
Vor dem feierlichen Einzug in den Gottesdienst stellten sich die Bannerträgerinnen in einer langen Reihe auf.
Rund 1.300 Frauen bei der diesjährigen Landes-Frauenwallfahrt
Mit 42 Bannern auf nach Bethen
Lastrup/Bethen. Zur Landes-Frauenwallfahrt nach Bethen in der vergangenen Woche kamen wieder Frauen aus dem gesamten Oldenburger Land. Sie feierten ein Pilgeramt bei der Basilika, erstmals mit dem neuen Landes-Frauenseelsorger Bertholt Kerkhoff. Kirche+Leben hat in diesem Jahr eine MC-Frauengruppe aus Lastrup begleitet und ihr bei ihren Vorbereitungen über die Schulter geschaut.
Noch gut zwei Stunden bis zur Wallfahrt. Es ist zehn vor fünf. In der Küche im Lastruper Pfarrheim liegen auf dem Tisch Käse und Schinken neben frischen Rosinenstuten. Drei Frauen sitzen und schmieren die Scheiben, drei andere stehen und belegen sie.
Sie gehören alle zur Lastruper Frauen-MC. Mit anderen Gruppen aus dem Dekanat Löningen sorgen sie für die Verpflegung bei der diesjährigen Landes-Frauenwallfahrt. "Wir machen Kilmerstuten", erklärt Maria Wassenberg, die langjährige Vorsitzende der Lastruper MC.
Eine halbe Stunde später sind die zweihundert Schnittchen der Lastruperinnen fertig. Gut verpackt landen sie in einem großen Karton. Nach dem Abwasch brechen die Frauen in zwei Wagen nach Bethen auf. "Mitlaufen können wir nicht, denn wir müssen bei der Kirche unseren Stand aufbauen", erklärt eine von ihnen.
Ortswechsel. Auf dem Platz neben der Wallfahrtsbasilika in Bethen: Der Wind lässt die Blätter der Bäume rauschen und ihre Schatten schweben über das Mauerwerk der Kirche. In windstillen Momenten ist ein Trecker zu hören.
Drei Männer laden Holzbänke ab und stellen sie polternd auf. Ein Mann im blauen Hemd mit markanter dunkler Brille geht durch die Sitzreihen. Er spannt rot-weißes Flatterband um die Bänke. Der Bereich soll frei bleiben für die Frauen, die den Fußweg von der Jugendburg aus mitgehen.
Freie Plätze für die Pilgerinnen
Inzwischen sind auch die sechs Frauen aus Lastrup da. Nur ihre Tische fehlen noch: So bleibt ihnen etwas Zeit, um mit den anderen Frauen aus Essen, Löningen, Bevern, Lindern, Hemmelte und Evenkamp zu sprechen. Zusammen haben sie 1.500 Schnittchen geschmiert.
Währenddessen auf dem Parkplatz nahe der Jugendburg in Cloppenburg: In kleinen Gruppen stehen die Frauen zusammen. Eine Mutter Gottes auf dem blauen Grund eines Banners überragt die vielen Köpfe. Kein Lüftchen regt sich.
Plötzlich scheint sich der Zug in Bewegung zu setzen. Doch es war einigen nur "zu warm", wie ihre Gespräche verraten. Nach ein paar Schritten stehen alle wieder. Im kühleren Schatten verfolgen sie nun die Begrüßung durch Mechthild Pille, der Offizialats-Frauenreferentin.
Frauen aus dem südlichen Teil des Dekanats Damme haben die Wallfahrt vorbereitet und zum Beispiel die Texte und Lieder ausgesucht. Das Thema lautet in diesem Jahr "Gemeinschaft braucht Verantwortung - Lydia trifft Paulus".
Während Mechthild Pille von einem kleinen Podest aus spricht, fährt ein kleiner Junge mit seinem Fahrrad auf den Platz. Direkt neben ihr bleibt er stehen. Er nimmt die Hände vom Lenker und schaut in die Runde. Mit "Bewahre uns Gott" beginnt die Prozession fünf Minuten später. Der Junge ist schon wieder weg. Betend und singend zieht der Zug über den Wallfahrtsweg nach Bethen.
Am Ziel: Die Glocken beginnen zu läuten, als die Ersten den Wallfahrtsplatz erreichen. Dort haben sich schon viele eingefunden, die den Weg von der Jugendburg nicht mitgegangen sind. Die Bannerträgerinnen stellen sich in einer Reihe auf. Alle anderen Frauen strömen an ihnen vorbei zu den freien Sitzplätzen. Das rot-weiße Band ist verschwunden. Abseits steht der Mann, der es zuvor abgerollt hatte. Mit Sakko über dem Hemd und mit dem Band in der Hand.
Kurz vor Beginn der Messe sind alle Plätze belegt. Diesmal muss keine der 1.300 Frauen stehen. "Es wurden neue Bänke angeschafft", erklärt Mechthild Pille, bevor sie sagt, wofür die Kollekte und der Erlös aus dem Imbiss bestimmt sind. Das Geld soll einem Projekt zugute kommen, das afrikanische Großmütter im Kampf gegen Aids unterstützt.
Mit dem feierlichen Einzug der insgesamt 42 Bannerträgerinnen beginnt der Gottesdienst. Der Platz liegt im Schatten. Immer wieder fegen jetzt Windböen über die Köpfe hinweg. Es ist ungemütlich kühl geworden. Auch die langen roten Schals, die die Frauen aus der Vorbereitungsgruppe tragen, wehen im Wind.
Nach der Begrüßung tritt eine von ihnen vor den Altar und spricht über ihre "Beziehung zum Beten". Auch die anderen Frauen tragen etwas vor. Am Ende ihrer kurzen Texte legen sie ihre Schals über eine Puppe. Aus den Stoffteilen entsteht ein Umhang, den die Frauen dann Birgit Schröder umlegen – sie erzählt die Lebens-Geschichte von Lydia.
Gemütlicher Ausklang
"Es ist schön, Landespräses einer so großen, starken Gemeinschaft zu sein", sagt Pfarrer Kerkhoff am Schluss der Messe. Nach "Maria, breit den Mantel aus" zieht es alle zu den Ständen. Zum gemütlichen Ausklang der Wallfahrt, zu Begegnung und Austausch mit den anderen Frauen aus dem gesamten Offizialatsbezirk.
Um viertel vor zehn sind viele der Frauen schon aufgebrochen. Die Lastruper verstauen gerade ihre Sachen im Wagen. Zwanzig Minuten später werden sie wieder beim Pfarrheim in Lastrup sein.
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Text: Georg Thomas | Foto: Georg Thomas in
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