
Dietmar Fedder, der die Taufbewerberinnen in der Vorbereitung gemeinsam mit Dorothee Heite-Endjaerv begleitete, hat auch für Christiane Hiller (r.) die Tür zu Glauben und Kirche ein Stück geöffnet.
Mutter und Sohn werden in der Osternacht in Münster getauft
Gefühl einer sicheren Basis
Münster. Kinder sind direkt. Lenny, der kleine Sohn von Christiane Hiller, ist da keine Ausnahme. "Mama, warum gehöre ich nicht zu Gott?" Diese Frage vor rund einem Jahr platzte völlig unverhofft in das Leben der jungen Frau und löste einen Prozess aus, der in der kommenden Osternacht seinen vorläufigen Höhepunkt finden wird: Christiane und Lenny werden in der Herz-Jesu-Kirche in Münster getauft.
Was damals als ernsthaftes Gespräch zwischen der Mutter und dem Sechsjährigen begann - "Gehörst du denn zu Gott?" war nämlich seine nächste Frage gewesen - wühlte etwas in der jungen Frau auf, was sie eigentlich ganz weit weg geschoben hatte. "Wir Kinder sollten uns später entscheiden, ob wir an Gott glauben wollten oder nicht", hatten die Eltern ihr und den Geschwistern freigestellt.
Und so war das Thema Glauben, Jesus und Kirche allmählich in den Hintergrund gerückt, bis - ja bis der kleine Junge daran rührte. So begann die junge Frau, die gerade ihr Abitur nachmacht, nach Informationen zu suchen, wie man sich als Erwachsener auf die Taufe vorbereiten kann, wo man Unterstützung und Beistand für diesen Weg findet.
Christiane Hiller, der sich inzwischen ihre Cousine La Toya Volf angeschlossen hatte, wurde in der Gemeinde Herz-Jesu und St. Elisabeth fündig: In enger Zusammenarbeit mit Pfarrer Martin Sinnhuber stellten sich zwei engagierte Gemeindemitglieder als Taufbegleiter zur Verfügung und erlebten diese Taufkatechese auch für sich als große Bereicherung.
"Denn ich musste ja nicht wie sonst im Religionsunterricht allein Wissen vermitteln", sagt Berufsschullehrer Dietmar Fedder, der gemeinsam mit Dorothee Heite-Endjaerv die beiden jungen Frauen durch das Vorbereitungsjahr begleitet hat. "Hier ist die eigene Überzeugung, mein eigener Glaube herausgefordert, das haben wir beide deutlich gespürt in den Gesprächen mit den Taufbewerberinnen." Denn zur Katechese gehört neben dem Grundwissen um die Geschichte Gottes mit den Menschen vor allem dies: Das sich Einfühlen in ein Leben als Christ, in Gemeinde und Kirchenjahr. Und das lernt und erspürt sich am leichtesten am vorgelebten Beispiel, findet Christiane Hiller.
Besonderer Höhepunkt in dieser Zeit war die Zulassungsfeier im Dom. Lenny war mit dabei und hat sich gefreut, dass auch er von Weihbischof Franz-Josef Overbeck persönlich gesegnet wurde. Die Zulassung haben beide Frauen - ebenso wie die anderen erwachsenen Taufbewerber aus der Diözese - als große Festlichkeit erlebt. Es war wie ein weiterer Funke, der das glimmende Feuer des Glaubenwollens nährte. Weitere solcher Fünkchen waren immer die gemeinsamen Katechesestunden. "Wir haben viel gefragt", erzählt Christiane Hiller. Auch der inzwischen siebenjährige Lenny wurde in die letzten Stunden vor dem Tauftermin kindgerecht miteinbezogen.
Kein Ziel, sondern ein Anfang
"Irgendwie schade, dass die gemeinsame Zeit jetzt zu Ende geht", sagt die allein erziehende junge Frau. Aber sowohl sie als auch ihre Cousine ("Wir beide haben uns in diesem Jahr gegenseitig gestärkt") wollen mit den beiden Taufbegleitern weiter in Kontakt bleiben.
Denn es ist allen klar: Mit der festlichen Aufnahme in die Kirche - Taufe, Firmung und Kommunion werden sie in der Osternacht empfangen - ist eigentlich kein Ziel erreicht, sondern ein Anfang gemacht. "Ich bin nicht anders geworden", findet die 27-Jährige, aber: "Ich sehe jetzt viele Dinge in meinem Lebensalltag anders, habe das Gefühl, dass da eine sichere Basis gelegt ist."
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Text: Heike Hänscheid | Foto: Heike Hänscheid in
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