
Kirchentagserfahren: Die Bocholterin Irmgard Winking (links) fährt mit Inge Hecking nach München. Winking erlebte ihren ersten Katholikentag vor 56 Jahren.
Vorfreude auf den Zweiten Ökumenischen Kirchentag
Hoffen auf neue Akzente
Bocholt. Sie hat ihre Neugierde auf Neues und vor allem auf Menschen nicht verloren. Sonst würde Irmgard Winking aus Bocholt wohl kaum so gespannt auf den Ökumenischen Kirchentag in München sein. Auch im Rentenalter lässt sie es keinesfalls langsam angehen. Sie steckt voller Pläne, hat alle Hände voll zu tun, den Kirchentag zu planen. Denn einfach hinfahren und sehen, was es gibt, das ist nicht ihre Sache. Zahlreiche Kirchentage hat sie besucht, war schon 1954 beim Katholikentag in Fulda dabei, hat Berlin 1990, Dresden und Hamburg zehn Jahre später erlebt, den Katholikentag vor zwei Jahren in Osnabrück und den großen Ersten Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin. Sie fährt auch nicht allein. Mit ihr fährt ihre gute Freundin Inge Hecking, und beide fahren mit den Christen aus dem Kreisdekanat Borken.
Auch für Hecking ist es nicht der erste Kirchentag, den sie mitmacht. Zu zweit haben die beiden schon so manche Herausforderung gemeistert, die so eine Großveranstaltung mit sich bringt. Es war immer ein Erlebnis. Den kleinen ökumenischen Kirchentag in Bocholt zum Beispiel, der spontan von einigen Teilnehmerinnen nach dem großen Kirchentag in Berlin organisiert wurde. "Wir haben 'Feuer' mitgebracht", schmunzelt Irmgard Winking, wenn sie daran zurückdenkt.
Unvergessliche Erlebnisse
Natürlich sind die Dimensionen ganz anders. Beim Katholikentag 1990 in Berlin beispielsweise war die Hedwigskathedrale bei einer Messfeier mit Kardinal Joachim Meißner so überfüllt, dass sie nicht mal in die Nähe des Gotteshauses kam. "Trotzdem war es ein tolles Bild, als dann unzählige Bannerabordnungen der Kolpingsfamilien durch das Brandenburger Tor zum Reichstag zogen und dort das Kolpinglied sangen", sagt Winking.
Das sind aber nur Episoden am Rand. Viel wichtiger sind für die beiden Frauen die Begegnungen mit den Menschen, das Kennenlernen der unterschiedlichen Strömungen und Richtungen in den Kirchen und vor allem der Kontakt zu den Referenten, die man nicht alle Tage so hautnah erleben kann.
Und wen haben sie nicht alles erlebt. Prälat Bernd Klaschka beispielsweise, der über die Befreiungstheologie gesprochen hat und darüber, dass in Lateinamerika die Pfingstkirchen großen Zulauf haben, weil sie, im Gegensatz zu den übrigen christlichen Kirchen, ihre Pfarrer in den Familien, ganz nah bei den Menschen leben lassen.
Bischof Franz Kamphaus hat beide in Osnabrück tief beeindruckt. "Der Bischof hat davon gesprochen, dass die Kirche wieder zur Basis und zu den Menschen zurückfinden muss", erinnert sich Irmgard Winking. Höhepunkte waren natürlich auch Podiumsdiskussionen, bei denen Pater Anselm Grün gesprochen hat oder Margot Käßmann, damals noch Bischöfin, Erzbischof Werner Thissen oder Professor Hans Küng.
Sie haben auch den Gottesdienst mit Pfarrer Hasenhüttel erlebt, wo nach dem so genannten "Lima-Papier" Gottesdienst gefeiert wurde, evangelische und katholische Christen zusammen. "Und dann kam die totale Enttäuschung über die Folgen", gibt Irmgard Winking zu.
Tolles Miteinander
Warum die beiden Frauen die Strapazen einer langen Reise und aufreibender Tage auf sich nehmen? "Weil es mich reizt, Menschen zu hören, denen man sonst nicht begegnet, weil ein tolles Miteinander zu spüren ist und weil mich die Friedlichkeit beeindruckt, wenn so viele so nah beieinander sind", sagt Inge Hecking. Und ihre Freundin fügt an: "Weil die Begeisterung, die auf Kirchentagen herrscht, einfach ansteckt."
Die Fahrt ist gut geplant: Irmgard Winking hat schon im Kirchentagsprogramm, immerhin ein respektables Buch, zahlreiche Markierungen angebracht. "Ich denke, wir haben gar nicht die Zeit, das alles hinzukriegen", meint sie zur ihrer Freundin. Professor Hans Küng wollen sie hören, Otto Hermann Pesch auch, Jörg Zink ebenso und Pater Anselm Grün auf jeden Fall.
Was terminlich geht, muss sich herausstellen, denn Kirchentage stecken voller Überraschungen. Was sie sich vom Kirchentag erhoffen? "Dass wir möglichst viele Referate und Podiumsdiskussionen hören und dadurch über den Tellerrand unserer Gemeinde schauen können. Dass wir erleben, dass Kirche die Frohe Botschaft verkündet und es auch in unseren Heimatgemeinden spürbar wird. Wir haben die Hoffnung, dass sich doch einmal etwas ändert in unserer Kirche", sagt Winking.
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Text: Marianne Gehling | Foto: Marianne Gehling in
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