Anzeige:
Werbung

kirchensite.de | Online mit dem Bistum Münster: Nachrichten aus der Kirche, katholischer Glaube, Spiritualität, Heiligenlexikon, Veranstaltungen, Seelsorge, Fürbitte, Bibelarbeiten, Dossiers.

. . . . .
Seite: Aktuelles  >  Archivartikel
31.07.2016
Artikel drucken
Logo kirchensite.
Aus dem kirchensite.de-Archiv
Burkhard Menke aus Molbergen bei einem Besuch in Rom: Der Theologe und Lektor des Herder-Verlages in Freiburg begrüßt seinen prominentesten Autor, Papst Benedikt XVI.

Burkhard Menke aus Molbergen ist Lektor des Papst-Buches

Blick auf den Schreibtisch des Papstes

Molbergen. Molbergen ist seine Heimat, eine kleine Ortschaft im oldenburgischen Teil des Bistums. Doch Burkhard Menke hat es weit gebracht: Der Theologe hat beim Herder-Verlag in Freiburg als Lektor das neue Jesus-Buch von Papst Benedikt XVI. betreut. Im Gespräch mit "Kirche+Leben" gibt er Einblick in die spannende Arbeit mit dem prominentesten Autor der Welt.

"Kirche+Leben": Herr Menke, was tut ein Lektor eigentlich den lieben langen Tag?

Burkhard Menke: Lektoren machen das Programm eines Verlags. Idealerweise haben sie hin und wieder eine gute Idee und fragen dann jemanden, ob er oder sie ein bestimmtes Buch schreibt oder herausgibt. Oder es kommen Autoren von sich aus mit Vorschlägen. Manche stellen eine vage Idee vor, andere schicken fertige Manuskripte. Die sehen sich die Lektoren an. Schließlich verfolgen die Verlage, was im Ausland erscheint und was sich vielleicht zur Übersetzung eignet. Die Lektoren entwickeln die Projekte mit den Autoren, kümmern sich um Kalkulationen, Verträge, Gestaltung und evtl. Bebilderung, halten den Kontakt zur Produktionsabteilung, zu Vertrieb und Marketing, Presse und Werbung. Sie verantworten und begleiten die Buchprojekte von der Idee über die Realisierung bis zur Präsentation.

"Kirche+Leben": Mit welchen Gefühlen gehen Sie als Lektor dann an ein Manuskript des Heiligen Vaters?

Menke: Seitdem Joseph Ratzinger Papst ist, bekommen wir die offiziellen Texte in einer amtlichen Fassung aus Rom, die wir in die neue Rechtschreibung bringen, für die wir Kommentare und Hinführungen beschaffen und die wir in eine anprechende Form bringen. Dagegen ist das Manuskript für das Jesus-Buch schon etwas ganz anderes, etwas sehr Besonderes. Das ist wieder wie früher, das ist Arbeit am Original. Dass ein amtierender Papst nicht als Papst, sondern als gläubiger Christ ein Buch schreibt, um Verständnis für seine Sicht bittet und zum Gespräch darüber einlädt, gibt es zum ersten Mal in der Geschichte. Hinzu kommt, dass die deutsche Fassung die Grundlage sämtlicher Übersetzungen in der ganzen Welt ist. Es ist schon etwas Einmaliges, daran mitwirken zu dürfen.

"Kirche+Leben": Hält der Papst ganz normalen Kontakt zu Ihnen als seinem persönlichen Lektor und zu seinem Verlag, vielleicht wie jeder andere Autor?

Menke: Vor der Wahl zum Papst ging der Kontakt vor allem über den jeweiligen Sekretär. Wir haben uns aber auch persönlich immer wieder Briefe geschrieben und manchmal telefoniert. Es ging um neue Projekte, um Buchtitel, um Umschlaggestaltung, was halt anlag. Er war immer sehr unkompliziert. Seitdem er Papst ist, ist unser Ansprechpartner bei Projekten und Verträgen der Vatikanverlag. Manchmal sind Rückfragen an den Autor nötig, das geht dann wie früher über den Privatseketär, meistens per E-Mail. Für das Jesus-Buch gibt es im Vatikan eine Mitarbeiterin des Staatssekretariats, die dafür verantwortlich ist, dass die Ausgaben in allen Sprachen verlässlich sind; mit ihr arbeite ich eng zusammen. Manchmal werden Fragen dem Papst persönlich vorgelegt; er ist heute noch so, wie ich ihn früher kennen gelernt habe: rasch und unkompliziert. Er hat sich schon persönlich bedankt, wenn etwas besonders schön geworden war.

"Kirche+Leben": Sie haben sicher schon eine Menge verschiedener Autoren kennen gelernt. Wo würden Sie da den Heiligen Vater einsortieren?

Menke: Absolut vorn. Er ist hochgebildet, ein begnadeter Formulierer, ein stetiger Schreiber trotz Zeitknappheit, im Umgang höflich und unkompliziert und obendrein erfolgreich. Was er schreibt, ist spannende und anregende Lektüre. Mehr kann sich ein Lektor nicht wünschen.

"Kirche+Leben": Vor allem unter den prominenten Autoren sollen ja einige – wie man so hört und vielleicht auch verständlicherweise – ein wenig eitel sein. Kann man das – in aller Ehrerbietung – auch beim Heiligen Vater beobachten?

Menke: Eigentlich eher das Gegenteil. Joseph Ratzinger ist einer, der sich selber zurücknimmt. Er hat als Präfekt der Glaubenskongregation oft genug den Buhmann gegeben, wenn er es von der Sache her für nötig hielt, ohne Ansehen seiner Person, und sich dem öffentlichen Liebesentzug ausgesetzt, der für ihn gewiss ebenso wenig schön war, wie er für irgend jemanden sonst schön ist. Jetzt ist er wie ausgewechselt, aber es ist dasselbe Prinzip dahinter. Er nimmt sich selber zurück, es geht nicht um ihn, sondern um Gott, und darum kann er das eine wie das andere Amt annehmen und ausfüllen. Inhalte sind ihm wichtiger als Inszenierungen. So ist es auch in seinen Büchern. Er redet niemandem nach dem Mund. Er sagt, was er zu sagen für wichtig hält, damit Gottes Botschaft zu den Menschen kommt. Dass er sich freilich freut, wenn ein Buch gelungen ist und ankommt oder wenn ein Rezensent sein Anliegen begriffen hat, das ist doch ganz klar, das geht ja jedem so.

"Kirche+Leben": Wie wirkt die Qualität des Buches auf Sie?

Menke: Gewohnt ausgezeichnet. Man merkt, dass der Papst aus dem Vollen schöpft. Er hat die ganze Bibel präsent, er kennt die Forschung, er kennt die Kirchenväter und ihre Liebe zur bildhaften Ausdeutung der Bibel, er hat aktuelle Fragestellungen im Blick. Wer immer einen Blick hineinwerfen konnte, etwa Korrekturleser und Registermacher, bestätigt, dass es für ein wissenschaftlich solide gearbeitetes Werk außergewöhnlich gut lesbar ist.

"Kirche+Leben": Der Papst hat streng wissenschaftliche Werke geschrieben, sich aber auch für lockere Gesprächsbücher mit dem Journalisten Peter Seewald zur Verfügung gestellt. Haben Sie die alle gelesen? Wie sortieren Sie die ein? Wo steht das neue Buch in diesem Zusammenhang?

Menke: Was die Theologie betrifft, so stellt der Papst die Grundfragen im Zusammenhang des Ganzen. Viele sagen heute, da ist der "historische Jesus" auf der einen Seite und der "Christus des Glaubens" auf der anderen; ihrer Ansicht nach wurde alles, was man nicht historisch nachweisen kann, also auch die Gottessohnschaft Jesu, Jesus erst nachträglich von gläubigen Christen zugeschrieben. Damit setzt sich der Papst auseinander und ruft die Grundlagen des Glaubens in Erinnerung. Die Bibel verkündet die Botschaft, dass Gott die Menschen liebt, und dass selbst der Kleinste Grund zur Hoffnung über den Tod hinaus hat, weil nicht die Leistung zählt und weil Gott größer ist als unser Herz. Aber Gottes Wort ist nur dann wirklich verlässlich, wenn es nicht Menschenwort ist, sondern von Gott selber kommt. Dazu muss Benedikt den Aufweis führen, dass die Gottessohnschaft Jesus nicht aus heiterem Himmel zugeschrieben wurde, sondern dass Jesus selber den Anlass dazu gab. Er hat sich als eins mit Gott verstanden und das auch zu erkennen gegeben. Er hat Dinge gesagt und getan, die nur Gott sagen und tun darf. Dass das keine Anmaßung war, sondern der Wahrheit entsprach, zeigt der Papst in verschiedenen Zusammenhängen. Er sagt: Wer Jesus hört, hört Gott, und zwar durchaus auch in einem historischen Sinn.

"Kirche+Leben": Also doch durchaus ein hoch theologisches Buch.

Menke: Nicht unbedingt nur das. Dieses Buch wird viele Menschen im Glauben stärken, aber auch Widerspruch provozieren, weil es sich nicht kritiklos dem gängigen Wissenschaftsbegriff unterwirft. Für Benedikt XVI. braucht Glaube Vernunft, aber umgekehrt muss auch die Vernunft für den Glauben offen sein, weil sie sonst nicht der ganzen Wirklichkeit gerecht wird. Dies Buch ist eine Art Summe eines Theologenlebens, die Frucht lebenslanger Suche nach Jesus. Der Papst kennt die wissenschaftlichen Werke, setzt sich mit ihnen auseinander, baut die Ergebnisse der Forschung in sein Jesus-Bild ein. Aber er tut dies aus der Perspektive des Glaubens, was es zu einem ganz persönlichen Werk macht. Bisher galt immer, dass man mit dem Papst nicht diskutiert. Dieser Papst aber lädt hier ausdrücklich zum Gespräch und sogar zum Widerspruch ein. Das ist ein Genre religiöser Literatur, das es meines Wissens bisher noch nicht gab.

"Kirche+Leben": Wie hat der Papst dieses Buch eigentlich technisch geschrieben? Doch wohl mit der Tastatur eines Computers? Oder doch irgendwie altmodischer?

Menke: Der Papst hat den Stoff präsent, auch das, was er von anderen gelesen hat, und braucht dafür keinen Computer. Er schreibt von Hand, mit Bleistift, in einer Art persönlicher Kurzschrift. Wenn ein Text fertig ist, spricht er ihn auf Band. Schwester Birgit, eine deutsche Schönstatt-Schwester, die seit Jahren im Vatikan Dienst tut, tippt die Texte dann in den PC. Mich beeindruckt von Mal zu Mal mehr, was der Papst ohne Computer alles abrufen kann und wie seine Formulierungen auf Anhieb sitzen. Ich durfte einmal so eine handschriftliche Seite in Händen halten. Da war kaum radiert.

"Kirche+Leben": Schreibt er alles allein? Oder lässt er sich den Hintergrund, wie es früher in seiner Zeit als Professor möglich war, von so einer Art "akademischem Apparat", von Assistenten oder Ähnlichem, zuliefern?

Menke: Er schreibt allein. Jeder Fachhochschulprofessor in Deutschland hat mehr Hilfe von Assistenten als der Papst. Wenn man bedenkt, dass er nur am Dienstagvormittag ein paar Stunden Zeit für sich selber hat, ist es schon erstaunlich, was er in dieser kurzen Zeit alles schafft. Ein sehr beeindruckender Mensch.

Interview: Franz Josef Scheeben/Foto: Felici
in "Kirche+Leben", 13.04.2007

Lesen Sie mehr zu Papst
Benedikt XVI. in "kirchensite.de"

Das neue Jesus-Buches von Papst Benedikt XVI.

  • Benedikt XVI.
    "Jesus von Nazareth. Von der Taufe imJordan bis zur Verklärung"
    Mit Glossar und Register
    448 Seiten, 24 Euro
    Herder-Verlag, ISBN 978-3-451-29861-5
  • Geschenkausgabe:
    448 Seiten, 48 Euro
    gebunden in Feinleinen mit Silber-
    und Goldprägung,
    mit Faksimile einer Originalseite sowie
    einem Farbfoto des Papstes,
    in einem hochwertigen Schmuckschuber

Haus der Seelsorge

Die Klosterfürbitte, der Gruppen-Chat und die E-Mail-Seelsorge haben seit dem 1. Mai 2016 eine eigene Internetseite: www.haus-der-seelsorge.de.

VIDEO-Tipp ...

Bistumsmedien für "brüderliche Zurechtweisung".

Kommentar

Der Angst keine Chance! - Markus Nolte über vier Anschläge in einer Woche

Berufe der Kirche

Die Diözesanstelle ist Ansprechpartner für Menschen, die Interesse an einem Beruf in der Kirche haben.

Mariä Himmelfahrt

Papst Pius XII. Erklärte am 1. November 1950, dass Maria "nach Vollendung ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen worden ist".

Bibelarbeiten

Die Bibelarbeiten befassen sich mit Schriftstellen aus dem Alten und Neuen Testament und eignen sich für die Gemeindearbeit und für die persönliche Auseinandersetzung mit der Heiligen Schrift.

Dossier Wallfahrt

Seit Jahrhunderten machen sich Christen auf den Weg, um unterwegs Gott ein Stück näher zu kommen.

Jahr der Barmherzigkeit

Am 8. Dezember hat Papst Franziskus das Heilige Jahr der Barmherzigkeit eröffnet.

Eine-Welt-Arbeit

Die Eine-Welt-Arbeit im Bistum Münster wird vom Referat Weltkirche im Bischöflichen Generalvikariat in Münster koordiniert.

Glaubenswissen

Diaspora: Christen in der Zerstreuung.

Beitrag für Betriebsrenten

Caritas-Mitarbeiter beteiligen sich künftig an den Beiträgen für ihre betriebliche Altersversorgung.

Beten mit Kindern

Vor dem Urlaub.

Haushalt des Bistums

Laufende Einnahmen und Ausgaben.

Wallfahrtsorte

Kevelaer: Trösterin der Betrübten.

Verbände

Kolpingwerk.

Ferienfreizeiten

Daheim und unterwegs.

Frauenseelsorge

Kirche und Frauen - das ist ein facettenreiches Pflaster.

Regionen

Borken-Steinfurt.

Kirche von A bis Z

Caritas: "Lieb" und "teuer".

Durch das Jahr

Kräuterweihe an Mariä Himmelfahrt.

Geistlicher Impuls

Irischer Reisesegen.

Mit der Bibel leben

Bibelarbeit zum Hohelied.

Heiligenlexikon

31. Juli: Ignatius von Loyola.

Glaubens-ABC

Engel: Gottes Bote.

Das Evangelium hören

Service für Sie

Facebook

RSS-Feed Topnews

Öffnet internen Link im aktuellen FensterNewsticker für Ihr Web


Anzeigen-Sonderthema


Heiligenlexikon in "kirchensite.de"

im Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:

 

Kontakt

  kirchensite-Redaktion:
  redaktionkirchensite.de

  Technik:
  technikdialogverlag.de

Dialogversand