
Martha Arning, Margret Eikenbusch und Bernd Meinert (v.l.) engagieren sich.
Die Marien-Kapelle in Billerbeck-Aulendorf
Wo Radler ein Marienlied anstimmen
Billerbeck-Aulendorf. Seit 1991 ist die Marienkapelle in Billerbeck-Aulendorf in Besitz eines Capellenvereins. Sein Ziel ist es, das kleine Gotteshaus und das kirchliche Leben der Bauerschaft zu erhalten.
"Dies ist keine Kapelle, sondern eine neugotische Saalkirche", klärt Bernd Meinert auf. Er zeigt an die Decke und deutet auf die Pfeiler. "Sie hat Seitenschiffe." Doch dies ist nicht die einzige Besonderheit der Marienkapelle in Billerbeck-Aulendorf. "Wir sind eine selbstständige Kapellengemeinde", betont der Bauer. Seit 1992 gehören die Kirche, die benachbarte ehemalige Aulendorfer Schule und die Gaststätte dem Capellenverein, und seitdem ist auch Meinert im Vorstand aktiv.
Margret Eikenbusch gehört seit sieben Jahren dem Vorstand an. Sie erzählt von den Anfängen des Kleinods. "1746 stellten 14 Bauern in Münster den Antrag, eine Kapelle bauen zu dürfen. Ihnen war der Weg bis nach Billerbeck zu beschwerlich. Sie erhielten die Gehmigung und errichteten ein Jahr später ihre Kapelle. Es war ein Fachwerkgebäude mit Strohdach", erzählt sie. Gleichzeitig verpflichteten sich die Bauern und ihre Erben, für alle Reparaturen auf ewige Zeiten aufzukommen.
1888 war die Kapelle in einem sehr schlechten Zustand. "Und Münster wollte sie schließen, weil sie eines Gotteshauses nicht mehr würdig war. Zudem erinnerte die Behörde die Bauern an ihr Versprechen", berichtet Meinert. 1889 wurde eine neue Kirche für damals 22.000 Mark gebaut und 1890 zu Ehren der unbefleckten Empfängnis Mariens geweiht. Noch bis 1991 gehörte den Erben der 14 Gründer die Kapelle. Allerdings wurde viel Geld für zahlreiche Reparaturen benötigt, das nicht vorhanden war. "Nach vielen Diskussionen gab es den Beschluss, die bisherige Eigentümerschaft zugunsten eines gemeinnützigen Vereins aufzulösen", berichtet Meinert. "Vereinszweck ist die Förderung des Erhalts und Bestands der Kapelle Aulendorf als besondere historisch gewachsene Stätte der katholischen Religionsausübung von Alters her", zitiert er aus den Vereinsstatuten. 72 Mitglieder zählt der Verein.
"Wir sind eine Gemeinde ohne festen Seelsorger. Seit 1946 feiern die Kapuziner aus Münster mit uns am Sonntag und an kirchlichen Feiertagen die heilige Messe", berichtet Meinert. Für den Blumenschmuck und noch einiges mehr ist Martha Arning verantwortlich. Die 83-Jährige wohnt in der Nähe der Kapelle und schaut immer mal wieder nach dem Rechten. "Und August Lohmann spielt die Orgel. Er ist Autodidakt", zählt Meinert einen weiteren Dienst auf.
Die Kapelle trägt sich über die Mitgliedsbeiträge und Einnahmen für Hochzeiten. "Allerdings reicht es gerade. Seit dem vergangenen Jahr sind wir schuldenfrei. Mit viel Kreativität haben wir das geschafft", erzählt Meinert, der für die Finanzen verantworlich ist. Durchschnittlich 14 Trauungen zählen die Aktiven jährlich – Tendenz steigend. "Aber wir erhalten auch Spenden. Das Leben rund um die Kapelle läuft. In den Erhalt der Kapelle fließen keine Kirchensteuern. Lediglich die Kosten für die Patres übernimmt das Bistum", betont Meinert nicht ohne Stolz.
Mit allen Mitteln hätten sie um den Erhalt der Kapelle gekämpft, nachdem die Schulden sich bei den alten Eigentümern gehäuft hätten. "Wenn wir nicht so hartnäckig gewesen wären, gäbe es heute die Kapelle nicht mehr", sagt Meinert. Das Ensemble Kapelle, alte Schule und Gastwirtschaft ist der Mittelpunkt und Treffpunkt der Bauerschaft und schafft Identität. Auch die Gaststätte wird vom Capellenverein getragen. "Kirche und Kneipe gehören einfach zusammen", sagt der 55-Jährige. So haben die Messdiener im Keller der Gaststätte ihre Räume, der Schützenverein und die Senioren treffen sich regelmäßig in der Gaststätte, die in Eigenregie geführt wird. Zum alten Schulbezirk Aulendorf zählen heute 150 Haushalte. Doch auch Auswärtige finden zum Gottesdienst den Weg in die Bauerschaft. Sie kommen aus Laer, Holthausen, Billerbeck und Havixbeck.
Die Kapelle ist ein Kleinod in der Nähe von Billerbeck. Häufig machen Radfahrer hier Halt. So wie die drei Ehepaare aus Bayern, die eine Woche lang das Münsterland erkunden. Für sie ist die Marienkapelle in Aulendorf ein besonderes Ziel. Sie gehen hinein und singen zu Ehren der Maria ein mehrstimmiges Marienlied. Auch Martha Arning, Margret Eikenbusch und Bernd Meinert wenden sich der geschnitzten Pieta aus der Barockzeit zu und singen leise mit
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Text: Michaela Kiepe | Foto: Michaela Kiepe in
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