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Seite: Aktuelles  >  Schwester Euthymia: Klein - unscheinbar - geliebt
21.09.2018
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Schwester Euthymia.
Der französische Priester Emile Eche: "Schwester Euthymia gewann mich durch ihre Einfachheit und Geradheit. Ihre Stille und ihr Lächeln überzeugten mich von ihrem Wert." (Euthymia-Gemälde von Leonhard Klosa im Euthymia-Zentrum in Münster.)

Aufregend barmherzig

Klein - unscheinbar - geliebt

Bistum. Sie ist ein Vorbild an Barmherzigkeit. Wer die Clemensschwestern kennt, kennt vor allem sie: Schwester Maria Euthymia. Am 7. Oktober 2001 wurde sie in Rom durch Papst Johannes Paul II. selig gesprochen.

Sie ist Barmherzigkeit in Person – liebevoll, gütig, freundlich. Aber auch provokant: Wie kann ein Mensch nur so sein?

"Was sie tat, das tat keine andere", berichtet Schwester Raphaelis. Sie hat Schwester Maria Euthymia selbst erlebt. Damals – Mitte der Fünfzigerjahre – war sie in der Ausbildung zur Kinderkrankenschwester in der Raphaelsklinik in Münster. Und Euthymia leitete das Waschhaus – eine sehr harte und schwere Arbeit.

Was tat sie denn? "Sie hielt uns die Tür auf", erzählt Schwester Raphaelis, die viele Jahre mit ihrer Mitschwester Annette für das Euthymia-Zentrum verantwortlich war. "Selbst wenn sie im lauten Waschhaus mit dem Rücken zur Tür stand, bekam sie mit, wenn wir mit einem großen Bündel Schmutzwäsche kamen. Schnell drehte sie sich um und hielt uns freundlich die Tür auf – das tat sonst niemand." Untereinander redeten sie darüber: "Wie macht sie das?"

Stets hat Schwester Euthymia ein gutes Wort für die jungen Frauen – freundlich, zuvorkommend, aufmerksam. Noch auf dem Sterbebett lässt sie den Schülerinnen, die gerade ihre Abschlussprüfung machen, ausrichten: "Ich bete für Sie." Drei Tage vor ihrem Tod am 9. September 1955 war das. Alle schafften ihr Examen; "die schlechteste Note war ein Gut", erinnert sich Schwester Raphaelis. Zum Dank bekam die todkranke Euthymia einen großen Blumenstrauß.

Wenig später standen sie alle vor ihrem offenen Sarg. "Da liegt eine Heilige", sagt damals die Jüngste unter den frisch gebackenen Kinderkrankenschwestern. "Eine Heilige" – das sagen viele der Kranken, die vom Fenster aus auf das Waschhaus sehen können. Sie rufen es denen zu, die zur Totenkapelle gehen, wo Schwester Maria Euthymia aufgebahrt ist.

Fromm geprägt ist die 1914 geborene Emma Üffing durch ihr Elternhaus. An einem Wegekreuz in Halverde bei Hopsten am Nordrand des Münsterlands betete sie häufig. Das Kreuz – Inbild der göttlichen Barmherzigkeit – dominiert die kleine Dorfkirche St. Peter und Paul in Halverde; dort geht sie oft mit ihrer Mutter zur heiligen Messe.

Geschwächt durch eine Rachitis muss die kleine Emma Üffing kämpfen – in der Schule, auf dem elterlichen Hof. Sie geht als Jugendliche nach Hopsten und macht eine Ausbildung im St.-Anna-Krankenhaus, wo sie die Clemensschwestern kennen lernt. Eine Mitschülerin aus dieser Zeit meint: "Keine Arbeit war Emma Üffing zu klein oder zu gering. Von allen im Haus wurde sie geschätzt und geachtet." Frühe Anerkennung.

1934 geht ihr "Herzenswunsch" in Erfüllung: Sie darf endlich Ordensfrau werden. Mit viel Energie und Ausdauer schafft sie mit "Sehr gut" später die Prüfung zur Krankenschwester – ein Beruf wie maßgeschneidert für sie. Seit 1936 ist sie in Dinslaken tätig. Der Krieg macht sie zum "Engel" – so nennen sie die kranken Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter, die von ihr gepflegt werden. "Mama Euthymia" nennen sie andere. Sie verkörpert "christliche Liebe", wie ein Gefangener später berichtet. So ist sie: freundlich, zuvorkommend, aufmerksam, liebevoll.

Geduld und Langmut

Doch dies provoziert: Emile Eche, ein kriegsgefangener französischer Priester, ist überaus skeptisch, als er mit Schwester Euthymia zusammenarbeiten soll. Er schreibt: "Schließlich erinnerte ich mich daran, dass einige Ordensschwestern von Schwester Euthymia wie von einer Heiligen gesprochen hatten. Ich würde also Gelegenheit haben, dieses Gerede nachzuprüfen und selber festzustellen, was an dieser 'Heiligen' echt war. Und da man mich selber zu Geduld und Langmut zwang, wollte ich feststellen, was Geduld und Langmut einer deutschen Ordensfrau wert sind. So gab ich mich anfangs barsch und abweisend, ich widersprach und übte sogar scharfe Kritik. Wenn Schwester Euthymia auch nicht im Einzelnen verstand, was ich sagte, so war mein Gesichtsausdruck doch unmissverständlich, und sie konnte darin nichts Freundliches entdecken. Aber ihre Antworten waren aufregend – denn es ist aufregend, wenn man selber harte Worte gebraucht, aber auf der anderen Seite kein ärgerlich verzogenes Gesicht sieht. Schwester Euthymia gewann mich durch ihre Einfachheit und Geradheit. Ihre Stille und ihr Lächeln überzeugten mich von ihrem Wert."

Der Priester beschreibt detailliert sein Verhalten – und die Liebe, die ihm die "Heilige" entgegenbringt. "Die Barmherzigkeit, das vierte Ordensgelübde der Clemensschwestern, ist von Schwester Euthymia in wahrhaft heroischer Weise erfüllt worden", urteilt der Geistliche. Eche beschreibt, wie Schwester Euthymia eines Tages Nachricht erhält, dass ihr Bruder in Russland gefallen sei. "Ihr Gesicht war unendlich traurig. Aber sie weinte nicht. 'Fiat' sagte sie, es geschehe. Dann fuhr sie fort, ihre kranken Russen zu versorgen."

Schwester Euthymia schrieb einmal: "Liebe: Ein so kleines, winziges Wörtchen, und ach, welch einen Reichtum trägt es in sich. Leider ist diese tiefe Goldgrube so wenig bekannt. Du, o lieber Heiland, warst uns Vorbild. Du, die reichste Quelle unendlicher Liebe. Dein ganzes Leben war Liebe. Liebe für alle ... Wohltätige Liebe für die Ärmsten und Verlassenen. Tröstende Liebe für die Traurigen und Weinenden. Ja, dienende Liebe für die Allerärmsten, und die Feindesliebe übtest du noch in deinen größten Schmerzen am Kreuze. Und ach, wo bleibt meine Liebe, ist sie ganz vergraben? Nein, mein lieber Heiland, auch ich will Liebe ... wohltuende Liebe spenden. O schenke du mir, o mein lieber Heiland, du meine einzige Liebe ... ein Fünkchen deiner Liebe, damit auch ich allen Liebe geben kann, die mir begegnen, mag es durch Wort oder Tat oder auch nur durch einen liebenden, freundlichen Blick sein. Wenn deine Liebe sich doch in mir, in deiner Braut, widerspiegelte. Herr, gib mir mehr Liebe ..."

Dieses Vorbild einer Krankenschwester wird später in der Waschküche eingesetzt. Doch von Euthymia kein Protest. "Es ist ja alles für den großen Gott" – also wusch sie ihm fortan die Wäsche. Sie tat alles für ihn und wollte seine Liebe weitergeben.Und die Menschen um sie herum spürten das: "Sie hat gemerkt, wenn etwas nicht in Ordnung war und man Sorgen hatte", erzählt Schwester Raphaelis. "Niemand sonst fragte danach – sie spürte es."

Euthymia – die ganz andere Schwester: Wenn die jungen Krankenpflegeschülerinnen den Termin für die Abgabe der Schmutzwäsche verpasst hatten, entschuldigte Schwester Euthymia diese Verspätung: "Sie hatten sicherlich so viel zu tun." – Keiner musste ein schlechtes Gewissen haben, aber keiner nutzte das aus, wie Schwester Raphaelis betont. Denn alle hatten eine große Hochachtung vor ihr.

Ihre Kraft schöpfte sie nach den Worten von Emile Eche "aus einem starken inneren Leben, und der Herr schützte ihre empfindsame und reine Seele. Ich wusste dies recht gut, so dass ich ihr in ruhigen Stunden in meinem Kauderwelsch sagte: 'Schwester Euthymia, hier ganz Ruhe, nicht mehr Arbeit. Für Sie besser in Kapelle.'" Stunden verbringt sie so im Gebet.

Auch das beeindruckte später die jungen Krankenpflegeschülerinnen. Ohne Buch oder eine andere Hilfe kniete sie in der Anbetungskirche St. Servatii neben dem Mutterhaus in Münster. "Sie strahlte Gottesnähe aus", meint eine Mitschwester. Kurz vor ihrem Tod berichtete sie der Generaloberin von ihren Erfahrungen im Gebet, die man wohl nicht anders als mystisch bezeichnen kann.

Deutlich wird in ihren Aufzeichnungen, dass sie bei aller Demut und Bescheidenheit keineswegs naiv war: "Und wenn du mich lieb hast, Jesus, warum lässt du mich hier auf der Erde, wo die Menschen mich ausschelten und hart zu mir sind und mir alle möglichen Dinge befehlen, die ich nicht tun mag? Warum nimmst du mich nicht lieber zu dir in den Himmel, wenn du mich lieb hast?"

Im Gebet erfährt Schwester Maria Euthymia die Antwort Jesu. Sie schreibt weiter: "Ja, ich liebe dich, darum nehme ich dich nicht gleich zu mir in den Himmel. Denn gerade, weil ich dich liebe, lasse ich dich eine kleine Weile auf der Erde, damit du auf meinen Wegen in den Himmel gehen kannst. Auf dem Weg der Tapferkeit und des Sieges. Auf dem Weg treuer Freundschaft und Liebe. Dann wirst du einst wie ich eine strahlende Krone tragen. – Ja, das Kreuz ist schwer. Man muss die Hingabe geübt haben, Tag für Tag, um es in schweren Tagen und im Tod zu können."

Diese kleine, unscheinbare Frau wurde 2001 selig gesprochen. Barmherzig ist sie noch heute – ungezählte Menschen haben auf ihre Fürbitte Hilfe erfahren.

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Text: Norbert Göckener | Foto: Archiv in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
07.10.2011

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