
- Der aus dem nahen Kleve stammende Hamburger Erzbischof Werner Thissen segnete die neuen Kirchenfenster in Kalkar.
Thissen segnet neue Fenster in Kalkar
"Zur Glaubensverkündigung werden Künstler gebraucht"
Kalkar. Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen hat am Donnerstag (21.08.2008) drei Fenster in der bekannten Kirche Sankt Nicolai in Kalkar am Niederrhein gesegnet. Zur Verkündigung des christlichen Glaubens würden nicht nur Prediger, sondern auch Künstler gebraucht, sagte der aus dem benachbarten Kleve stammende Bischof im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes.
Trotz großer Not in der Welt sei es berechtigt, mit großem finanziellen Aufwand angefertigte Kunstwerke wie die Kalkarer Kirchenfenster aufzustellen. Aus dem Glauben heraus würden die Menschen Kraft und Zuversicht Die frohe Botschaft werde aber nicht nur durch Prediger verkündet.
Evangelium mit allen Sinnen aufnehmen
"Es reicht nicht, das Evangelium allein mit dem Verstand aufzunehmen, man muss es mit allen Sinnen aufnehmen", sagte Thissen. Man müsse das Evangelium mit Augen in den Werken der Kunst aufnehmen, wie in den "wunderbaren" Altären, Bildtafeln, Plastiken und in den neuen Fenstern. Sie erzählten auf vielfache Weise vom Glauben.

Für die drei jüngsten Fenster mussten
360.000 Euro aufgebracht werden.
Die Fenster des Wiesbadener Glaskünstlers Karl Martin Hartmann tragen laut Pfarrgemeinde den Titel "Manifestation des göttlichen Lichtes". Sie sind in kräftigen Farben gehalten und zeigen abstrakte Formen aus der Welt der Physik. Die insgesamt 22 Fenster der Kirche waren im Krieg zerstört worden und seither einfach verglast. Inzwischen hat Hartmann 13 davon neu gestaltet. Sankt Nicolai gehört zu den bedeutendsten Schatzhäusern spätmittelalterlicher Kunst in Europa; berühmt sind vor allem die Schnitzaltäre der Kirche.
"Hochrangige Kunstwerke der Gegenwart"
Erzbischof Thissen nannte Hartmanns Fenster "hochrangige Kunstwerke der Gegenwart". Sie hätten auf den Betrachter eine besondere Wirkung. Jedes Fenster sei wie eine Fuge von Bach: streng geordnet, aber nicht verbissen, sondern spielerisch. Ihre Bilder bauten "eine Brücke vom Ufer seines Lebens zur Unendlichkeit Gottes", sagte Thissen. Sie weckten und ordneten "auf spielerische Weise Gedanken, Ereignisse, Bilder, Empfindungen, die mehr oder weniger verschüttet auf meinem Seelengrund schlummern".
Auch der frühere NRW-Ministerpräsident und Bundesminister a. D. Wolfgang Clement bewunderte die neuen Kirchenfenster als großen Schatz in Nordrhein-Westfalen. "Es sind einzigartige Fenster, einzigartig wie auch der Künstler", sagte Clement. In den neuen Fenstern entdecke er physikalische Strukturen. Auf ihre Weise stellten sie künstlerisch die modernen Strukturen der Schöpfung dar und bildeten so die Brücke von der mittelalterlichen zur modernen Kunst.
Großzügige Unterstützung
Für die drei jüngsten Fenster mussten 360.000 Euro aufgebracht werden. Unterstützt wurde der Kauf durch eine großzügige Spende der RWE AG und der Alfried-Krupp-von-Bohlen-und-Halbach-Stiftung. Möglich wurde die Unterstützung nach Auskunft von Karl Ludwig van Dornick, Vorsitzender des Fördervereins St. Nicolai, durch den Einsatz des früheren Bundesministers Wolfgang Clement und seiner Frau Karin.
Der Förderverein konzentriert sich jetzt auf den Kauf der Turmfenster, die rund 150.000 Euro kosten werden. Die Pfarrgemeinde möchte als Nächstes die Fenster in der Sakramentskapelle erneuern. Thissen hatte als münsterscher Generalvikar die Gestaltung neuer Kirchenfenster angeregt und die grundlegende Finanzierung geregelt.
Text und Foto: Jürgen Kappel, 22.08.2008
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