
Nuntius Erzbischof Lorenzo Baldisseri (links) übergibt Johannes Bahlmann, dem ersten Bischof des Bistums Óbidos, den Bischofsstab als Zeichen der Amtsgewalt. Rechts applaudiert Weihbischof Ulrich Boom.
5.000 feiern Erhebung zur Diözese
Visbeker Bahlmann leitet neues brasilianisches Bistum
Óbidos/Visbek/Heek-Nienborg/Ahaus-Alstätte. Mit Klatschen, Hallelujagesang und einem Meer aus bunten Fähnchen haben die Gläubigen im brasilianischen Óbidos am Samstag (21.01.2012) die Erhebung der gleichnamigen Prälatur zur kirchenrechtlich selbständigen Diözese gefeiert. Bischof des neuen Bistums ist der aus Visbek im Oldenburger Münsterland stammende Johannes Bahlmann.
Mehr als 5.000 Menschen nahmen bei Temperaturen über 30 Grad am Festgottesdienst auf dem großen Platz vor der Sankt-Anna-Kathedrale teil. Erzbischof Lorenzo Baldisseri, Apostolischer Nuntius von Brasilien, verkündete im Auftrag von Papst Benedikt XVI. die Erhebung von Óbidos zum Bischofssitz und die Ernennung des Franziskanerbischofs Bahlmann zum ersten Bischof von Óbidos. Als Vertreter des künftigen Partnerbistums Würzburg konzelebrierte der aus dem westmünsterländischen Ahaus-Alstätte stammenden Weihbischof Ulrich Boom. Dies berichtet die Bischöfliche Pressestelle Würzburg.
"Missionarische Diözese im Herzen von Amazonien"
Zu Beginn der Feier lasen dem Bericht zufolge zwei Priester aus Óbidos die päpstlichen Bullen vor, in denen Benedikt XVI. die bisherige Prälatur zum Bistum erhebt und Bischof Bahlmann als Ortsbischof einsetzt. Danach wandte sich der Nuntius an das Volk. "Sie haben sich als Motto für ihr Bistum den Satz gewählt: 'Eine missionarische Diözese im Herzen von Amazonien.' Sorgen Sie dafür, dass sie diesem Anspruch gerecht werden." Die Gläubigen seien aufgefordert, ihren festen Glauben an Gott, ihre tiefe Freundschaft mit Jesus und die ausgeprägte Verehrung der Gottesmutter Maria in die Welt hinein zu tragen, so wie die Flüsse die Meere der Welt füllten. "Diese Aufgabe geht nie zu Ende."
Besonderen Dank zollte Erzbischof Baldisseri dem aus Heek-Nienborg (Kreis Borken) stammenden Bischof em. Martin Lammers, der vor Bahlmann 33 Jahre die Prälatur leitete. Vor allem um Sozialprojekte, Katechese und die Ausbildung von Laien und Priestern habe dieser sich verdient gemacht. Die Erhebungsfeier war die letzte Amtshandlung von Nuntius Baldisseri in Brasilien: Er wechselt nach Rom in die Bischofskongregation.
Dank an Nienborger Lammers
Bischof Bahlmann würdigte in seiner Predigt ebenfalls seinen Vorgänger. "Dass wir heute Bistum sind, verdanken wir Bischof Martin." Mit 39 Jahren habe dieser das Amt übernommen und 33 Jahre mit größtem Engagement ausgefüllt. "Ich bin schon zu alt und werde es auf höchstens 28 Bischofsjahre bringen." Als eine der Herausforderungen für das derzeit weltweit jüngste und von der Fläche womöglich mit größte Bistum nannte Bahlmann das Zugehen auf Menschen am Rande der Gesellschaft.
Positive Beispiele seien das am Vormittag des Festtags eingeweihte Projekt "Fazenda de esparanza", in dem Drogenabhängige rehabilitiert werden, und ein Projekt gegen Kindersterblichkeit, das 4000 Kleinkinder erreiche. Stellvertretend für die anwesenden Politiker dankte Jaime Barbosa, Bürgermeister der 25.000-Einwohner-Stadt Óbidos, der Kirche für ihre Verdienste um die Allgemeinheit.
Alstätter Boom lobt "permanente Katechese"
Weihbischof Boom erklärte in seinem Grußwort, er sei froh und dankbar, diesen wichtigen Schritt miterleben zu dürfen. Würzburg und Óbidos hätten mehr gemein als die Lage an einem Fluss: "Wir brauchen gegenseitig immer wieder Stärkung und Hilfe, die uns Gott durch Jesus schenkt." In Brasilien habe er das Projekt der "Permanenten Katechese" kennen gelernt, bei der es darum geht, das Wort Gottes regelmäßig in Gemeinschaft zu lesen, zu verstehen und in die Tat umzusetzen. "Ich habe erfahren dürfen, wie wichtig und lebendig das Wort Gottes bei euch ist." Gerne werde er diese Anregung mit nach Unterfranken nehmen.
"Gott ist die Liebe", gab Bischof em. Lammers den Gläubigen mit auf den Heimweg. Zu viele hätten in der Verkündigung noch das Bild des strafenden Gottes im Kopf. Mose habe zwar das Volk Israel aus Ägypten führen können, da er an Gottes Stärke geglaubt habe. "Weil er aber nicht auf Gottes Erbarmen vertraute, kam er nicht in das gelobte Land."
Verbundenheit mit Bistum Würzburg
Bischof Bahlmann dankte Weihbischof Boom für seine Anreise zu diesem besonderen Fest. "Deine Anwesenheit erfüllt uns mit Freude und der Hoffnung, dass wir noch enger mit dem Bistum Würzburg in Verbindung kommen. Wir sind eine Gemeinschaft im Glauben."
Nach dem Schlusssegen machten die Brasilianer schnell deutlich, wie gut ihnen der Besuch aus Deutschland gefiel: Fast eine halbe Stunde lang kamen Einzelpersonen oder Gruppen auf Weihbischof Boom zu, schüttelten ihm die Hand und ließen sich mit "Dom Ulrico" fotografieren, wie die Bischöfliche Pressestelle Würzburg schreibt.
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Text: pd, göc | Foto: pd
23.01.2012
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