
Von der Reithalle Bührener Tannen aus machte sich der Tross auf den Weg nach Bethen.
Zweite Pferdewallfahrt nach Bethen
Fromm im Sattel
Bethen. Mehr Teilnehmer als beim letzten Mal: Rund siebzig Reiter und fünfzehn Kutschen waren bei der diesjährigen Pferde-Wallfahrt nach Bethen dabei. Kirche+Leben hat sich dort umgeschaut.
Mit dreieinhalb Stunden Fahrt haben sie die längste Anreise hinter sich. Die Pferde der Polizei-Reiterstaffel aus Braunschweig, auf denen Anne Born und Anke Plasa-Friehe auf ihren Einsatz warten.
Sie begleiten die zweite Oldenburger Pferde-Wallfahrt von Cloppenburg nach Bethen. Eine "nette Abwechslung" für die zwei, die sonst sonntags bei Fußballspielen für Sicherheit sorgen, wie Anne Born erklärt.
Auch Kinder dabei
Auf dem Parkplatz der Cloppenburger Reithalle Bührener Tannen stehen rund zwanzig Pferdeanhänger. Viele sind schon leer und die Pferde ausgeladen. Einige Reiter drehen mit ihren Pferden schon ein paar Runden.
In der Ecke des Platzes stehen die zehnjährige Anneke Schnieders und ihre zwölfjährige Schwester Katrin und warten darauf, dass es losgeht. Auf den Rücken ihrer Ponys Quinzie und Tina sind nur Festhaltebügel angebracht. "Mit einem Sattel würden die ja nur bocken", erklärt die Zehnjährige. Beide sind zum ersten Mal bei der Pferde-Wallfahrt dabei: "Letztes Jahr durften wir noch nicht."
Neben ihnen steht ein Shetland-Pony, an das ein kleiner Wagen angespannt ist. Es heißt Tarzan, ist fünfzehn Jahre alt und "gehört zur Familie", wie Norbert Naber aus Bethen erklärt. Seit seine Kinder aus dem Pferde-Alter herausgewachsen sind, kümmern sich Mädchen aus der Nachbarschaft um das Pony, sagt der 53-Jährige.
Fünfzehn Kutschen und siebzig Reiter nehmen an der Pferde-Wallfahrt teil. Der Reit- und Fahrverein Cloppenburg organisiert die Aktion.
Manfred Heimbrock aus Benstrup fährt eine geliehene Kutsche, hat aber seine eigenen Pferde mitgebracht. Denn er möchte sein vier Jahre altes Pferd "an die Musik gewöhnen", so dass es ruhig bleibt, wenn eine Kapelle plötzlich spielt.
Polizei vorneweg
Neben ihm sitzt seine siebenjährige Tochter Nele, dahinter die dreizehnjährige Lena Sperveslage. Beide begleiten ihn oft, denn es sei immer besser, zu zweit zu fahren. Dann könne er auch mal vom Wagen absteigen, während seine ältere Begleiterin die Zügel hält.
Um zwanzig vor elf setzt sich der Zug in Bewegung. Vorneweg zwei Reiter von der Polizei und eine Kutsche mit zehn Musikern vom Schützenmusikzug Hoheging-Kellerhöhe-Bürgermoor. Dahinter die anderen Wagen und die Reiterinnen und Reiter. Ganz am Ende die zwei Polizistinnen.
"Reitet der Pastor dieses Jahr gar nicht mit?", fragt Lena Sperveslage, nachdem sie den gesamten Zug längere Zeit beobachtet hat. Erst kurz vor Bethen wird die Frage der Dreizehnjährigen beantwortet, als sich Prälat Költgen auf einem Pferd vorne in den Zug einreiht. Wie die beiden später erfahren, war er bei der Erstkommunion in Varrelbusch und konnte deshalb erst später kommen.
Auf der Kreuzung in Bethen haben sich schon viele Schaulustige versammelt, als das Klappern der Hufeisen zu hören ist. Um viertel vor zwölf ziehen alle zweimal um den Platz und die Marienbasilika. Mit der Reliquie des seligen Kardinals von Galen segnet Prälat Dirk Költgen Pferde und ihre Reiter. Dann geht es zum Ausspannen auf die Höfe im Dorf.
Pilgeramt im Freien
Manfred Heimbrock ist jetzt schon zufrieden: "Der Vierjährige hat die Prüfung bestanden. Die Musik hat ihm nichts ausgemacht." Für die Pferde gibt es nun Wasser und Futter und etwas Erholung auf der Weide. Er selbst geht zum Gottesdienst auf dem Wallfahrtsplatz.
In seiner Predigt geht Prälat Dirk Költgen auf die Beziehung zwischen Pferd und Reiter ein. So wie sie einander im Blick hätten, so "habe auch Gott uns in seinem liebenden Blick geborgen", sagt Költgen. Die Taufe sei der Beweis dafür, dass uns Gott ohne Bedingungen zu stellen, annehme.
Nach dem Gottesdienst strömen alle auf die andere Straßenseite. Dort verkauft der Reit- und Fahrverein Erbsensuppe. Auch die zwei Polizistinnen stärken sich gemeinsam mit ihren Kollegen. Sie haben noch mehr als zweihundert Kilometer Fahrt bis nach Braunschweig vor sich.
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Text: Georg Thomas | Foto: Georg Thomas
Kirche+Leben
18.05.2009
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