werde.

Jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat hat "Der Laden" geöffnet. "Wir leben von Spenden und kooperieren mit zwei Tafeln. Sie geben uns, was bei ihnen übrig bleibt", erklärt Kreiss. Angeboten werden vorwiegend Grundnahrungsmittel. 130 Ausweise wurden bislang ausgestellt. 35 Ehrenamtliche arbeiten im Lebensmittel-Projekt mit. Wichtig ist den beiden Seelsorgern, dass dieses Projekt kein übergestülptes sei, sondern eines, das aus den Gemeinden komme. Ebenso wie der Caritas-Shop in der katholischen Pfarrgemeinde Christus König. Dort können Bedürftige einmal monatlich günstig Haushaltsartikel erwerben.

Oder das jüngste "Kind" der Kooperation: der Kleiderladen. Seit Juni gibt es im Keller des evangelischen Familienzentrums an der Stettiner Straße die Möglichkeit, gebrauchte Kleidung für wenig Geld zu erstehen. "Der Kindergarten liegt in einem sozialen Brennpunktgebiet. Dieses Angebot passt zum Konzept unseres Familienzentrums", berichtet Funke. Zahlreiche Kleiderspenden seien bislang eingegangen. Dank des Einsatzes einiger Jugendlicher im Rahmen der 72-Stunden-Aktion im Bistum Münster hatte das Angebot einen gelungenen Start. Denn die Jugendlichen werkelten ein Wochenende lang, um aus einem typischen Kellerraum mit Gerümpel, eine ansehnliche Modeboutique mit Umkleidekabine, Theke, Regalen und Gesprächsecke zu schaffen. "Man verpasst Chancen, wenn man nicht zusammen arbeitet. Und es gibt mehr, als man gemeinhin wahrnimmt, wenn man bei der Ökumene nicht zuerst auf das guckt, was nicht da ist, sondern auf das, was gemeinsam geht", betont Kreiss. Im Ruhrgebiet sind – anders als im Münsterland – die beiden Konfessionen gleich stark vertreten. Zudem gibt es in der Stadt Oer-Erkenschwick inzwischen drei Moscheen. "Gegenüber den Muslimen zeigen wir ebenfalls Gesprächsbereitschaft. Doch es ist schwierig. Ein Miteinander funktioniert nur im Kindergarten", hält Kreiss fest.

Wichtig ist den Seelsorgern das Thema Ökumene in zweierlei Hinsicht. "Ökumene wird konkret in diesen Projekten erlebbar. Zudem erhalten wir ökumenisch einen anderen Stellenwert in der politischen Gemeinde." Die Stadt profitiere von dem engen Miteinander der Konfessionen.  Wie beispielsweise auf dem Friedhof oder auf dem freigegebenen ehemaligen Zechengelände. Dort gibt es einen kleinen Kreuzweg, und ein gemeinsamer Taufwald ist ebenso angedacht. "Die Kirche bemüht sich, etwas zu schaffen, das Identität stiftet", sagt Kreiss. Und Funke fügt hinzu: "Wo immer sich ein Thema auftut, reagieren wir gemeinsam. Das gibt uns eine Stärke. Denn allein hätten die Gemeinden diese unterschiedlichen Projekte nicht schultern können."

Doch nicht nur im sozialen Engagement arbeiten die Kirchen zusammen. Ebenso gestalten sie beispielsweise gemeinsam den Silvestergottesdienst, die Gottesdienste der Schützen und der Schulen. "In Zeiten, in denen beide Konfessionen immer mehr Menschen verlieren, ist es wichtiger denn je, mit einer Stimme zu sprechen", sagt Funke. Einig sind sich die beiden Seelsorger, dass das gute Miteinander sicherlich auch an den handelnden Personen liege.

Allerdings ginge es in diesem Miteinander nicht darum, aus den beiden Konfessionen eine zu machen. "Sondern weiterhin Respekt vor der Form des anderen zu haben. Wir leben in versöhnter Verschiedenheit", sagt Kreiss. Wobei die beiden betonen, dass jeder der anderen Seelsorger der Stadt hätte genauso an dem Gespräch teilnehmen können.

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  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Ökumene

Text: Michaela Kiepe | Foto: Michaela Kiepe in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
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