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17.05.2012
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Mit allen Sinnen erfassen.

Eva Maria Jansen und ihre Mitarbeiterinnen im Abendmahlssaal.

Im Sendenhorster Ostergarten wird die Passionsgeschichte lebendig

Mit allen Sinnen erfassen

Sendenhorst. "Geschafft." Langsam lässt die Anspannung nach. Eva Maria Jansen, Pastoralreferentin in der Pfarrgemeinde St. Martinus und Ludgerus in Sendenhorst atmet tief durch. Die letzten Wochen waren anstrengend. Zusammen mit ihrer Freundin Margret Wilpert hat sie den ersten Sendenhorster Ostergarten auf die Beine gestellt.

Ein Jahr Vorbereitung liegt hinter den beiden Frauen und den vielen Helfern, die sie unterstützt haben. Ein Jahr angefüllt mit Planen, Organisieren, Rechnen und Zupacken. Am 29. März war die Eröffnung. Seither reißt der Strom der Besucher nicht ab. Schon vor dem Startschuss lagen den Organisatoren 2.500 Anmeldungen vor. Wie viele Interessierte die Ausstellung letztlich wirklich gesehen haben, bis der Vorhang nach Ostern wieder fällt, kann Eva Maria Jansen nicht sagen. Nur so viel: "Die Mühe hat sich gelohnt."

Der Sendenhorster Ostergarten ist eine Ausstellung der besonderen Art. Er lässt die Passionsgeschichte auf eine Art und Weise lebendig werden, die unter die Haut geht. Erstmals organisiert wurde ein Ostergarten von Annette und Lutz Barth im Jahr 2000 in der Nähe von Karlsruhe. Seither haben in Deutschland rund 500.000 Menschen Ostergärten besucht.

Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken: Mit allen Sinnen erleben die Besucher im Ostergarten, was sie sonst nur mit dem Verstand aufnehmen. Wie Jesus lebte, mit seinen Jüngern das Abendmahl feierte, wie er verraten, gekreuzigt und ins Grab gelegt wurde und wie er schließlich auferstanden ist, lässt sich im Ostergarten intensiv nachspüren. "Das Zentrum unseres Glaubens einmal so zu erleben, geht viel tiefer, weil es Emotionen anspricht", bringt es Eva Maria Jansen auf den Punkt.

In kleinen Gruppen werden die Besucher durch die Ausstellung geführt. Veranstaltungsort ist die Aula der St.-Martin-Realschule, die für diesen Zweck mit rund zweieinhalb Meter hohen Wänden in kleine Bereiche unterteilt wurde. Diese Wände haben Helfer aus der Gemeinde so bemalt, dass sie wie historische Mauern aussehen. Alle Kulissen sind Marke Eigenbau. Dem Besucher vermitteln sie den Eindruck, als gehe er durch eine Stadt im Heiligen Land. Zunächst führt der Weg an einem Marktstand vorbei in ein Haus, das wie zu Lebzeiten Jesu aussieht. Im Hof plätschert ein Brunnen.

Dann folgt der Abendmahlssaal, wo sich die Besucher an eine lange Tafel setzen. Hier wird ihnen Matzenbrot und Wein gereicht, so als säßen sie beim letzten Abendmahl. Salböl macht die Runde. Auf dem Tisch stehen Kräuter und Obst. Das Licht ist gedämpft. Im Hintergrund läuft meditative Musik. Dazu werden entsprechende Passagen aus dem Markusevangelium vorgelesen.

Auf dem Ölberg erwartet den Besucher ein dunkler, fast unheimlich wirkender Raum. Alles ist mit schwarzen Tüchern verhängt. Dominiert wird der Raum durch drei große Kreuze, die mit Stacheldraht und Nägeln gespickt sind. Im Hintergrund läuft eine CD mit der sonoren Stimme Ben Beckers, der aus der Bibel liest. Von Judas ist die Rede und von Pontius Pilatus, von Verrat, Martyrium und Tod. Plakate fordern zum Nachdenken auf: Bei Unrecht wegschauen, lügen, die Treue brechen, sich nicht verantwortlich fühlen, jemanden verraten: Sind das nicht Themen, die jeden angehen?

Der Besucher wird nachdenklich. Er steigt vom Ölberg herunter in einen engen, noch dunkleren Raum, in dem Stille herrscht, bedrückende Stille: das Grab Christi. Ein Ausgang ist zunächst nicht in Sicht. Doch dann öffnet sich ein Durchgang, der hinausführt in ein Meer von Licht und Farben. Überall blühen Blumen. Dazwischen plätschert ein Bach. Diese Idylle verheißt Auferstehung und Vergebung der Sünden. Der Tod ist nicht das Ende, sondern das Tor zum ewigen Leben: Das ist die zentrale Aussage, die der Ostergarten vermittelt.

Zu sehen ist die Ausstellung, die durch eine Schau von Egli-Figuren zur Passionsgeschichte ergänzt wird, bis zum 19. April. Anmeldungen werden unter Telefon 02526 / 950031 entgegengenommen. Veranstaltungsort ist die Realschule in Sendenhorst, Auf der Geist 7. Der Besuch ist nur mit einer Führung jeweils zur vollen Stunde möglich. Erwachsene zahlen drei, Kinder einen Euro Eintritt. Die Öffnungszeiten des Ostergartens sind montags bis freitags von 15 bis 17 Uhr, samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 10 bis 17 Uhr.

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Text: Marita Galka | Foto: Marita Galka in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
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