
Aktiv unter den Türmen von Lohne Sankt Gertrud (links): Steffi Kathmann, Lehrerin und Mitglied im Pfarrgemeinderat von Lohne Sankt Josef. Sie spricht auf dem Wochenmarkt der Stadt Menschen auf das Jubiläumsprojekt ihrer Gemeinde an: "Mein Gott".
Nun doch eine einzige Pfarrgemeinde für die Stadt Lohne
Überraschung im Jubiläumsjahr
Oldenburger Land. Der Gedanke ist nicht neu. Beim Beginn des Prozesses der Zusammenlegung von Gemeinden war in Lohne schon einmal überlegt worden, die vier Gemeinden auf dem Gebiet der Stadt zu einer einzigen zusammenzulegen. Dar aus wurde nichts. Stattdessen gingen Lohne Sankt Josef und Kroge einen gemeinsamen Weg. Um jetzt zu erfahren: Die Stadtgemeinde kommt doch.
Vielleicht können die Menschen in Brockdorf mit dieser Entwicklung noch am leichtesten umgehen. Für sie war von vornherein klar, dass ihre kleine Gemeinde mit rund neunhundert Katholiken mit der großen Gemeinde Sankt Gertrud in der Stadt Lohne zusammengehen würde. Alle anderen Pläne in den zurückliegenden Jahre kamen für sie nicht in Frage, berichtete Pfarrverwalter Clemens Heitmann jetzt bei einer Pressekonferenz. Zusammenschluss mit Dinklage? Im Pfarrgemeinderat abgelehnt. Zusammenschluss mit Mühlen und Kroge? Im Pfarrgemeinderat abgelehnt. Sie wollten und wollen sich mit der Gemeinde Sankt Gertrud in Lohne zusammenschließen.
Mit solch großer Selbstverständlichkeit gehen die Menschen in Lohne Sankt Josef und Kroge-Ehrendorf Herz Jesu an das Thema nicht heran. Sie sind im Sommer 2006 zu einer neuen Gemeinde zusammengelegt worden. Auf die Ankündigung des Bischöflichen Offizialates, man werde nun doch alle Gemeinden der Stadt zu einer zuammenlegen, reagierten sie überrascht und verstört. Pfarrer Rudolf Büscher berichtete von der Sitzung des Pfarrgemeinderates, die Menschen seien "enttäuscht" gewesen; bei vielen habe der Eindruck vorgeherrscht: "Wir haben uns mit aller Mühe auf den Weg gemacht und drei Jahre lang Spuren gesetzt – und jetzt unterbricht man diesen Prozess."
Prälat Bernd Winter, Leiter der Seelsorge-Abteilung im Bischöflichen Offizialat, warb eindringlich um Verständnis für die neuen Pläne. Sie beruhen nach seinen Worten auch auf Erfahrungen in den Städten Cloppenburg und Vechta. In Cloppenburg sei ursprünglich zum Beispiel eine so genannte "Torten-Lösung" im Gespräch gewesen; je eine Stadtgemeinde habe man mit einer Gemeinde im Hinterland zusammenlegen wollen.
In Vechta sollte die Propsteigemeinde Sankt Georg unberührt bleiben, andere Gemeinden in der Stadt und am Stadtrand hätten in der einen oder anderen Form zusammenarbeiten sollen.
In beiden Fällen habe sich aber "im Voranschreiten des Prozesses mehr und mehr die Erkenntnis durchgesetzt, dass der zusammenhängende Lebensraum einer Stadt sich auch in der kirchlichen Struktur" abbilden müsse. Seitdem habe man dort jeweils Stadtgemeinden auf den Weg gebracht. Winter zeigte sich vor diesem Hintergrund überzeugt, dass die kirchliche Entwicklung auch in Lohne die Bildung einer Stadtgemeinde "als kirchliche Entsprechung des Lebensraumes der Katholiken" zur Folge haben werde.
Der zuständige Koordinierungs-Ausschuss im Bischöflichen Offizialat habe beschlossen, die neue Stadtgemeinde bis Ende 2010 zu bilden; Bischof Felix Genn habe dieser Entscheidung im Juni zugestimmt.
Winter gab zu, dass man damit den Gläubigen in Lohne "eine Zumutung" aufbürde. "Wir tun das nicht leichtfertig", sagte Winter. "Wir tun es, weil wir überzeugt sind, dass dies die bessere, wenn auch anstrengendere Lösung ist."
Die Pfarrgemeinderatsvorsitzende von Lohne Sankt Josef, Ulrike Ehrenborg, sprach in einer ersten Stellungnahme gegenüber Kirche+Leben von einer schweren Aufgabe, die vor der Gemeinde liege. Die 49-jährige Hausfrau und Mutter von drei Kindern lebt selbst im Gemeindeteil Kroge-Ehrendorf und hat die Sorgen mit erlebt, als der Ort mit Lohne Sankt Josef zu einer Gemeinde zusammengelegt wurde. "Solche Sorgen zu bewältigen hat viel Energie gekostet." Die Gemeinde könne sich jedoch nicht sperren; man müsse den neuen Plan "nehmen, wie er ist und das Beste draus machen."
Die Nachricht von der Zusammenlegung fällt mitten in die Feier eines Jubiläums: Die Pfarrgemeinde Sankt Josef begeht dieses Jahr den fünfzigsten Jahrestag der Weihe ihrer Pfarrkirche.
Die neue Pfarrgemeinde in Lohne wird wahrscheinlich etwas über siebzehntausend Katholiken zählen und damit die größte sein im Oldenburger Land.
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Text: Franz Josef Scheeben | Foto: Anne-Kathrin Beimforde in
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