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Seite: Aktuelles  >  Weihnachtsgruß von Weihbischof Heinrich Timmerevers
17.05.2012
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Heinrich Timmerevers, Bischöflicher Offizial und Weihbischof.
Heinrich Timmerevers, Bischöflicher Offizial und Weihbischof.

Maria und Josef unterwegs zum Markt

Weihnachtsgruß von Weihbischof Heinrich Timmerevers

Oldenburg. "Wer kommt nicht alles an der Krippe zusammen, damals wie heute? Damals Ochs und Esel, Engel, Hirten und Weise aus dem Morgenland. Und heute ist die Schar derer, die eine Krippe zu Weihnachten aufsucht, nicht weniger bunt. Junge und Alte, Hoffende und Zweifelnde, Gesunde und Kranke. Und sie alle kommen wie die Krippenfiguren auf dem Vechtaer Weihnachtsmarkt aus ganz unterschiedlichen Situationen und Bezügen. Aus dem Gefängnis, einem Fahrradgeschäft, einer Werkstatt für arbeitslose Jugendliche. Sie haben je eigene Erfahrungen, eine eigene Geschichte, haben Sorgen und Wünsche, sind froh oder traurig. Der Neugeborene zieht sie alle an und lässt Nähe zu. Er ist in seiner Ohnmacht für jeden berührbar. Er nimmt schon als Kind mit offenen Armen die Menschen so an wie sie sind, ob König oder Gefangener, Hirte oder Unternehmer. Die Zuwendung Gottes in seinem Mensch gewordenen Sohn Jesus ist grenzenlos und Geheimnis seiner Liebe.

Und mittendrin steht Maria, seine Mutter. Sie begegnet den Ereignissen rund um die Geburt ihres Sohnes mit einer Haltung, die so ganz anders ist als die der meisten Menschen. Im Lukasevangelium (Lukas 2, 19) heißt es: "Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach".

Dieser Satz, so tief seine Bedeutung auch ist, wird schnell vergessen im Festtrubel. Es erscheint eben doch einfacher, umtriebig und geschäftig zu sein als aufmerksam und nachdenklich hinsichtlich der Dinge, die um uns herum geschehen. Maria bewahrte alles in ihrem Herzen, ohne es jedoch einfach unkritisch oder gar fromm hinzunehmen. Wo es Fragen gibt, stellt sie sie: "Wie soll ich einen Sohn empfangen, da ich keinen Mann erkenne?" oder: "Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht." Maria dramatisiert ebenso wenig wie sie die Dinge herunterspielt. Sie bedenkt und bewahrt sie. In dieser Haltung ist sie in unserer schnelllebigen Zeit wohltuend korrigierend. Es gilt, die Dinge genau wahrzunehmen und abzuwägen im Licht der Frohbotschaft. Und es kommt nicht zuerst auf schnelle Antworten an, sondern auf richtige Fragen. So werden wir lernen, zwischen wichtig und notwendig, nebensächlich und unbedeutend zu unterscheiden und zu gewichten. In dieser Haltung, da bin ich gewiss, werden wir in Kirche und Gesellschaft eine lebendige Zukunft haben.

Ich wünsche allen, dass die Weihnachtszeit zur Gelegenheit wird, das Ereignis der Menschwerdung Gottes in unserer Welt neu zu bedenken und in unseren Herzen zu bewahren."

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Text: Weihbischof Heinrich Timmerevers in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben | Foto: Michael Bönte
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