
Besinnung und Gebet gehören zu den Säulen der Gemeinschaft, die in der Klosterkirche in Mörmter ihren Tag beginnt.
Fazenda da Esperanca "Kloster Mörmter" startet
Jeder ist herzlich willkommen
Xanten. Acht Jahrzehnte haben Franziskanermönche in Mörmter gelebt. Jetzt wird ihr Kloster zu einer "Fazenda da Esperanca" umgebaut, zu einem "Hof der Hoffnung". Es ist die vierte Niederlassung der aus Brasilien stammenden Bewegung in Deutschland – eine von mehr als 60 weltweit. Der franziskanische Geist wird in den Gebäuden des Klosters erhalten bleiben. Denn die deutschen Gründer, die Priester-Brüder Stapel, gehören zu den Franziskanern.
Zur Zeit geht es auf dem "Hof der Hoffnung" zu wie in einem Bienenschwarm: 20 Frauen und Männer, Ehemalige der Bewegung aus Argentinien, Belgien, Brasilien, Deutschland und Italien, renovieren die Klosterzellen. Alles soll glänzen, wenn am Samstag (15.08.2009) Bischof Felix Genn zur Eröffnung kommt. Mit einem Tag der offenen Tür will die Gemeinschaft die letzten Zweifler in Xanten überzeugen, dass mit neuen Antworten auf die Herausforderungen der Zeit der Geist der Franziskaner erhalten bleibt.
Bei einer Vorstellung der Fazenda-Gemeinschaft im Xantener Rathaussaal nannte Pfarrer Paul Stapel die 26 Jahre der Bewegung "einen Trick Gottes für unsere Zeit". Weltweit seien die Gründungen zu "modernen Wallfahrtsorten" geworden, zitierte er einen brasilianischen Bischof. Der Grund? Die Überwindung von Süchten sei eine neue Form der Evangelisation, die Fazendas Orte lebendigen Lebens für 2.200 junge Menschen – tägliche Wunder im Alltag, wie der Geistliche die Fazendas beschreibt.
Wie schon in Nauen und Irsee bei Berlin oder in Päwesin im Ostallgäu stehen ab Montag (17.08.2009) in Mörmter die Türen weit offen für Jugendliche und junge Erwachsene; für Menschen, die aus Familie, Schule, Ausbildung und Beruf herausgefallen sind. Menschen, die aus der Drogen-, Alkohol-, Medikamenten-, Ess- und Spielsucht frei kommen wollen. Menschen, die unkompliziert aufgenommen werden, da keine Kostenzusage benötigt wird.
In Mörmter erwartet sie ein fest strukturierter Tagesablauf: 6.30 Uhr Frühstück, ab 7 Uhr Rosenkranz und Betrachtung, danach Arbeit von 8 bis 12 Uhr und 13 bis 17 Uhr. Anschließend Gottesdienst und Anbetung. Also nur etwas für Fromme? Silvia schüttelt energisch den Kopf. Als Ehemalige ist die 30-jährige Berlinerin zurzeit in Mörmter im Arbeitseinsatz.
"Ich war nie besonders fromm. Magersucht, Selbstverletzungen, Suizidversuche, fehlende Selbstakzeptanz als Mädchen und Frau – das prägte meine Jugend." Die freundliche Aufnahme in der Berliner Fazenda brachte die Wende. Ihr Lebenszeugnis, das sie auch Papst Benedikt XVI. auf der Fazenda in Guaratinguetá in Brasilien am 12.05.2007 vortrug, gipfelt in dem Satz: "Es macht mich glücklich, andere glücklich zu machen."
Gemeinschaft, Arbeit und Spiritualität sind die drei Säulen des Lebens auf der Fazenda. "Die jungen Leute leben in Wohngruppen und lernen durch das Miteinander einen neuen Lebensstil kennen. Suchtkranke Jugendliche, Freiwillige und Ehemalige unterstützen sich gegenseitig. Dabei dient ihre Arbeit und die Tagesstruktur dazu, den eigenen Lebensunterhalt zu erwirtschaften", beschreibt Pfarrer Christian Heim, Leiter der deutschen Niederlassungen, das Konzept.
Die Spiritualität ist geprägt von der täglichen Orientierung auf das Wort Gottes am Morgen und Abend. Dafür ist die Klosterkirche wie geschaffen. "Jeder, der dafür offen ist, ist herzlich willkommen – unabhängig von einer religiösen Zugehörigkeit." Finanziert wird das Zusammenleben unter anderem durch die Hartz IV-Zuwendungen und Spenden vom Freundeskreis. Darüber hinaus wird durch die eigene Arbeit ein wichtiger Beitrag geleistet.
Oft wird gefragt, wie es mit den Gottesdiensten in der Klosterkirche weiter geht. In den nächsten Monaten ist Franziskanerpater Konrad im Haus und feiert weiter mit der Gemeinde die Messen. Auch der Adventsbasar bleibt erhalten. Eine endgültige Entscheidung trifft zu gegebener Zeit Propst Alfred Manthey, in dessen Seelsorgebezirk Mörmter fällt.
Text: Walter Plümpe | Foto: Walter Plümpe in
Kirche+Leben
14.08.2009
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