
Deutsche Bischöfe in Tabgha
Ein frommes Festund eine politische Mahnung
Von KNA-Redakteur Christoph Strack
Tabgha. "Faszinierend, dass in dieser Zeit der Hoffnungslosigkeit ein solcher Ort gebaut wird", meint der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke. Die deutschen Bischöfe nahmen am Dienstag (27.02.2007) an der Grundstein-Segnung für den Neubau des Benediktinerklosters in Tabgha am See Genezareth teil. Spürbar genossen sie die so festliche wie familiäre Atmosphäre im Sonnenschein.
Neben der Brotvermehrungskirche errichten die Benediktiner einen Klosterneubau. Die bisherigen Räume sind baufällig. Man könne "den Unterarm in einzelne Risse legen", sagt einer der Mönche. Derzeit leben hier fünf Ordensmänner. Der Neubau, für den die eigentlichen Arbeiten 2008 starten, soll 14 Klosterzellen haben. Die Reihe der jungen Mönche beeindruckt die Bischöfe. Die Dormitio-Abtei in Jerusalem, zu der Tabgha gehört, verzeichnet in den vergangenen Jahren eine Reihe von Eintritten.
In Deutschland selten
"Einen Klosterneubau erlebt man in Deutschland nur noch selten", sagt Hanke. Der 52-Jährige, selbst Benediktiner, fühlt sich "fast in die Pflicht genommen" davon, dass vor gut 1.300 Jahren der heilige Willibald, später erster Bischof von Eichstätt, auf Pilgerfahrt im Heiligen Land an den See Genezareth kam - und im heutigen Tabgha Benediktiner traf.
"Das ist", so Kardinal Karl Lehmann, "ein Tag der Freude für die Kirche in Israel - und nicht minder für die Kirche in Deutschland und die ganze Weltkirche." Der Vorsitzende der Bischofskonferenz betont die biblische Tradition des Ortes wie auch die Jugend- und Behindertenbegegnungsarbeit, die im Schatten des Klosters läuft. Tabgha, sagt der deutsche Botschafter in Israel, Harald Kindermann, sei mehr als nur ein Zeichen christlichen Glaubens. Der Ort atme Frieden und sei ein Zeichen der Hoffnung für alle, "die unter der Lage am meisten leiden". Der Diplomat nennt da nicht ausdrücklich die Christen. Er weiß, dass auch jüdische und muslimische Behinderte, darunter Verletzte aus Intifada-Kämpfen, in Tabgha Erholung finden.
"Religiösen Charakter des Bezirks wahren"
Lehmann verbindet seine Ansprache mit einer politischen Mahnung. Die israelischen Behörden müssten dazu beitragen, "den religiösen Charakter des Bezirks bis zum Ufer des Sees" zu wahren und die Beschaulichkeit des Ortes und der Landschaft unbeschadet zu lassen. Das hat ganz konkrete Gründe, wie der Direktor des Pilgerhauses und Priester des Bistums Münster, Pfarrer Ludger Bornemann, berichtet: Wiederholt drangen israelische Besucher auf das Gelände des Klosterbereichs vor, beschädigten Pflanzen und Absperrungen, um einen freien Zugang zum See zu erhalten.
Prior Jeremias spricht von einem Meilenstein für Tabgha: Es brauche "Orte geistlichen Lebens in der Lebensheimat Jesu". Und dann packt er Erinnerungsstücke in die Metallrolle, die im Grundstein an diesen Tag erinnern soll: ein Steinchen vom Golgotha-Felsen in Jerusalem etwa, eine Reliquie des heiligen Benedikt und einen Rosenkranz, auch eine israelische, eine arabische und eine "Süddeutsche Zeitung". Deren Aufmacher lautet: "Die Erde ist noch zu retten".
Bischöfe in Picknick-Atmosphäre
Der Präsident des Deutschen Vereins vom Heiligen Land, Kölns Kardinal Joachim Meisner, segnet den basaltenen Grundstein, der vor Wochen vom Fuße des Berges der Seligpreisungen herausgemeißelt wurde. Dazu ein Stück aus einer Säule der Westfassade des Kölner Doms. Ein weiteres Stück Köln am See. Schon in der Kirche hängt seit 25 Jahren ein kleiner Engel aus dem Gotteshaus am Rhein. "Wir bitten um Segen für dieses leidgeprüfte Land", sagt Meisner. Von Osten her knattert ein Hubschrauber in die fromme Stimmung, vielleicht unterwegs zum Golan.
Bei frühlingshaften Temperaturen klingt die Feier unter Palmen aus. Bischöfe in Picknick-Atmosphäre, beeindruckt vom Aufbruch dieses kleinen Stücks katholischer Kirche aus Deutschland mitten in Israel. Der Charme von Tabgha wirkt im Kreis der Oberhirten. Ludwig Schick, Erzbischof von Bamberg und daheim auch als Dauerläufer bekannt, marschierte schon morgens um sechs hinauf zum "Berg der Seligpreisungen". Frommes Walking als Jogging-Ersatz.
Lettmanns Lieblingsort zur biblischen Meditation
Reinhard Lettmann, Bischof von Münster und passionierter Heiligland-Fahrer, schwärmt von seinem Lieblingsort zur biblischen Meditation am See. Und alle Bischöfe riskieren ein wenig Übermut, als sie das offizielle Gruppenfoto schon mal ohne ihren Vorsitzenden schießen lassen. Als Lehmann verspätet um die Ecke biegt, stehen aber alle wieder ganz schnell brav in der Reihe.
Text: KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH, 27.02.2007
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