
Vor 75 Jahren entstand die Mariengrotte in der Emsdettener Bauerschaft Isendorf.
Andachten an der Mariengrotte an den Mai-Tagen
"Hier bei unserer Maria ist man nie allein"
Emsdetten. "Hier ist noch nie eine Mai-Andacht ausgefallen", sagt Gisela Pleimann und rückt unterhalb der Mariengrotte in Emsdetten-Isendorf die Lichter auf dem großen Kerzenständer zurecht. "Und das seit 75 Jahren", fügt sie hinzu, während ein Streichholz die dicke mittlere Kerze entzündet. Eine stolze "75" prangt auf deren Stumpf.
"Die Kerze habe ich gestern Abend noch gestaltet", erzählt Hedwig Pohlmann, die sich an diesem Vormittag ebenfalls die Zeit genommen hat, schnell einmal kurz an der Mariengrotte nach dem Rechten zu sehen. "So ist das eben in Isendorf", lacht Gisela Pleimann. "Hier bei unserer Maria ist man nie allein."
Auch Franz Schulte Austum und seine kleine Enkelin Emily haben sich aus der Nachbarschaft auf den Weg zur Grotte gemacht. Sie wollen ein letztes Mal Maß nehmen für einen Ehrenkranz aus Buchsbaum, der im Mai-Monat die Grotte ziert. Der Boden ist frisch geharkt, ein gepflegtes Blütenmeer in gelb lässt den Betrachter staunen. Keine Frage: Die Mariengrotte hat sich fein herausgeputzt für die Jubiläumsfeier. "Wenn Hermann Olliges und Heinrich Pleimann das doch erleben könnten", sagt Gisela Pleimann und zieht ein Bild aus ihrer Tasche, das die beiden Gründer der Isendorfer Mariengrotte zeigt. "Die Geschichte kennt hier in der Bauerschaft jeder", sagt sie und erzählt von den beiden damals 21 und 24 Jahre alten Männern, die sich 1934, während der Zeit des Nationalsozialismus, entschlossen, gegen die kirchenfeindlichen Zeitläufte ein Zeichen zu setzen. Beide gehörten dem Marianischen Jungmännerverein der Emsdettener Herz-Jesu-Pfarre an und waren der Überzeugung, dass es an der Zeit sei, der Patronin ihres Vereins einen gebührenden Platz zu bereiten.
Ihre Idee fiel auf fruchtbaren Boden, ein geeigneter Ort für den "Naturdom" war neben dem Hof Pleimann schnell gefunden, und Hermann Olliges, angehender Bildhauer, schuf die Madonna aus einem Eichenholzstamm. Am 1. Mai 1934 segnete der damalige Kaplan Althoff die Marien-Statue feierlich. "Zum ersten Mal an dieser Stelle unter freiem Himmel, an frischer Luft und unter Vogelgezwitscher konnte man die Menschen inbrünstig die Marienlieder singen und ihre Gebete zu Maria sprechen hören", heißt es dazu in der Chronik der Isendorfer Mariengrotte. "Die Begeisterung war groß. Bei jeder der nun an jedem Abend im Mai stattfindenden Mai-Andacht kamen Mitglieder aus allen Familien der Umgebung in ihren Holzschuhen herbei."
Verbundenheit der Bauerschaft
Das blieb auch 1935 so, als offiziell Versammlungen unter freiem Himmel von den Nationalsozialisten verboten wurden. "Damals hat sich unter dem Schutz der Gottesmutter besonders die Verbundenheit der ganzen Bauerschaft und weit darüber hinaus gezeigt", sind die Isendorfer überzeugt.
Wie weit die Ausstrahlung der Madonna reicht, symbolisiert der Rosenkranz aus schwarzem Holz, den die Muttergottes in der Isendorfer Grotte seit 1983 in ihren Händen trägt. Er erinnert an den Missionspater Albert Osterholt aus Isendorf, der 1982 auf dem Amazonas verunglückte.
Hermann Olliges, einer der beiden Gründer der Isendorfer Mariengrotte, fiel 1941 im Zweiten Weltkrieg, 1999 verstarb im Alter von 88 Jahren "Pleimanns Heini", der letzte "Gründervater" der Mariengrotte. Er war zeitlebens stolz darauf gewesen, dass keine Mai-Andacht an der Isendorfer Grotte ausgefallen ist. "Seit 75 Jahren ist das so, und es soll auch so bleiben", sagen nicht nur Hedwig Pohlmann und Gisela Pleimann.
Unterstützung bekommen sie von den Lehmkuhler Schützen, die sich in den vergangenen Jahrzehnten stets der Grotte verbunden fühlten und jetzt auch das Bildnis mit auf ihre Fahne gebracht haben, um die dauerhafte Verantwortung zu symbolisieren, die sie übernommen haben für einen Ort, der eine ganz besondere Atmosphäre ausstrahlt und viele Gläubige auch aus den Nachbargemeinden, die Ruhe suchen in einer hektischen Zeit, nach Isendorf zieht.
Die Fahnen-Segnung wird in Verbindung mit der Feier des 75-jährigen Bestehens der Mariengrotte am Freitag (29.05.2009) kombiniert. Bis dahin wird in Isendorf an jedem Tag im Mai abends um 20 Uhr eine Mai-Andacht gefeiert, und das bei jedem Wetter. Hedwig Pohlmann und Gisela Pleimann zünden die Kerzen an und versprechen: "Hier ist noch nie eine Mai-Andacht ausgefallen."
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Text: Marlies Grüter | Foto: Marlies Grüter in
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