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30.09.2016
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Pater Werinhard Einhorn (l.) und Pater Solan Lyschik.
Pater Werinhard Einhorn (l.) und Pater Solan Lyschik vor dem "hörenden Propheten" an ihrer Krippe in Paderborn.

Auf das Franziskanische der Krippe Wert legen

Berührend widerspenstig inszeniert

Paderborn. "Wenn uns eine Sache emotional trifft und uns bewegt, dann ist das eine Performance im franziskanischen Sinn." Pater Werinhard Einhorn blickt auf die Krippenfiguren in der Klosterkirche des Franziskanerklosters in Paderborn. Mitten vor dem Altar haben sie ihren Platz, stehen auf den ersten Blick ein wenig diffus, und nicht jedes der in Holz geschnitzten Gesichter ist dem Jesuskind zugewandt. "Lebendig muss sie sein, Teil der Liturgie, emotional aufladend", sagt der 73-jährige Franziskaner. "Denn was nur schön, was nur Kunst, was trocken ist, hat mit Franziskus nicht viel zu tun."

Genau das habe der Heilige selbst gelebt und zum Ausdruck gebracht: "Franziskus war ein hochemotionaler Mensch – was er selbst empfand, das versuchte er auch zu den Menschen zu  transportieren." Sein Sonnengesang sei das wohl bekannteste Beispiel dafür, "wie gefühlsbetont er Gottes Botschaft verkündete". Und damit auch die Weihnachtsbotschaft. Der Bericht über das Krippenspiel, das er im Jahr 1223 im italienischen Greccio initiierte, sei ein "beeindruckender Beleg".

"Die Weihnachtsgeschichte wurde damals lebendig", sagt Pater Werinhard. Und zwar so, dass die Menschen, welche die Weihnachtsmesse besuchten, sie fühlen konnten. "Ich möchte nämlich das Gedächtnis an jenes Kind, das in Betlehem geboren wurde, und ich möchte die bittere Not, die es schon als Kind zu erleiden hatte, so greifbar als möglich mit leiblichen Augen schauen", soll laut Überlieferung der damalige Wunsch des heiligen Franziskus geheißen haben. "Keine Inszenierung, kein prunkvolles Schauspiel, keine aufwändigen Arrangements", betont Werinhard mit Blick auf das, was sich damals in der Heiligen Nacht abspielte. "Sondern ein Herunterbrechen der Geschehnisse auf einen nachvollziehbaren Kern."

Was mit den einfachsten Mitteln geschah. Franziskus habe einfach die Kulisse der damaligen Zeit genutzt, um die Menschen möglichst nah an die Situation der heiligen Familie heranzuführen. "Dunkelheit, Nacht, Wald, Felsen, Kälte ..." Sinnliche Elemente einer Dezembernacht in Italien. Ein "Krippenspiel" fast ohne Figuren, nur Ochs und Esel standen an einem ausgehöhlten Felsen mit Heu. Über dieser "Krippe" wurde das Hochamt gefeiert. Er habe die große Theologie damit "auf einen Wesenskern" heruntergebrochen, sagt Pater Werinhard. Denn in dieser Darstellung sei "eine ganze Menge drin": "Die bittere Armut der Menschen, in die sich Gott mit der Geburt seines Sohnes begibt, wird so glaubhaft." Eine "gefühlte Aussage", welche die Menschen damals begeistert habe.

"Der Wald erschallt von Stimmen, und die Felsen hallen wider von dem Jubel", heißt es in der Überlieferung. "Die ganze Nacht jauchzt auf in hellem Jubel." Was sicher auch an einer besonderen Fähigkeit des heiligen Franz von Assisi gelegen habe, meint Pater Werinhard: "Wenn er sich freute, konnte er andere anstecken." Franziskus selbst habe "voll tiefen Wehs" geseufzt. Und eins sei sicher: "Die Menschen haben sich richtig mitgefreut über das Weihnachtsfest."

Die damaligen Ereignisse waren nicht die Erfindung der Krippendarstellung. Vorher hatte es schon Weihnachtsspiele gegeben, zum Teil so theatralisch, dass sie von den Bischöfen verboten wurden. Es sei vielmehr ein neuer, weil franziskanischer Akzent gewesen, so Werinhard: "Das Einbinden der Krippe in die Liturgie, das Predigen darüber, die Abkehr von einer prunkvollen Initiierung zugunsten einer wesentlichen Aussage waren damals neu und radikal." Die Darstellung wurde nicht wiederholt, auch weil Franziskus wenige Jahre später starb. Aber als in der Barockzeit die figürliche Darstellung der Weihnachtsgeschichte auflebte, besannen sich gerade die franziskanischen Klöster auf diese Gedanken.

Gedanken, die auch heute noch in vielen Krippen sichtbar sind: die Verbindung von Altar und Krippe, das damit verbundene Einbinden des Weihnachtsgeschehens in die Liturgie, eine hintergründige, weil bewusste Auswahl und Anordnung der Figuren. "Bei einer franziskanischen Krippe darf es keine Zuschauer geben", sagt Pater Werinhard. "Niemanden, der einfach nur betrachtet."

Die Ansprache der Menschen sei dabei auf ganz unterschiedlichen Wegen möglich. Durch die Position am Altar: "Sie gehen bei der Kommunion zur Krippe." Durch die Thematisierung: "Wenn sie nicht Thema der Predigt ist, verspielt man wertvolle Möglichkeiten." Und ganz bestimmt auch durch den Aufbau: "Wie bei Franziskus kreativ, menschlich und emotional, aber mit einer verständlichen und nachvollziehbaren Aussagen."

"Es muss erst einmal alles möglich sein", sagt Pater Solan Lyschik, mit dem Pater Werinhard seit einigen Jahren die Krippe in der Klosterkiche in Paderborn aufbaut. "Auch das Widerspenstige, das Fragliche und das Aneckende." Wichtig sei die Liebe, mit der man sich der Aussage nähere.

Und so drehen und wenden die beiden Franziskaner ihre Figuren beim Aufbau der Krippe immer wieder, wählen außergewöhnliche Figuren aus und sehen in den Blickrichtungen und den Positionen entscheidende Aussagen. Etwa beim Verkündigungsengel, an dessen Stelle nach intensiver Diskussion im Konvent der rufende und hörende Prophet gerückt ist: "Er vertritt für uns die Verkündigungskompetenz." Oder auch im Esel, der einmal ganz vorn vor der Krippe stand und trotzig in die Gemeinde blickte: "Weil die Menschen die tiefe Aussage der Kunst in der Kirche nicht mehr wahrnehmen, sondern nur nach dem Geschmack entscheiden."

Diese manchmal feinen Veränderungen seien wichtig, "weil die Bilder der Krippe sonst nur noch das sagen, was wir ohnehin schon wissen", sagen die beiden Patres. Nicht das Arrangieren von Bekanntem, sondern das Suchen nach Markantem sei charakteristisch für den franziskanischen Krippenbauer. Ein Anspruch, dem viele Krippen heute von selbst gerecht würden, ohne sich bewusst in die Tradition jener Nacht im italienischen Greccio zu stellen.

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