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Seite: Aktuelles  >  Eising: "Manche kommen nach langer Abstinenz"
16.05.2012
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Anne-Marie Eising.
Anne-Marie Eising.

Stadtlohner Pastoralreferentin Eising:

"Manche kommen nach langer Abstinenz"

Stadtlohn. Die Elternkatechesen im Rahmen der Erstkommunionvorbereitung 2011 in Stadtlohn St. Otger begleitete die Pastoralreferentin Anne-Marie Eising.

Kirche+Leben: Was verbirgt sich hinter den Elternkatechesen?

Anne-Marie Eising: Wir bieten den Eltern der Erstkommunionkinder sieben thematische Elternabende an, bevor die Vorbereitung ihrer Kinder beginnt. Es geht zum Beispiel um die Bedeutung der Bibel für unseren Glauben, um das Gebet und um die Bedeutung der Sakramente. Bewusst habe ich die Form des Vortrags gewählt und lade die Eltern anschließend ein, über die Inhalte ins Gespräch zu kommen. So bleibt man nicht am Erfahrungsaustausch hängen, auch wenn dieser wichtig ist. Ermutigt hat mich die Reaktion einer Mutter nach den ersten Elternkatechesen: Sie sagte: "Ich gehe zwar fast regelmäßig in die Kirche, aber ich weiß kaum etwas über meinen Glauben. Deshalb fällt es mir sogar schwer, Fragen zu stellen. Mir tut es gut, einfach mal zuzuhören und das, was mir wichtig ist, mitzunehmen." Die Elternkatechesen in dieser Form sind für manche ein erster Einstieg oder ein Wiedereinstieg, sich mit dem Glauben der Christen auseinander zu setzen, ohne sich anderen im Gespräch aussetzen zu müssen. Und die Entscheidung, dieses Angebot wahrzunehmen, ist auch eine kleine Entscheidung für den Glauben.

Kirche+Leben: Warum ist diese Form der Katechese so wichtig?

Eising: Kinder wachsen in den Glauben hinein. Aber das setzt voraus, dass sie mit Erwachsenen – Eltern, Lehrern und Katecheten – zu tun haben, die glauben. Wer sich als Erwachsener nicht reflektiert mit seinem Glauben auseinander setzt, wird ihn verlieren oder er wird magisch oder fundamentalistisch glauben. Ich selbst hatte als junge Erwachsene nach Möglichkeiten gesucht, mehr über meinen Glauben zu erfahren. In der Gemeinde fand ich dazu kaum Angebote. Dabei sagte schon 1979 Papst Johannes Paul II. in seinem Schreiben "Catechesi Tradendae": "Erwachsenenkatechese ist die hauptsächliche Form der Katechese, denn sie richtet sich an Personen, welche die größte Verantwortung und Fähigkeit besitzen, die christliche Botschaft in ihrer voll entwickelten Form zu leben." Die Elternkatechese im Rahmen der Erstkommunionvorbereitung ist eine Form der Erwachsenenkatechese. Zu ihr kommen Eltern, die andere erwachsenenkatechetische Angebote unserer Gemeinde nicht wahrnehmen.

Kirche+Leben: Auf welche Resonanz stößt das Projekt in Ihrer Gemeinde?

Eising: Gut zehn Prozent der Eltern nehmen dieses Angebot wahr. Einige kommen zu allen Elternkatechesen, andere nur zu bestimmten Themen. Eltern, die bereits während der Erstkommunionvorbereitung eines älteren Kindes an der Elternkatechese teilgenommen haben, holen Themen nach, die sie beim ersten Durchgang verpasst haben. Einige Katecheten nehmen dieses Angebot ganz bewusst als zusätzliche Vorbereitung für ihre Tätigkeit wahr. Manche Eltern kommen, weil sie etwas Gutes für ihr Kind wollen. Andere, um ihr eigenes Glaubenswissen zu vertiefen. Manche sagen sogar ausdrücklich, dass sie nach langer "Abstinenz" die Erstkommunion ihres Kindes für sich selbst nutzen wollen, um wieder mit der Kirche in Kontakt zu kommen.

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