
Seit vielen Jahren lädt die Projektgruppe "Offene Tür" beim Stadtdekanat Münster Alleinstehende und Wohnungssuchende ein, Heiligabend gemeinsam zu feiern. Jeder ist willkommen, der diese Stunden nicht allein, sondern in Gemeinschaft verbringen möchte. In Münster finden die Feiern in mehreren Pfarrheimen statt. Ein Eintrittspreis wird nicht erhoben.
Alle Jahre wieder – und immer wieder anders
Tagesablauf eines Helfers bei der "Offenen Weihnacht"
Münster. Jedes Jahr wird in Münster eine "Offene Weihnacht" begangen. Einer der vielen Helfer ist Uli Vornbrock, der über seine Feier an Heiligabend 2010 berichtet.
6.30 Uhr: Ein Blick aus dem Fenster verrät: Das wird kein Jahr wie jedes andere – und das ist gut so.
8 Uhr: Nach einer winterlichen Fahrradfahrt durch das mit 25 Zentimeter Neuschnee bedeckte Münster beginnt der Heiligabend mit einem Frühstück bei Ursula und Erwin Stroot, den beiden Hauptverantwortlichen für die Offene Weihnacht in der Trägerschaft des Stadtdekanats Münster. Neben Gesprächen über die Lieblingsmarmelade stellt das Frühstück gleichzeitig die Lagebesprechung zum anstehenden Tag dar. Letzte offene organisatorische Punkte werden ebenso geklärt wie in Erinnerungen der letzten Jahre geschwelgt. Der Caritas-Transporter wird mit den Materialien für die fünf Standorte beladen.
9 Uhr: Im Rahmen der ersten von fünf Freischaufelaktionen des Tags kommt mir das englische Weihnachtslied "I am dreaming of a White Christmas" ("Ich träume von einer weißen Weihnacht") in den Sinn. Jenes Weihnachtslied, welches man in jedem Jahr ab Mitte Oktober gefühlte 200 Mal bis Weihnachten und tatsächlich auch noch darüber hinaus im Radio, auf Weihnachtsmärkten und auch in Einkaufszentren hört. Ich erinnere mich an einen britischen Freund, der in Momenten wie diesen zu sagen pflegt: "Be careful what you ask for – you might get it", oder auf deutsch: "Die Geister, die ich rief…"
10 Uhr: Nach zweimaligem Umfahren des Martinikarrees und der schließlich hoffnungslosen Suche nach einer schneefreien Zufahrtmöglichkeit zum zentralen Veranstaltungssaal im Pfarrheim St. Martini müssen wir feststellen, dass die Logistik dieses Jahr mit Laufen verbunden sein wird. Folglich sind wir Helfer alle raus in den Schnee und schleppen aus Richtung Theater Kisten, Tüten und Wäschewannen mit Lebensmitteln und Geschenken auf dem geräumten Fußweg in den Pfarrsaal. Frank Krause ist schon da. Wie in den letzten Jahren bringt er 100 Christsterne und Getränke für den Abend mit, stellt uns einen nagelneuen VW-Transporter mit rotem Nummernschild zur Verfügung und freut und wundert sich: "Ich finde es einfach nur Klasse, dass die Offene Weihnacht auch bei diesem Wetter stattfindet." Alle Jahre wieder – und immer wieder anders.
10.30 Uhr: Fahrt zum Hansahof, in dem Maria Bückmann und die anderen fleißigen Helferinnen und Helfer schon seit 8 Uhr die Tische eindecken und somit eine herrlich weihnachtliche Atmosphäre schaffen. Zur gleichen Zeit werden auch die Pfarrsäle in St. Lamberti, Liebfrauen-Überwasser und in St. Clemens in Münster-Hiltrup durch die vielen Fleißigen hübsch weihnachtlich für den Abend hergerichtet.
12.30 Uhr: Mit einem guten Gefühl, dass alles Wesentliche für den Abend vorbereitet ist, geht es in die Mittagspause.
15.30 Uhr: Kaffeetrinken im Haus Stroot, Lagebesprechung und die letzten Sachen für den Abend in den Transporter der Caritas packen. Nicht zu vergessen das Hobby des Tags: tief in den Schnee eingefahrene Reifen des Transporters freischaufeln.
16.30 Uhr: In der Blücherkaserne in Münster werden wir bereits zum Abholen des Abendessens erwartet und freundlich begrüßt. Die Köche der Bundeswehr bereiten schon seit vielen Jahren das Essen für die Offene Weihnacht zu und unterstützen damit die Veranstaltung sehr hilfreich. Dieses Jahr gibt es wieder das Wunschessen der Stammgäste: Sauerbraten mit Rotkohl und Klößen. Für uns heißt es: Warmhaltecontainer einladen, Schnee aus den Schuhen und Socken klopfen und das Essen bis kurz vor 19 Uhr auf die fünf Veranstaltungsorte verteilen. In Hiltrup kommt nach einer freudigen Begrüßung durch das verantwortliche Ehepaar Angelika und Wilfried Lübbeling die nicht erwartete Frage: "Wo sind denn die Getränke? Wir haben nur Wein." Ein kurzer Ausflug zur Tankstelle, in der es auch am Heiligen Abend zu vorgerückter Stunde alles zu kaufen gibt, beschert uns und den Gästen auch Wasser und Orangensaft. Die Getränkelogistik muss wohl in der morgendlichen Einsatzbesprechung den Fachgesprächen zu den verschiedenen Marmeladensorten "zum Opfer gefallen" sein.
19 Uhr: Start frei zur 39. Offenen Weihnacht. Unsere Gäste werden von zahlreichen Helfern versorgt, die eine Vielzahl von verschiedenen Aufgaben ausüben: Fahrer, die die Gäste nach Bedarf abholen und nach der Feier wieder nach Hause bringen, Helfer, die den Gästen Essen und Getränke an den Tisch bringen, Küchenfeen, die sich um die Essensausgabe kümmern, der Bläserchor aus Altenberge, der das Singen der Weihnachtslieder in Martini musikalisch begleitet, sowie die Helfer an der Getränkeausgabe und Garderobe.
In Martini begrüßt Erwin Stroot die rund 100 Gäste im großen Saal, gemeinsam singen sie "Oh du fröhliche". Anschließend verliest der emeritierte Weihbischof Friedrich Ostermann die Weihnachtsbotschaft aus der Heiligen Schrift und wendet sich in seiner Weihnachtsansprache an die Gäste. Sein Credo in die Runde: Offen und ehrlich sein, dann widerfährt einem Selbiges. Im Pfarrsaal ist es während der Ansprache des angesehenen Weihbischofs ruhig, und als er erwähnt, dass Ronny, den er im Dezember auf Lauheide beerdigt hat, ihn nie "bekrückt" hat, wird lauthals Zustimmung in die Stille gerufen. Nach dem abschließenden gemeinsamen Weihnachtslied "Stille Nacht, heilige Nacht" beginnt das Abendessen. Der Weihbischof geht von Tisch zu Tisch, begrüßt "alte Bekannte" und teilt die Sorgen der Besucher.
Im Anschluss besucht er noch die Offene Weihnacht im Pfarrsaal St. Lamberti, in dem 15 Gäste von Ursula Homm und ihren Helfern betreut werden. Unter ihnen David, der wegen der chaotischen Verkehrsverhältnisse auf dem Bahnhof in Münster gestrandet ist und auf wunderbare Art und Weise zur Offenen Weihnacht in Lamberti gefunden hat. Er begleitet auf seiner Geige die Weihnachtslieder und ersetzt so Wolfgang Puwalla, der nicht aus Potsdam weggekommen ist. Ganz besonders freut sich der Pastor von St. Lamberti, Ludger Winner, darüber, dass er eine Tupperdose mit einer Sauerbratenmahlzeit für den ersten Weihnachtstag mitbekommt, denn er muss für seine kranke Schwester und sich sorgen.
21.30 Uhr: Die ersten Gäste werden heimgefahren und Zufriedenheit unter den Gästen wird bekundet. Dazu kommen mittlerweile zwar nicht schneeleere, aber auto- und menschenleere Straßen, was den Fahrer erfreut.
23 Uhr: Letzte Fahrt nach Hiltrup zum Abholen der leeren Essenscontainer. Auf der Rückfahrt halte ich bei zwei Anhaltern an, um sie mit in Richtung Münster zu nehmen.
1 Uhr: Rückkehr nach St. Martini. Die nimmermüden Helfer haben das gesamte Pfarrheim wieder aufgeräumt, die Spuren des Abends sind allesamt beseitigt. Einzelne Helfer aus anderen Veranstaltungsorten kommen dazu, und wir lassen den Abend bei Wein, Gebäck und entspannt lockeren Gesprächen ausklingen.
So bleibt am Ende des Tags die Erkenntnis, dass die intensive Vor- und Nachbereitung und die Arbeit am Heiligen Abend durch die "1000 helfenden Hände" und die zahlreichen Gönner der Veranstaltung die Offene Weihnacht zu dem machen, was sie in meinen Augen ist: eine rundum gelungene Veranstaltung.
Offene Weihnacht
Die Offene Weihnacht in Münster gibt allen Menschen, die Weihnachten gern mit anderen zusammen und nicht allein feiern wollen, die Möglichkeit zum gemütlichen Beisammensein. Sie hat im vergangenen Jahr von 19 Uhr bis 22.30 Uhr zum 39. Mal stattgefunden. Mit bis zu 250 Gästen und 50 ehrenamtlichen Helfern ist dieses Angebot wohl das größte in Münster. Wegen der großen Nachfrage können die Gäste aus mittlerweile fünf Veranstaltungsorten auswählen, nämlich den Pfarrheimen St. Martini, St. Lamberti, St. Clemens im Stadtteil Hiltrup und dem Hansahof. Erstmals konnte die Offene Weihnacht auch in Liebfrauen-Überwasser stattfinden, weil Stefan Rosenbaum dort die Veranstaltung leitet.
Der Erfahrungsbericht beschreibt die Offene Weihnacht an Heiligabend 2010 aus der Perspektive des Tagesablaufs des langjährigen Helfers Uli Vornbrock.
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Text: Uli Vornbrock | Foto: Erwin Stroot in
Kirche+Leben
25.12.2011
Hildegard von Bingen
Die Benediktinerin Hildegard von Bingen ist von Papst Benedikt XVI. zur Heiligen der Universalkirche erhoben worden.
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