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11.02.2012
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Ludger Funke, Pfarrer in Duisburg.
Ludger Funke, Pfarrer in Duisburg.

Duisburg. Seit der Errichtung des Bistums Essen vor 50 Jahren ist die Stadt Duisburg durch die Bistumsgrenze geteilt. Die linksrheinischen Stadtteile Rheinhausen, Homberg und Rumeln-Kaldenhausen sowie der rechtsrheinische Teil Walsum gehören zum Bistum Münster. Der überwiegende Teil der Rhein-Ruhr-Metropole liegt im Bistum Essen.

Kirche+Leben: Inwieweit teilt die Bistumsgrenze die Seelsorge in den Pfarreien der Stadt Duisburg?

Pfarrer Ludger Funke: Sicher, die Bistumsgrenze teilt die Seelsorge in der Stadt Duisburg. Zwischen den linksrheinischen Stadtteilen Homberg, Rheinhausen und Rumeln-Kaldenhausen, die zum Bistum Münster gehören, gibt es mehr Gemeinsamkeiten als mit den Pfarreien des Bistums Essen auf der anderen Rheinseite. Andererseits muss man auch feststellen, dass der Rhein sich als Grenze wesentlich stärker auswirkt als die Bistumsgrenze, die im Alltag der Christen weniger präsent ist. Und drittens will ich aus meiner langjährigen Erfahrung als Pfarrer nüchtern ergänzen, dass die Zusammenarbeit einzelner Pfarrgemeinden in einer Stadt nicht viel größer ist als die gemeinsame Arbeit in ländlichen Regionen. Zusammenfassend: Im Wesentlichen arbeiten die Pfarrgemeinden für sich, unabhängig von natürlichen Grenzen oder der Bistumsgrenze.

Kirche+Leben: In welchen pastoralen Aufgabenbereichen arbeiten die Pfarrgemeinden über die Pfarr- und Bistumsgrenzen hinweg zusammen?

Funke: Zum Beispiel, wenn es um die Zusammenarbeit mit der Stadt Duisburg geht. Das betrifft Fragen bezüglich der Kindertagesstätten oder die Bezuschussung von Ferienmaßnahmen für Kinder und Jugendliche. Es gibt einen Caritasverband mit den entsprechenden Gremien für die Stadt Duisburg. Darüber hinaus bestehen Kontakte zwischen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gemeindecaritas. Die Seelsorger treffen sich regelmäßig mit dem Duisburger Stadtdechanten. In Duisburg gibt es 23 Selbsthilfegruppen des Kreuzbundes, der sich in einem Stadtverband zusammengeschlossen hat. Die Jugendseelsorge ist auch auf Stadtebene organisiert. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) hat beispielsweise ein Stadtbüro eröffnet, in dem sich die Gruppen und Verbände Medien ausleihen und sich informieren können.

Kirche+Leben: Was prägt die Arbeit in der Seelsorge stärker: das Profil des Bistums oder die Zugehörigkeit zu einer Stadt?

Funke: Am stärksten wird die Seelsorge vom Profil der einzelnen Gemeinden geprägt. Die Leute wissen meines Erachtens eher, zu welcher Gemeinde sie gehören als zu welchem Bistum. Eine unterschiedliche "Profilierung" der Bistümer Essen und Münster wird aufgrund der Berichte in der Lokalpresse am ehesten im Bereich "Neustrukturierung der Pfarrgemeinden – Gemeindefusionen" wahrgenommen. Meine persönliche Sorge als Pastor einer kleinen Pfarrgemeinde besteht darin, dass durch die Vergrößerung der Pfarreien die Unübersichtlichkeit zunimmt und die für die Seelsorge vor Ort verheerende Anonymität fortschreitet. Wichtige städtische Anliegen wie die Integration von ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern oder die Bildung von Bürgerforen in den Stadtbezirken werden von einsatzfreudigen Christen mit einem ausgeprägten Gemeindebewusstsein mitgetragen. Dabei spielt die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Bistum nur eine untergeordnete Rolle.

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