
Szene aus dem Evangelium des dritten Fastensonntags: Mit einer Geißel aus Stricken jagt Jesus (r.) die Händler aus dem Tempel, weil sie den heiligen Ort nicht achten.
Frauen gestalten Szenen aus den Sonntagsevangelien
Blickfang im Schaufenster
Lippstadt-Bad Waldliesborn. Es ist ein Blickfang: Im Schaufenster der katholischen Bücherei in Lippstadt-Bad Waldliesborn sind zurzeit die Sonntagsevangelien dargestellt. Eine Gruppe Frauen um Pastoralreferentin Helga Kemper gestaltet die Szenen mit biblischen Erzählfiguren.
An seinem weißen Gewand ist Jesus leicht zu erkennen. Er blickt auf eine Reihe weiterer Figuren, die hinter Markständen stehen. Vor dem ersten Stand liegen kleine Kartoffeln und Centstücke auf dem Boden – als hätte Jesus sie mit den Sisalschnüren, die er in der Hand hält, hinweggefegt. So heißt es auch im dazugehörigen Text: Das Evangelium des dritten Fastensonntags berichtet, wie Jesus die Marktstände umwirft und die Händler aus dem Tempel jagt, weil sie den heiligen Ort nicht respektieren.
Eine Szene, die Frauen aus der Gemeinde St. Josef in Bad Waldliesborn im Schaufenster der örtlichen Pfarrbücherei aufgebaut haben. Pastoralreferentin Helga Kemper hat einige Frauen aus der Gemeinde angesprochen, die sich während der Fastenzeit an der Aktion "Evangelium im Schaufenster" beteiligen. Seit dem ersten Fastensonntag stellen sie in Kleingruppen jeweils samstags vor der Vorabendmesse eine Szene des aktuellen Sonntagsevangeliums im Fenster nach.
Grundlage dafür ist ein Fundus an 20 biblischen Erzählfiguren, die Kemper selbst hergestellt hat. "Die Figuren sind universal", nennt die Pastoralreferentin einen Vorteil. "Sie haben keine Gesichter und können alles darstellen." So eigne sich eine kleine Figur zum Beispiel dafür, ein Kind, den Zöllner Zachäus oder auch einen kleinen Menschen in einer großen Menge darzustellen. Durch ihre Bleifüße blieben die Figuren auch in gebeugter Haltung stehen. Bei einem Vortreffen hat Helga Kemper den Frauen den Umgang mit den Figuren erklärt. Als Kursleiterin weiß sie, wie die Figuren gestellt werden müssen, damit sie zum Beispiel durch ihre Gestik bestimmte Gefühle zum Ausdruck bringen.
Für die Frauen ist die Aktion eine gute Gelegenheit, sich während der Fastenzeit intensiv mit den Evangelien auseinander zu setzen. In kleinen Gruppen treffen sie sich, um die Darstellung der Szenen vorzubereiten. "Man muss sich mit dem Text beschäftigen", sagt Maria Peitz. "Der Text spricht zu jedem anders." Heraus komme daher eine persönliche Sicht des Evangeliums. "Wir haben uns nicht auf eine Darstellung festgelegt", sagt Schwester Petra Brinkschulte von den Franziskanerinnen von der Ewigen Anbetung. "Jeder deutet es anders." Die Menschen, die die Szene vor dem Fenster betrachteten, hätten den Text womöglich ganz anders interpretiert. Doch gerade das sei das Spannende der Aktion: "Sie kommen ins Nachdenken", sagt Helga Kemper.
So wie die Frauen bei der Gestaltung der Szenen. "Man kann nicht das ganze Evangelium darstellen", weiß Barbara Fruggel aus Erfahrung. Meistens sei es nur eine Zeile aus dem gesamten Text, die man szenisch gestalten könne. Viel Mühe stecken die Frauen auch in die Ausstattung mit Requisiten. "Der Fantasie ist keine Grenze gesetzt."
Das Schaufenster liegt auf dem Weg vom Kurpark zum Zentrum. "Es ist eine optimale Lage", findet Helga Kemper. "Kurgäste, die spazieren gehen, kommen hier vorbei und können gar nicht anders, als zu gucken", hat auch Maria Peitz beobachtet. Bei vielen ist der Weg zum Schaufenster mitt-lerweile zu einem festen Bestandteil der Fastenzeit geworden, berichtet Schwester Petra. Ihre Mitschwestern machten immer einen Abstecher zum Fenster.
Auch Barbara Fruggel und ihre Familie gehen samstags oder sonntags gemeinsam zum Schaufenster, um sich die neu gestalteten Szenen anzuschauen und den Evangelientext vorzulesen, der ebenfalls im Schaufenster liegt. "Die Kinder finden es spannend", sagt Fruggel. Für sie werde das Evangelium durch die bildliche Gestaltung anschaulicher. "Es ist eine tolle Gelegenheit, dass die Kinder aktiv etwas von der Fastenzeit mitnehmen können."
Während der Karwoche gestalten die Frauen auch an Gründonnerstag und Karfreitag das Tagesevaneglium im Schaufenster. Die Auferstehungsszene von Ostern soll dann bis zum Weißen Sonntag stehen bleiben.
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Text: Almud Schricke | Foto: Almud Schricke
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